#81 - manchmal muss ich was sagen

07.08.2026 71 min

Zusammenfassung & Show Notes

Diesmal erzählt eine Bewohnerin, die gerade, nämlich am 26.6. 2026 90 Jahre alt geworden ist. Geboren 1936 und zwar in der Kaiserstadt Aachen. Da ihr Vater als Regierungsrat häufig umziehen musste, verbrachte sie ihre Kindheit in 16 verschiedenen Wohnungen im Dreieck Aachen, Eifel, Köln. Phasenweise musste die Familie jede Nacht in den Luftschutzbunker. So richtig Schule gab es erst mal auch nicht. In der Nachkriegszeit erinnert sie Hunger, eine Schaukel, ein Stoßgebet und Jungen, die sie auf dem langen Weg zum Kommunionsunterricht ärgerten. An die frühe Kindheit hat sie keine schönen Erinnerungen. – Aber, mittlerweile lebt die Familie wieder in der Eifel, auf dem Gymnasium in Prüm machte sie dann erste gute Erfahrungen mit fähigen Lehrer*innen. – Sie habe gerne den Mund aufgemacht und wurde so schnell Klassensprecherin. Sie berichtet von den zeit- und klassentypischen Vorstellungen der Mutter, von deren wachsender Depression, von der Schwester, die mit 6 Jahren an Kinderlähmung erkrankte, als Erwachsene arbeitet die Schwester unter anderem am Frankfurter Städelmuseum, sie sei immer die intelligentere gewesen. Meine Gästin wollte Lehrerin werden, lernte beim Studium ihren Mann kennen, für den sie schon zu Schulzeiten geschwärmt hatte. Er war auch in Prüm zur Schule gegangen. Sie berichtet von dem zeittypisch holperigen Beginn der Beziehung. Sie bezweifelt eine gute Mutter gewesen zu sein. Erzählt von den drei Kindern, verrät ein Geheimnis ihrer guten Ehe. Es ist die Rede von der wichtigen Rolle, der Religion und der Mitarbeit bei einem katholischen Frauenkreis in ihrem Leben. Das Thema geschlechtergerechte Sprache liegt ihr am Herzen. Sie berichtet über ihre kleine, große Schwester, ihre Tochter, ein großes Unglück. Mitgestaltungsmöglichkeiten im Heim, Urlaube und die Depression ihrer Mutter sind weitere Themen.


Waxweiler in der Eifel, der Ort, wo der Vater herkommt:
 
In Prüm ging sie zum Gymnasium
 
Regino-Gymnasium
 
Salvator Kirche:
 
Kanonenofen
 
Schwarzrheindorf, wo der spätere Ehemann als Student wohnte
 
Feministische Theologin Elisabeth Moltmann – Wendel
 
Edna Brocke
 
Mullejan Öcher Platt
Mull: Mund
Mullerejj: Geschwätz
 
 
Rückmeldungen sind möglich unter:
 
 
 
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Transkript

stephanie
00:00:10
Ruhrtal, biografische Geschichten aus dem Pflegeheim. Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Ruhrtal. Hier könnt ihr Bewohnern und Bewohnerinnen von Pflegeheimen zuhören, die aus ihrem Leben erzählen. Neue Folgen gibt es jeweils am ersten Freitag des Monats.
hans
00:00:36
Hallo auch von mir. Mein Name ist Hans und ich bin Altenpfleger. Die Gästin dieser Folge ist 90 Jahre alt. Und wenn du das Wort "Gästin" mit Befremden oder gar Unwillen gehört hast, dann klicke dich sofort raus. Sonst wird nämlich dir, Frau Weis, mit ihren zeitgemäß modernen Ansichten den Kopf durchpusten.
Hans
00:00:58
Guten Morgen, Frau Weis.
Frau Weis
00:01:00
Guten Morgen.
Hans
00:01:01
Wie sind Sie denn heute so in den Tag gekommen?
Frau Weis
00:01:05
Bisschen schwierig. Ich bin ja eine Schmerzpatientin, und es war nicht so ganz leicht, aber ich habe geschlafen und ich habe tatsächlich verschlafen,dass ich die Medikamente bekommen habe.
Hans
00:01:19
Aha, also die Kollegin hat die reingebracht und Sie haben das gar nicht
Frau Weis
00:01:23
Ich
Hans
00:01:23
gemerkt?
Frau Weis
00:01:24
habe es gar nicht gemerkt.
Hans
00:01:25
Ja. Schlafen Sie denn öfter so tief und fest, ode war das eine Ausnahme?
Frau Weis
00:01:31
Das war keine Ausnahme. Ich träume sehr viel. Aber es sind keine Albträume. Und das beruhigt mich dann ja sehr.
Hans
00:01:42
ja.
Frau Weis
00:01:42
Ich setze ich mich aber auch mit meinen Träumen immer ein bisschen auseinander.
Hans
00:01:46
Können Sie irgend so einem unverfänglichen einen Traum erzählen, irgendwie, wie die so ablaufen? Nicht, passt nicht
Frau Weis
00:01:53
Ich
Hans
00:01:54
so.
Frau Weis
00:01:54
will nicht,
Hans
00:01:55
Nein.
Frau Weis
00:01:55
ich will nicht Träume interpretieren.
Hans
00:01:58
Nein, So grundsätzlich wollte ich noch Fragen mit dem Schlafen. Haben Sie da Probleme oder können Sie gut schlafen?
Frau Weis
00:02:04
Ich kann im Großen und Ganzen gut schlafen. Ja, das habe ich schon immer gekonnt. Und deshalb haben wir uns auch in den Ehebetten irgendwann getrennt, weil mein Mann konnte nicht gut schlafen und dann mein Schnarchen, das kommt ja dann bin nicht in ein anderes Zimmer gezogen und wir konnten uns aber von Weitem sehen, das hat dann genügt
Hans
00:02:31
Ja, ja. Aha.
Frau Weis
00:02:32
Aber ich musste das schon akzeptieren, dass er nicht schlafen konnte. Und in den Ferien, wenn wir zusammen Urlaub machten, dann hat er immer 'ne Schlaftablette genommen. Damit er mein Schnarchen nicht hört.
Hans
00:02:47
Ist ja auch, finde ich, ganz gut, wenn er dann jetzt nicht die immer genommen hat.
Frau Weis
00:02:51
Ja.
Hans
00:02:51
Weil Nebenwirkungen und so sind ja auch nicht ganz so leicht da, ne? Sie wurden am 26.6.36 geboren. Habe ich das richtig...
Frau Weis
00:03:04
Genau!
Hans
00:03:06
Zusammengefasst?... Und wo?
Frau Weis
00:03:08
In Aachen. Da bin ich sehr stolz drauf, dass ich in Aachen der Kaiserstadt geboren bin.
Hans
00:03:15
Aachen ist ja auch eine sehr schöne Stadt.
Frau Weis
00:03:16
Ja, natürlich. Geschichtsträchtig und in jeder Weise, deshalb bin ich auch stolz drauf.
Hans
00:03:22
Ja.
Frau Weis
00:03:23
dass ich in Aachen. Jeder
Hans
00:03:24
Aha.
Frau Weis
00:03:25
sagt Aachen, oh ja.
Hans
00:03:26
Ja. Und Sie haben dann auch die gesamte Kindheit dort verbracht?
Frau Weis
00:03:30
Meine Kindheit, die war sehr unverbrochen. Ja. Wir sind, solange ich Kind war, 16 Mal umgezogen.
Hans
00:03:42
Mhm.
Frau Weis
00:03:43
Das waren sehr unruhige Zeiten, sodass ich nicht zu einer bestimmten Wohnung oder zu bestimmten, natürlich habe ich Erinnerungen, aber das, und wir sind aber immer nur innerhalb eines bestimmten, eines bestimmten Horizontes. Wir waren von Aachen nach Köln, von Köln nach Aachen, so ging es und dann letztendlich in die Eifel.
Hans
00:04:12
War das jetzt auch beruflich bedingt oder durch den Krieg, der ja dann irgendwann auch angefangen hat?
Frau Weis
00:04:19
Das war, das war durch meinen Vater. Meine Mutter war ja nicht berufstätig,
Hans
00:04:26
Mhm.
Frau Weis
00:04:26
aber durch meinen Vater war das, der kriegte hier eine Stelle, da eine Stelle. Und, äh, und mein Vater war sich dann hinterher auch, äh, der ging dann in die Nazi-Partei. Und dann konnte er... ist er irgendwann Regierungsrat geworden, und dadurch auch immer dieser Wechsel im Beruf.
Hans
00:04:53
Für Familie und Kinder ist das nicht immer schön, ne? man kann Freundschaften nicht pflegen
Frau Weis
00:05:00
Richtig.
Hans
00:05:00
und in der Schule nicht beständig, hat nicht die gleichen Lehrer.
Frau Weis
00:05:04
Ich hatte auch gar keine Schulzeit in dem eigentlichen Sinne, als wir dann in Köln wohnten, in einem kleinen Haus. Da hab' ich noch Erinnerungen dran, aber wir mussten jede Nacht in den Luftschutzbunker.
Hans
00:05:19
Ja.
Frau Weis
00:05:19
Da war Krieg, und das hab' ich da erlebt, und da mussten wir immer schnell angezogen werden
Hans
00:05:29
haben Sie denn die Kindheit trotzdem irgendwie so durch den familiären Zusammenhalt, oder die Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihren Geschwistern vielleicht doch als eher schön empfunden, oder war das insgesamt nicht so schön?
Frau Weis
00:05:46
Also da hab' ich keine
Hans
00:05:48
Ja,
Frau Weis
00:05:49
schönen Erinnerungen.
Hans
00:05:50
Ja,
Frau Weis
00:05:51
das ist nicht so. Erinnerungen, die ich habe, ich bin einmal, ich bin damals auch mit den Rollschuhen gefahren, und dann auf einmal, da saß ich, da kam ein Auto, und da saß ich vor dem Auto. Es war mir aber nichts passiert. Diese unschöne Erinnerung habe ich.
Hans
00:06:12
Ja. Und, ich muss jetzt mal gerade so rechnen, 36, normal wären Sie 42 zur Schule gekommen.
Frau Weis
00:06:18
Ja. Und das hatte aber auch nicht richtig. Ich kam in die Schule, und es war gar keine Schule.
Hans
00:06:25
Ja.
Frau Weis
00:06:26
Ja. Dadurch hab ich die ersten Schuljahre eigentlich überhaupt nicht erlebt
Hans
00:06:34
Nachkriegszeit war die Schule wahrscheinlich auch nicht viel besser organisiert, oder ging's dann so langsam irgendwie los?
Frau Weis
00:06:43
Ja Nachkriegszeit. Wir wurden dann evakuiert, wie man damals so schön sagt. Aber nicht weit weg, sondern wir wohnten dann in Gummersbach in einer Fabrik. Also da waren Räume für uns, und weil mein Vater ja nicht im Krieg war, und meine Mutter, die von da aus dann mit dem Fahrrad nach Aachen gefahren ist, wo dann ihre Mutter wiederum auf den Tod lag. Also ich habe diese Nachkriegszeit, und ich sehe mich immer noch, da wo wir wohnten, da war eine Wiese. Und da war eine Schaukel. Und dann bin ich geschaukelt und habe in den Himmel geguckt, und habe gesagt: " Lieber Gott, ich möchte mich einmal noch satt essen." und wo drunter ich gelitten habe, ich war ja katholisch, und dann wurde ich da, das war ja das Alter,wo ich dann auf die Kommunion, da musste ich aber einen langen Weg gehen bis bis zu dem Kommunionunterricht, und da waren immer ein paar Jungen, die mich geärgert haben. Das habe ich auch noch in Erinnerung. Also diese meine frühe Kindheit, und das habe ich nicht in schöner Erinnerung. Ich würde sagen, ich habe da keine keine freudigen Momente.
Hans
00:08:21
Ja
Frau Weis
00:08:22
In der Erinnerung. Es waren sicher auch ein paar freudig. Und dann kamen die Amerikaner, und dann wurde uns gesagt, da kriegt ihr Schokolade.
Hans
00:08:37
Ja.
Frau Weis
00:08:38
Da kann ich mich erinnern.
Hans
00:08:38
Mhm. Ja, Sie hatten gerade noch die Eifel als Wohnort erwähnt. Das war auch in dieser Zeit, in der Eifel? Oder war das später?
Frau Weis
00:08:48
Nein, das also das war eine sehr unruhige Zeit. Und dann konnten wir aber, weil mein Vater stammte aus der Eifel, aus Waxweiler. Dann sind wir aber dreimal in Waxweiler gewesen, nicht nur einmal. Ich kann das schon gar nicht mehr nachvollziehen. Aber letztendlich ist dann Waxweiler der Ort gewesen, wo ich, äh, da war ich 14. Da bin ich dann auch zum Gymnasium. Das war aber auch anfangs etwas schwierig. Man musste ja auch eine, äh, Aufnahmesprüfung machen. Und dann hatten wir Schule bei einer Frau, die sehr intelligent war, aber die jetzt noch keine Lehrerin war. Aber da haben wir in einer Schuster-Werkstatt - die Kinder, die da in dem Alter waren, dass sie zum Gymnasium gehen konnten, da haben wir gelernt.
Hans
00:09:59
Mhm
Frau Weis
00:10:00
Und diese, diese Lehrerin, das war eine sehr begabte Frau, die hat dann, all die Jahrgänge unterrichtet. Aber da hab ich keine schlimme Erinnerung dran.
Hans
00:10:14
Ja.
Frau Weis
00:10:14
Das war, das war gut
Hans
00:10:17
Ich denke mir, das ist dann auch so eine, so eine Sache, Gymnasium, Schule, es geht voran, es geht weiter. Man hat eine Perspektive, Man erlebt Menschen, die was können. Diese Lehrerin scheint ja eine ganz tolle Frau gewesen zu sein.
Frau Weis
00:10:30
Ja! Und sie hat auch ein Krippenspiel aufgeführt, kann ich mich noch gut erinnern. Und ich war ein Engel.
Hans
00:10:38
Aha.
Frau Weis
00:10:42
Ja, und natürlich Region hatten wir bei den Pfarrern.
Hans
00:10:47
Das sieht so aus, als wenn der ein bisschen steifer gewesen wäre und nicht so begabt pädagogisch. Ihr Gesichtsausdruck.
Frau Weis
00:10:55
Das sind Pfarrer.
Hans
00:10:57
Ja. Aber Gymnasium, denke ich mir, heutzutage ist es ja so, man hat für viele Fächer verschiedene Lehrer. Hier war das aber eine Lehrerin, die erst mal
Frau Weis
00:11:06
Ja.
Hans
00:11:07
das meiste.
Frau Weis
00:11:07
nur weil wir in diesem Raum waren. Und das änderte sich dann nachher, weil wir konnten dann mit einem Lastwagen zur Schule nach Prüm fahren. Und auf diesem Lastwagen saßen wir dann.
Hans
00:11:26
Also das war der Schulbus?!
Frau Weis
00:11:27
War der Schulbus. Ja. Und dann war die Schule noch nicht wieder aufgebaut. Das war eine ehemalige, das war eine Volksschule. Jedenfalls, ich habe da so recht und schlecht, bin ich auf dem Gymnasium gewesen.
Hans
00:11:44
Mhm. Und jetzt muss ich mal überlegen, so mit 18, 19 ist man meistens fertig damit. Das hieße 36, 46, 5 frühen 50ern, oder? Habe ich da mich jetzt verrechnet. Das kommt hin, ne?
Frau Weis
00:11:59
Ja. - Und da in Prüm. Prüm ist ja ein sehr bekannter Ort. Und da, geschichtlich hat er ja auch viel zu sagen. Und dann war als die, als die, das Regino-Gymnasium, der, Regino war mal Abt von dem Kloster.
Hans
00:12:21
Hhm
Frau Weis
00:12:21
Das
Hans
00:12:21
hm.
Frau Weis
00:12:21
hing alles Kirche, Salvatorkirche und das Regino-Gymnasium. Und da, da bin ich ganz gerne auf der Schule gewesen.
Hans
00:12:32
Hhm hm
Frau Weis
00:12:36
Und... aber das müssen Sie sich mal vorstellen. Wir waren eine gemischte Klasse. Das war vorher ein reines Jungen-Gymnasium. Aber wir durften in der Pause nicht zusammen mit den Jungen. Also, es war verrückt. Aber ich, und ich war ein bisschen privilegiert. Da waren ja viele Söhne und Töchter von Nicht-Akademikern, sage ich jetzt mal. Und mein Vater hatte ja den Doktortitel. Und ich war auch etwas privilegiert. Aber ich habe auch immer gern den Mund aufgefacht. Und habe meine Klassenkameraden verteidigt, wenn irgendwas war. Dadurch wusste ich, wurde ich natürlich schnell Klassensprecher. Es ist auch eine besondere Zeit gewesen. Und dann letztendlich habe ich dann da das Abitur gemacht. Da in dem Regino-Gymnasium.
Hans
00:13:45
Ja. Hatten Sie auch irgendwelche Lieblingsfächer?
Frau Weis
00:13:49
Mein Lieblingsfach war Geschichte, aber ich konnte nie die Zahlen nachhalten, aber ich war immer so interessiert, wie eins aus dem anderen folgte. Und wir hatten einen Geschichtslehrer, für den ich sogar geschwärmt habe, aber dann, als ich in Bonn studierte, hat dieser Geschichtslehrer mich besucht und was wollte der? Sex. Da, da war dieses Kapitel zu Ende. Aber ich bin, ich bin wirklich, also der Glaube hat immer für mich eine große Rolle gespielt, damals. Auch Religion hatte ich ja so gerne, vor allen Dingen, ich kriegte immer gute Noten, ich hatte immer viel zu fragen. Das haben Lehrer ja ganz gerne.
Hans
00:14:39
Ja, ja.
Frau Weis
00:14:40
Und, äh, ja. Und ich konnte mir nie vorstellen, wenn ich, das war alles noch nach dem Krieg, da, als dann die Abiturienten vorgestellt wurden, das war immer in so einem Treppenhaus. Und dann habe ich immer da oben hingeguckt und hab gedacht, du wirst da niemals stehen, konnte mir nicht vorstellen, dass ich, äh, ja, dass ich das schaffen würde. Ich war, wollen wir mal so sagen, ich war eine interessierte Schülerin, aber ich war nicht so, dass da laufend die guten Noten geschrieben hätte.
Hans
00:15:22
Ich würde jetzt gerne noch wissen, Sie hatten vom geschichtlichen Interesse erzählt und, ähm, von Ihrem Glauben. Können Sie auch so sagen, das kommt eher von der Mutter her oder irgendwie, es hat sich einfach so entwickelt?
Frau Weis
00:15:35
Von meiner Mutter her, ganz eindeutig. Ganz eindeutig, meine Mutter, die, die war ganz eindeutig von der Mutter, mein Vater war eher neutral. Ich hab auch immer von meinem Mann gesagt, er ist, äh, neutral. Nee, ich hatte da einen anderen Ausdruck für. Auf jeden Fall mein Vater. Und der kriegte dann nachher in Waxweiler noch mal eine Stelle und der wurde dann Amtsbürgermeister, sodass das auch, äh , das war eine gute Stelle und er, er hat diesen Job sehr gerne gemacht. Und ich war dann, aber, bei mir trat dann auch etwas Unerwartetes an. Ich hab ja noch eine Schwester. Und meine Schwester, die bekam, ich will diesen Zwischenaufenthalt nicht nennen, die bekam Kinderlähmung. Und da war die sechs Jahre alt. Und das hat mich geprägt. Und meine Mutter ist sehr schwer mit dieser Krankheit fertig geworden. Die war sowieso leicht depressiv. Und dann hat es immer geheißen, die arme Ellen, die arme Ellen. Und dadurch bin ich auch nie wieder, die, die Heranwachsenden sind dann auf Festen gewesen und weil die arme Ellen konnte ja nicht. Und die wird nie heiraten. Das war immer der größte Kummer meiner Mutter. Damals. Einen Freund haben Heiraten, Kinder kriegen. Das war das Ideal. Ja. Und das ist dann die Zeit in Waxweiler gewesen. Und die Zeit, ich bin wirklich gerne in die Schule gegangen. Und ich war ja auch Pfarrschülerin. Also das war eine sehr intensive Zeit. Und wie gesagt, da war dann die Geschichte mit meiner Schwester. Und meine Schwester, die, die kam dann in den Internat in Boppard, weil die konnte ja nicht zur Schule gehen. Und meine Schwester, die hat sehr, sehr früh, auch als sie dann studiert hatte, hat sich von zu Hause irgendwie losgesagt. Als Beispiel, sie kriegte immer, wenn sie, wenn sie nach Münster fuhr, wo sie dann später studiert hat, kriegte sie immer noch ein Kotelett mit oder was zu essen. Dann sagte meine Schwester, im Übrigen braucht ihr mir kein Kotelett mitzugeben. Und, was ganz wichtig war, ich gehe auch nicht mehr in die Kirsche. das hat meine Schwester sehr geprägt, aber ich habe meine Schwester sehr geliebt.
Hans
00:18:50
Ja.
Frau Weis
00:18:50
Und noch heute. Ja, das war die Zeit, die Schulzeit. Und als ich dann endlich das Abitur hatte, da wusste ich, dass ich studieren wollte. Ich wollte ja Lehrerin werden.
Hans
00:19:07
Also hatten auch so ein bisschen Einfluss die guten Lehrer, die Sie so erlebt haben in der Zeit, oder?
Frau Weis
00:19:13
Ja, die Lehrer unterschiedlich,
Hans
00:19:15
Ja,
Frau Weis
00:19:16
unterschiedlich. Und die Lehrer hatten auch
Hans
00:19:19
ja, natürlich.
Frau Weis
00:19:19
ihre Spitznamen. Also ich kann, ich habe, ich war ja auch eine Zeit lang im Internat, da habe ich für eine Lehrerin richtig geschwärmt.
Hans
00:19:30
Mhm.
Frau Weis
00:19:31
Und das war auch für mich so, das wusste ich schon sehr früh, dass ich Lehrerin werden
Hans
00:19:38
Also diese Vorstellung, die Sie eben geschildert haben, Freund, Mann, also heiraten, Kinder, das war klar für Sie, das ist erstmal nicht mein Weg?
Frau Weis
00:19:47
Doch, doch, doch,
Hans
00:19:50
Und das andere haben Sie so nebenher dann noch studiert?
Frau Weis
00:19:53
Sie werden, Sie werden sich wundern. Als ich dann in Bonn studierte, da war immer noch der Wunsch, Lehrerin zu werden. Und das ist irgendwie eine verrückte Geschichte. Mein Mann, der war auch damals in Prüm. Aber der war im Konvikt. Und im Konvikt war ja so ein Ort, wo die, das waren ja nur Jungen da wurde immer drauf Wert gelegt, dass die Priester werden. Aber, das ist denen nicht gelungen. Und Karl-Heinz für die gro... die waren,... hat auch mit dem Krieg zu tun, ja die Größeren, da war es schon so, dass man für die geschwärmt hat. Und jetzt sitz ich irgendwie, ich sollte mich auf, sollte mich vorbereiten auf eine Prüfung, da geht ja die Tür auf und da ist das Karl-Heinz. Und denn da wusste ich den Spitznamen: Kabecko. Und Karl-Heinz hatte hinterher gesagt, da habe ich gedacht, dass... mit dem Mädchen musst du dich vorabreden, die will ich nochmal wiedersehen. Und das war in der Zeit, wo ich in Bonn studiert habe, das war auch eine besondere Zeit. Ich habe dann bei zwei Frauen gewohnt, nicht verheiratet. Die eine war Bibliothekarin, die andere hat den Haus... und Männerbesuch war nicht.
Hans
00:21:32
Hhm hm.
Frau Weis
00:21:32
Aber da ich mitteilsamer Mensch bin, dann habe ich eines Tages zu ihnen gesagt, so, ich hab da jemanden kennengelernt, der kommt mal gerne. Die haben mir das dann erlaubt. Und dann haben wir da auf Karl-Heinz und ich, ich war ja nun sehr bange, was diese Sexualität betraf, wir hatten ja keine Ahnung. Und dann hatte ich da so einen Kanonenofen und wenn Karl-Heinz es abends sah und da war so ein kleines Kanapé, da saßen wir zwei dann. Vor lauter Küssen ist da immer das Feuer ausgegangen. Und er musste dann nach... ziemlich weit gehen und ich hatte nur einen Wunsch, dass er doch mal eine Nacht bei mir bleiben könnte. Das ist ja heute, ist alles Schnee von gestern
Hans
00:22:32
Ja.
Frau Weis
00:22:33
Aber so bin ich groß geworden und die Religion hat weiter eine Rolle gespielt. Also das und ich und mein Mann wohnte da in Schwarzrheindorf, da gibt es ja auch eine berühmte Kirsche. und dann hat Karl-Heinz immer ein Gebetbuch genommen, dann hat er irgendwo immer ein Bild von mir... Das war sein Sonntagsgottesdienst. Ja und und dann passierte, also es ist mein Leben, das ist nicht geradlinig. Dann passierte Folgendes, dann wussten wir ja, dass wir sehr schnell, dass wir heiraten wollen. Und das haben damals viele Mädchen gemacht. Dann konnte ich nach Köln fahren. Und da, in zwei Semestern oder ich weiß nicht mehr wieviel, wenn ich dann die Prüfung gemacht habe, dann war ich Realschullehrerin, also nicht das, was ich eigentlich wollte.
Hans
00:23:39
Ja.
Frau Weis
00:23:40
Und das war mir dann aber sehr recht, ich war ja dann nicht so eine schwere Prüfung ja, und dann konnten wir mit anderen Worten heiraten. Und das Problem war, dass die Mutter von Karl-Heinz, die hätte gerne gehabt, weil die vom Bauernhof kam, aber sie war jetzt mit nem Lehrer verheiratet, die hätte gerne ne große Hochzeit gehabt. Aber meine Mutter, die vermisste den Doktortitel bei Karl-Heinz. Und dann wurde das nur ne kleine Hochzeit. Ja. , und an diesem, an dieser, bei dieser Hochzeit, da haben sich die Schwiegermütter richtig verkracht.
Hans
00:24:29
Oh.
Frau Weis
00:24:31
Meine Hochzeit war scheiße. Aber ich sag heute nur gut, wenn die Hochzeit daneben ist, aber die Ehe hat funktioniert.
Hans
00:24:41
Ja.
Frau Weis
00:24:42
Und das haben wir dann gelernt. Erst haben wir immer gesagt, meine Mutter und Karl-Heinz seine Mutter, bis wir dann mal gesagt haben, welche Schwierigkeiten wir mit unseren Müttern haben Da hat sich dann das bei uns entwickelt, dass wir gesprochen haben. Ich habe später immer noch zu meinen Kindern gesagt, redet ihr miteinander. Das Reden miteinander hat uns gerettet. Und dann habe ich natürlich wunschgemäß Kinder gekriegt. Und ich war keine gute, wie man so sagt, die Hausarbeit. Das war jetzt nicht so... Ich habe früher bei der Hausarbeit oft den Schulfunk gehört. Dann habe ich mich dabei ertippt, wie ich mich mit dem Staubtuch in der Hand mich hingesetzt habe und nur zugehört. Also... Und dann hat sich das für mich sehr gut ergeben. Dann bin ich zu einem Frauentreff gegangen, ich weiß noch gut, mit einer Nachbarin. Und dann habe ich gedacht, und ich habe gern diskutiert, dann habe ich gedacht, so etwas, was Elisabeth kann, das könntest du eigentlich auch machen. Dann ist hier gegenüber ist ja die Kamilluskirche.
Hans
00:26:16
Ja,
Frau Weis
00:26:17
dann habe zuerst mal eine Freifrauengruppe gegründet. Und dann ging es weiter. Und dann ist das schließlich die KFD geworden, weil ich dann auf einmal gemerkt mit so einem Verband, da kriegt man auch noch mehr Anregungen.
Hans
00:26:37
ja.
Frau Weis
00:26:38
Und ich habe zwei Frauen gefunden und wir haben das Ganze dann zu dritt gemacht. Aber das hat mein Leben dann erfüllt. Und mein Mann, und wenn wir getrennt waren, er war weg und ich war mal weg. Und wenn wir dann nach Hause kamen, dann sind wir immer zum Griechen essen gegangen. Und dann hatten wir, und dann musste ich erst erzählen, oder er,
Hans
00:27:06
Ja.
Frau Weis
00:27:06
sodass wir immer, wir hatten, durch diese Frauenarbeit, hatten wir, hatten wir Gesprächsstoff. Und mein Mann war auch so, der kam aus der Schule und der hat auch seinen Ärger. Man hat das ja oft gehört, dass die Männer gar nicht von ihren, von ihren Problemen gesprochen haben. Aber mein Mann hat
Hans
00:27:32
Hhm
Frau Weis
00:27:32
das
Hans
00:27:32
hm.
Frau Weis
00:27:33
Und das war gut. Das
Hans
00:27:35
Also,
Frau Weis
00:27:35
war gut.
Hans
00:27:35
ihr Mann war Lehrer.
Frau Weis
00:27:37
Der war Lehrer.
Hans
00:27:39
Ja.
Frau Weis
00:27:39
Weil sein Vater, die Vorfahren waren alle Lehrer. Also, das war schon klar. Und unser Ältester, der Christian, ich weiß den noch, als der son "Lehrer werde ich nie!" Der wird heute, der wird bald pensioniert.
Hans
00:27:56
Ja.
Frau Weis
00:27:57
Ja, aber wie das so ist mit Kindern. Und ich habe mich auch nie als tolle Mutter empfunden. Ich, also, da, da kann ich nicht stolz drauf sein. Ich fand "Mutter sein" als sehr schwierig Und jetzt bin ich ja 90 Jahre alt geworden und dann hatte ich schon so immer von den Todesanzeigen gesprochen. Da sagt unser Stefan, das ist der Zweite, da sagt er "Mutter, jetzt hörst du mal auf, wir freuen uns dass du noch da bist." Also jetzt war das gut. Und mein Mann ist leider schon vor zehn Jahren gestorben. Der hatte auch einen Herzinfarkt, aber dann war das wieder, hatte er das wieder. Ach, das war die schönste Zeit meines Lebens, als er dann wieder so weit gesund war. Aber dann ist er doch krank geworden und hatte Krebs. Und, und er ist aber, ich bin aber froh, er ist zu Hause gestorben. Und da war so ein netter Pfarrer, der war auch mal hier als Pfarrer und dann sagte er so zu mir: "Bei uns gab's ja dann immer die letzte Ölung." Und das heißt ja jetzt nicht mehr so. Und dann war der, der war so schlau und sagte: "Nein, sowas macht er nicht bei meinem Mann." Und dann sollte er ins Hospiz und dann kam er aber vorher noch nach Hause und dann ist er auch zu Hause gestorben. "Mein ältester Sohn und ich wir waren dabei. Und das war, ich weiß im Nachhinein, was mein Mann alles geleistet hat. Der hat,der war unglaublich ordentlich. Der hat Bücher geschrieben, der hat und der war praktisch. Und ich war überhaupt nicht praktisch. Aber das ist, das ist jetzt so im Großen und Ganzen mein Leben Und jetzt, jetzt bin ich hier und ich weiß ganz genau. Da war noch nicht, die ich rede davon, weil ich ja hier ein Haus hab, allein im Haus gelebt habe. Lange und da ist eine sehr nette Frau, die kannte meinen Mann noch.Und das ist auch eine längere Geschichte auf jeden Fall. Natalia ist aus der Ukraine, aber die spricht gut Deutsch, hat auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Und ich habe die auch verführt wählen zu gehen. Und, aber Natalia, die kommt jetzt immer mich besuchen. Und für meine Kinder, die sind untereinander gut vernetzt Unser Ältester, die wohnen in Freiburg.
Hans
00:31:20
Das ist der Lehrer, der…
Frau Weis
00:31:22
Das ist der Lehrer. Genau.
Hans
00:31:24
Ja.
Frau Weis
00:31:24
Und der Stefan, der zweite, mein Mann, wäre immer gerne entweder Lehrer oder Architekt geworden. Und der Stefan ist Architekt geworden. . Aber in einem bescheidenen Maß, der war immer bei der Stadt Aachen.
Hans
00:31:39
Ja.
Frau Weis
00:31:39
. Da ist er noch.
Hans
00:31:41
Hhm hm
Frau Weis
00:31:41
Da ist er noch, aber Aachen war dann ja auch gut. Ja. Und deshalb, ich arrangiere mich damit, dass ich hier bin Und es ist jetzt nicht so… … als ob ich das jetzt schrecklich fänd.
Hans
00:32:01
Ja
Frau Weis
00:32:01
Es war ja auch mein Wille. Ich wusste, dass ich nicht zu Hause bleiben kann. Ich bin ein Mensch, ich kann nicht gut sagen, machen Sie das so oder machen Sie das so. Natalia, die habe ich auch schalten und walten gelassen. Die hat das... das ist eine richtige Freundschaft. Ich hätte manches anders gemacht. Aber dann sage ich mir immer, muss es anders sein. Und jetzt bin ich hier und ich arrangiere mich damit, dass ich hier meinen Lebensabend verbringe. Und ich lerne Menschen kennen, aber ich… Ja. Und irgendwann merkt man ja auch gar nicht mehr so genau, dass sie… … am Stock gehen oder mit dem Rollator kommen oder da sitzen… Das sieht man gar nicht mehr. Man sieht den Menschen.
Hans
00:33:00
Ja.
Frau Weis
00:33:01
Und ich, für mich ist auch ganz schön, weil ich ja früher hier aktiv war. Da, habe ich auch den ein oder anderen Wiedererkennungseffekt.
Hans
00:33:12
Ja, das hat man oft hier, ne, dass Leute sich hier nach Jahren oder ganz langer Zeit wiedersehen.
Frau Weis
00:33:17
Ja, genau.
Hans
00:33:19
Hhm hm... Haben Sie immer hier in der Gegend auch gewohnt und gelebt?
Frau Weis
00:33:25
Ja, ja Spillheide. Also, ich bin immer zu Fuß zur Kirche gegangen und die Frauengruppen, die waren da auch in Kamillus. Ja. Das ist ja leider jetzt, weil das ist ja auch ein schreckliches
Hans
00:33:38
Ja.
Frau Weis
00:33:38
Bauwerk gewesen damals, aber ich habe da einen Pfarrer, den habe ich sehr geschätzt, Pater Sperlbaum und die haben ja ihr, in Anführungszeichen, ihr Müttermutterhaus in Freiburg. Da ist mir auch ein großer Wunsch erfüllt worden, Christian und Ute, Ute kommt aus dem Sauerland, der älteste der Lehrer. Mhm. Die haben standesamtlich geheiratet, dann habe ich immer so still bei mir gedacht: "Ah, wenn die mal kirchlich heiraten wollten, dann rufst du den Pater Sperlbaum an." Und das haben sie ganz freiwillig
Hans
00:34:29
...
Frau Weis
00:34:30
ich hab überhaupt nicht gedrängelt. Oder was. Und dann sagten sie eines Tages zu mir: "Das hatte aber was damit zu tun, dass die Ute einen Leberschaden hatte. Und die ist transplantiert." Und dann haben sie gesagt, sie würden gerne kirchlich heiraten. Und dann hat der Pater Sperlbaum der hat das genau richtig gesehen. Er sagt: "Ich werde aber keinen Gottesdienst machen. Er wird die Trauung machen." Und der hatte eine hervorragende Predigt gehalten. Und dann haben nachher Kollegen von Ute gesagt: "Hör mal, ist es bei einer katholischen Trauung immer so?" Und er liegt, der Pater Sperlbaum liegt jetzt hier auf dem Priesterfriedhof. Ja, also das ist ... Also die Religion spielt nach wie vor eine große Rolle für mich.
Hans
00:35:34
Ich hab gehört, Sie haben ein Morgenritual, dass Sie morgens die Morgenandacht hören.
Frau Weis
00:35:38
Ja klar. Ich hab auch sogar schon Korrespondenz ... Ich hab dich schon angerufen und also ich habe auch schon Korrespondenz mit einem gehabt. Also ich ... am liebsten würde ich immer, wenn die Morgenandacht vorbei ist, diskutieren. Ob sie mir gefallen hat oder
Hans
00:35:59
Ja.
Frau Weis
00:35:59
nicht. Aber das hat sich ja Gott sei Dank alles zum Bessern verändert. Also früher die Morgenandachten weiß ich gar nicht, ob ich die so gehört habe. Aber das hat sich jetzt ... alles... viel größere Offenheit.
Hans
00:36:15
Ja.
Frau Weis
00:36:15
. Und wir sind ja jetzt auch hier ... Kamillus hat ja nicht mehr so viel zu sagen, aber wir sind ja jetzt eine ökumenische Gemeinde das gefällt mir auch sehr.
Hans
00:36:26
Ja. Ich hab nicht ... bin nicht so ... also KfD erwähnten Sie zum Beispiel. Ich hab das schon mal gehört, aber so genau kann ich mit diesem Begriff nichts anfangen. Können Sie da noch so ein bisschen den Hintergrund erläutern?
Frau Weis
00:36:38
Also die KfD ist die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands. Und die haben ganz früher ... ganz früher haben die der Mütterkreis sich genannt.
Hans
00:36:52
Mhm.
Frau Weis
00:36:54
Aber als ich dann und dann haben wir ja auch über Themen gesprochen und die haben sich so geändert, es gibt ja jeden ... jeden Monat ... alle zwei Monate gibt es eine Mitgliederzeitung. Und und Sie sprechen heute über Sexualität im Alter. Das war ja immer ein Tabuthema,
Hans
00:37:22
Ja.
Frau Weis
00:37:22
da hat ja kein Mensch darüber gesprochen. Und deshalb bin ich auch gerne in der KfD Mitglied. Und ... und jetzt bin ich dazu ... noch es gibt ja auch den Frauenbund ... Und da hat man früher immer gesagt: Das sind die Frauen mit Hut. Das waren die Frauen, also bei der KFD, die ist an jedem, an jeder Parre beheimatet. Der Frauenbund, die schließen sich extra zusammen. Und weil das am Anfang die etwas intelligenteren und die KFD-Frauen waren die einfacheren Frauen, das das ist heute nicht mehr. Und damit auch, die... bin ich auch im Frauenbund, also und ich merke, also das ist schon auch die Artikel, die da geschrieben werden, es ist unsere Zeit. Also da bin ich voll und ganz
Hans
00:38:35
Ja.
Frau Weis
00:38:35
dafür.
Hans
00:38:35
Und bei der Arbeit jetzt in der Gemeinde, die Sie dann mitgestaltet haben, Da hat man dann von dem KFD durch Anregungen profitiert, oder?
Frau Weis
00:38:44
Ja, ja.
Hans
00:38:45
Was war so der Nutzen?
Frau Weis
00:38:46
Ich habe von den Anregungen profitiert und wir waren dann auch zu dritt, aber wir haben auch zum Beispiel selber über Hexenverfolgung... Ich bin auch befreundet gewesen mit zwei, eine ist noch immer meine beste Freundin
Hans
00:39:05
Ja?
Frau Weis
00:39:06
und die hat dann selber Referate auch ausgearbeitet. Also nicht nur was abgeguckt. Also insofern waren wir schon... Aber es hieß dann immer zu dritt, das kann ein bisschen schwierig sein. Und das weiß ich auch mit Angela, Renate und ich. Aber Angela, die war so fleißig, wenn man der heute ein Thema sagte, da hatte die das gestern schon fertig. Also und dadurch ist meine Verbindung zu Kamillus auch sehr
Hans
00:39:46
Ja.
Frau Weis
00:39:46
groß.
Hans
00:39:47
Und die Arbeit, die Sie dann betrieben haben, waren Vorträge, waren Diskussionen, waren...
Frau Weis
00:39:52
Ja.
Hans
00:39:53
Ähm...
Frau Weis
00:39:53
Ja, ja, klar. .
Hans
00:39:54
Ja?
Frau Weis
00:39:55
Und aber... Das weiß ich noch ganz genau. Ich war ja dann auch ein bisschen fortschrittlich und dann ging es um frauengerechte Sprache. Und dann... Das war aber noch nicht Pater Sperlbaum. Da hat der Pastor mich angerufen. Außerdem hatte ich noch eine Pastorin eingeladen, hat der Pastor gesagt, also das ging ja nun überhaupt nicht Frauengerechte... Und wir haben die Gebetbücher, da hat mein Mann sogar mitgemacht. Da haben wir die "Lass uns loben, Brüder loben". Heute, was eine Selbstverständlichkeit ist, die haben wir umgeschrieben bzw. markiert Dann. da so Zettelchen rein Und äh... Und dann sagte er... und ich war mir immer so sicher. Ich denke, ich war mir so sicher, dass das richtig war, was wir gemacht haben. Deshalb brauchte ich da überhaupt keine Hemmungen zu haben.
Hans
00:41:01
Ja.
Frau Weis
00:41:01
Also, äh, das dauert. Und meine Enkelin, ja, ich hab eine Enkelin, die ist sehr, sehr links, aber Elena, die hab ich auch ins Herz geschlossen, weil die immer up-to-date ist.
Hans
00:41:19
Hm.
Frau Weis
00:41:20
Und, äh, Und die machen das ja jetzt schon, wer weiß wie lange.
Hans
00:41:26
ja.
Frau Weis
00:41:26
Und meine Schwester, ach von meiner Schwester habe ich das, äh, meine Schwester, die, ich sag immer meine kleine, große Schwester, weil die besseren Verstand noch hat als ich. Auf jeden Fall, dann hatte Ellen mir mal erzählt, ja, sie wär jetzt auch in einer, in einer feministischen Gruppe in, nicht in Freiburg. In
Hans
00:41:56
In Münster?
Frau Weis
00:41:57
Frankfurt.
Hans
00:41:57
In
Frau Weis
00:41:58
Ja. Frankfurt,
Hans
00:41:58
Frankfurt, ja.
Frau Weis
00:41:58
im Städelmuseum. Hat die, war die beschäftigt und hat auch noch anderes gemacht Ich denke, feministische Gruppe, was ist das denn? Und als ich dann auf einmal hörte und ich hatte, und dass es auch feministische Theologinnen gibt, da war ich ja zufrieden Da hab ich Elisabeth Moltmann, ja. Ja, so, so ist mein Leben bis jetzt verlaufen.
Hans
00:42:30
Ja, ich habe nur noch ein, zwei Fragen so im Hinterkopf, die ich gerne noch eben anschließen würde. Einmal in den Unterlagen, Sie hatten jetzt zwei Söhne erwähnt, eine Tochter haben Sie auch?
Frau Weis
00:42:41
Ja.
Hans
00:42:42
Ja, und in den Unterlagen steht, glaube ich, dass die wieder in der Eifel lebt. Ist das richtig?
Frau Weis
00:42:49
Richtig.
Hans
00:42:50
Ja, aha. aber eigentlich wollte ich darauf hinaus, Sie hatten ja so,ähm, gesagt, ähm, ich habe mich selber nicht als gute Mutter empfunden, ne. Wenn man so hört, wie Sie von Ihren Kindern reden, wie Ihre Kinder auch von Ihnen reden, was Sie berichten, hört sich das doch an, als wenn das irgendwie hingehauen hätte.
Frau Weis
00:43:10
Ja, aber ich war, ich war verunsichert. Ich weiß noch ganz genau, aber ich, da bin ich auch nicht alleine. Als ich mit dem Christian nach Hause kam, das war der erste. Und wir hatten damals ja,da war im Elisabeth Krankenhaus, wir kriegten keinerlei Unterstützung, als wir, die hatten da irgendein Läppchen im Mund. Und dann habe ich dieses Kind da auf das Bett gelegt und habe gedacht, du kannst nie mehr in deinem Leben frei sein. Weil ich dieses Kind hatte. Und ich, insofern, da hat manchmal mein Mann zu mir gesagt, sagte er, Ulla, wenn ich den, Christian fertig... damals war er ja noch mit Windeln
Hans
00:44:01
Mhm.
Frau Weis
00:44:01
und so... das fiel mir ja auch alles schwer. Da sagte er zu mir, Ulla, du musst auch mal mit dem Kind reden. Also, ich vor lauter das richtig machen, also insofern war ich sicher keine gute Mutter. Also, obschon mir andere Frauen das auch erzählt haben. Ich weiß, dann kriegte, dann hat man ja auch die Benachrichtigungen geschrieben und dann, und dann war mir das immer so schwer, mich zu bedanken für die Glückwünsche. Und dann sollte ich ja auch immer schreiben, wie glücklich ich bin. Ich war es nicht.
Hans
00:44:43
Mhm, Aber, Sie hatten eben auch erzählt, ein starker Rückhalt dann, eben Ihr Mann, mit dem man wahrscheinlich auch über sowas reden
Frau Weis
00:44:51
Ja,
Hans
00:44:51
konnte. Ja.
Frau Weis
00:44:52
mit dem, Karl-Heinz, wir konnten drüber reden. Und das hat uns auch immer wieder gerettet. Gerettet. Und, ähm, ach so, und die Maria, Sie glauben nicht, die hat einen Landwirt, einen Bauern geheiratet. Und sie hatte ja auch Abitur gemacht. Und dann kommt die eines Tages und sagt, sie hat einen Freund und dann ist der Bauer. Und mein Mann kommt aus dieser Gegend. Und er kann das Dialekt. Und er hat Bücher über Mühlen, ein Buch über Mühlen geschrieben. Und er hatte immer gesagt, wenn ich da irgendwo angeschellt hab, und dann habe ich sofort Dialekt gesprochen. Und dann waren die Leute bereit, mir was über ihre Mühle zu erzählen. Also insofern ist Karl-Heinz, ähm, also der, das ist ein Eifeler. Und weil wir lange in Waxweiler gewohnt haben, das hat mich dann, und dadurch bin ich ja auch der Eifel zugewandt. Ich
Hans
00:46:13
Hhm hm,
Frau Weis
00:46:14
kenn die Eifel. Und das ist, ich hab immer gesagt, das ist eine Hassliebe
Hans
00:46:20
Hm, hm.
Frau Weis
00:46:21
Meine Schwierermutter, hm, hm, hm. Jedenfalls... Und das, mit der Eifel, jetzt ist das so, jetzt will die Maria einen Bauern heiraten. Und der Franz ist Bauer. Kein vertun, aber ein sehr kluger Mensch. Ich habe eine ganze Nacht geweint. Ich denke, wie soll die Maria das machen? Die hat keine Ahnung vom Kochen, die hat von nichts eine Ahnung. Und jetzt ein Bauernhof, und ich war, und ich bin ja mal, wir sind ja mal bei den Eltern gewesen, auch nicht der ordentlichste Bauernhof. Ja, aber die Maria hat das geschafft. Die Maria... und dann kam das große Unglück. Sag ich jetzt was Bekanntes?
Hans
00:47:16
Nein. Erzählen Sie
Frau Weis
00:47:17
Ja,
Hans
00:47:17
bitte.
Frau Weis
00:47:19
Der Benedikt ist der, die haben dann, drei Kinder gekriegt,
Hans
00:47:24
ja,
Frau Weis
00:47:25
so wie ich auch. Und bei Maria, bei mir war das letzte ein Mädchen. Und bei Maria war das letzte ein Junge. Und dann ist der Benedikt, dann hat der Rasen gemäht und dann hat er so einen kleinen, so einen kleinen... ich komm jetzt nicht auf das Wort. Und dann hat er an der falschen Stelle des Gras ausgeschüttet und dann war er unter dem, ist er unter dem...
Hans
00:47:57
Ja.
Frau Weis
00:47:58
Gerät hängen geblieben. Und dann war er so gut wie tot. Und dann ist er nach Aachen ins Klinikum. Und dann wurde eines Tages gefragt, ob die Eltern bereit wären, sein Organe zu spenden.
Hans
00:48:17
Ja.
Frau Weis
00:48:18
Deshalb... das war das war ganz schlimm und das hätte... Aber dieses Schicksal hat Maria und Franz... Bei manchen geht das da ja dann auseinander, aber
Hans
00:48:33
Ja.
Frau Weis
00:48:34
bei Maria und Franz ist das gefestigt und ich sagte mal neulich, ich sag Maria, ich habe den Eindruck, dass der Franz das auch schon eher überwunden hat, als du... Nee, sagt sie, Mama, das stimmt nicht. Das stimmt nicht. und ähm... Aber der Benedikt ist glücklicherweise nach meinem Mann gestorben. Nur ein paar Monate,
Hans
00:49:05
Ja
Frau Weis
00:49:05
aber sodass er das nicht mehr erlebt hat. Aber... Und wissen Sie und Maria, die engagiert sich heute in... In einem mit Menschen zusammen, deren Kinder gestorben sind unter diesen Umständen, aber die jetzt... Und mit diesen Menschen, die... Da wird ja nicht so sehr nach gefragt. Es wird immer nach den Menschen gefragt, die überlebt haben
Hans
00:49:35
Hhm
Frau Weis
00:49:35
mit den
Hans
00:49:36
hm.
Frau Weis
00:49:36
Organen. Aber es gibt ja auch die, das war ja mal von Maria und Franz, ist bis heute... Maria macht immer eine Kerze an, wenn die... Wenn die zu uns kommt. Oder wenn die... Weil sie ja dann an Benedikt denkt. Aber das... Und das, äh... Da bin ich auch froh drüber. Denn Maria kennt sich mit jetzt aus. Und ich habe die mal erlebt, in... Hier in Essen war auch mal so eine Tagung. Da habe ich gestaunt mit wem die Maria, mit welcher Sicherheit die da spricht. Also... Und ich hab... Ich hab... Natürlich hab ich gelernt, wir sind doch nicht die Einzigen denen, was Schlimmes passiert. Ja. Wir sind doch nicht die Einzigen.
Hans
00:50:25
Ja. So ein bisschen habe ich den Eindruck, bei allem, was Sie auch von Ihren Kindern erzählen, um, dass Sie als Eltern, also Ihr Mann und Sie, denen doch irgendwie so diesen Kommunikativen, dieses Nachdenkliche beigebracht haben, dass man miteinander spricht,
Frau Weis
00:50:42
Ja.
Hans
00:50:43
dass man sich auseinandersetzen muss mit Dingen, die einen auch belasten,
Frau Weis
00:50:47
Ja.
Hans
00:50:48
und dass Sie das Ihren Kindern vermittelt haben. Und das vielleicht auch ein Grund ist, warum sie in meinen Augen dann doch irgendwie gute Eltern und auch eine gute Mutter waren.
Frau Weis
00:50:58
ja.
Hans
00:50:59
Ne!?
Frau Weis
00:51:00
Und schön ist auch noch, unsere Kinder kamen ja immer und mein Mann auch, und so um die Mittagszeit, sodass wir immer zusammen gegessen haben.
Hans
00:51:12
Ja.
Frau Weis
00:51:15
Und dann habe ich damals ja auch schon über Emanzipation und die Frauen und dann heiratete Stefan und siehe da: er geht mit seinen Kinder schwimmen und er geht in die Kita mit denen. Und da war ich dann natürlich stolz. Da habe ich gedacht, das hat etwas bewirkt, und der Stefan sagte immer, wenn eins unserer Kinder Geburtstag hat, die Kollegen, die bleiben alle länger, weil sie das Gedöns da nicht haben wollen. Aber er fuhr nach Hause.
Hans
00:51:55
Ja.
Frau Weis
00:51:56
Ja, das hat was bewirkt. Ja, also, so gesehen, mit allen Für und Wider, und Krach gab's auch, aber wenn man dann so so nachdenkt über sein Leben: das Positive überwiegt
Hans
00:52:18
Ja. - ... -, Alles klar, Eine Sache zu dem, ähm, obwohl das auch ein gutes Schlusswort wäre, fällt mir jetzt ein, aber ich hatte noch eine, eine, äh, als ich sie gefragt habe, ob wir heute uns treffen können, da haben sie sich erinnert, dass beim Singen das Lied, ähm, Lustig
Frau Weis
00:52:42
Ach!
Hans
00:52:42
ist, das Zigeunerleben gesungen wurde, und dass sie das nicht gut fanden, aber mit dieser Kritik nicht so, ähm, auf, ähm, fruchtbaren Boden gestoßen sind. Das würde ich gerne noch einmal ansprechen. Mir kommt das vor, wenn man mit so einem, ähm, ähm, wacheren, nachdenklicheren Blick an manche Dinge herangeht, ist es vielleicht manchmal auch, ähm, schwer in so einer Gemeinschaft, ne, wo man ja nun weniger Gestaltungsmöglichkeiten auch hat, ne. Sie können ihren... können das sagen, aber, ob sich da viel ändert, ist eine andere Frage,
Frau Weis
00:53:15
Das ist eine andere Frage.
Hans
00:53:17
ja.
Frau Weis
00:53:18
Das ist wirklich eine andere Frage, aber manchmal, dann kann ich nicht anders, da muss ich was sagen. das bereue ich dann hinterher auch nicht. Und ich hatte, was das Thema anbetrifft, ich habe mich ja auch mit dem Judentum so sehr beschäftigt. Und ich habe eine Zeit lang mal, in der Synagoge in Essen Führungen gemacht. Das war, äh, aber ich war da nicht, ich war da zu bescheiden. Da war eine Leiterin, Edna Brocke heißt die, und ich bin aber nie, nach einer Führung, da zu den Leuten gegangen, die was zu sagen haben, und hab gesagt, oh, das fanden sie gut. Das Einzige ist, was ich mal genossen habe, da waren Priester, die hatten einen Priestertag, und dann konnte ich die Priester führen. Da habe ich mich aber groß aufgebaut. Da hab ich gedacht, so, jetzt werdet ihr mal von der Frau geführt. Also das ist ein großes Thema für mich, auch Frauen in der Kirche. Und, äh, also das, das bleibt auch.
Hans
00:54:39
Mhm. Ja. Das wäre jetzt noch eine Frage, so aktuelle Themen, mit denen Sie so sich auseinandersetzen?
Frau Weis
00:54:45
Ja.
Hans
00:54:46
wo Sie ein Buch drüber lesen oder drüber nachdenken.
Frau Weis
00:54:50
Das ist im Moment so. Bücher lese ich, aber ich, ich hab nicht mehr so den Nerv, denn... Äh, und das merke ich bei mir selber, dass ich das... Manche Bücher, die sind mir dann auch zu schwierig, und andere, also es wäre jetzt nicht so, dass ich jetzt ein Buch lese, äh, dass ich denken würde, da würdste mal gerne drüber sprechen.
Hans
00:55:24
Ja.
Frau Weis
00:55:24
Ja. Zum Beispiel nicht.
Hans
00:55:26
Aber so, ähm, im kleineren Rahmen, Sie hatten gesagt, nach der Morgenanlacht würden Sie gerne mal diskutieren, ähm, ist Ihre Lust am drüber sprechen trotzdem geblieben?
Frau Weis
00:55:36
Ja.
Hans
00:55:37
Okay.
Frau Weis
00:55:37
Das würde ich, das würde ich auch gerne machen.
Hans
00:55:41
Ja?!
Frau Weis
00:55:42
Also in Aachen sagt man Ne bin ja, ich bin ja so eine Mullejan. Zum Beispiel an meinem Tisch. Das habe... Ich weiß auch gar nicht, warum ich an den da hingesetzt wurde. Aber da sind ja auch zwei Leute aus dem, äh, wie nennt man das, aus dem Betriebsrat, das nennt man anders.
Hans
00:56:09
Der heißt Heimbeirat.
Frau Weis
00:56:13
Heimbeirat. Ja. Und ich habe immer so den Eindruck, und da ist noch einer, der hat auch irgendwie einen Doktortitel. und dann habe ich aber mal gesagt, weil ich da so unvorbereitet an diesen Tisch kam, dann habe ich auch mal gesagt, ich würde auch mal gerne sagen, wie wir, wie ich heiße und die anderen, aber das habe ich auch nicht schlau gemacht. Und da wird bis jetzt immer noch einer mit Doktor angesprochen. Und den hab' ich auch schon öfter, auch im Gottesdienst gesehen, obschon ich ehrlich da würde ich mit dem Herrn Baltes mal gerne drüber sprechen. Mir gefällt der Gottesdienst nicht. Wobei er auch schon mal zu mir nach Hause gekommen ist. Also mit diesem, diese Geräte alle haben, wo dann vorgesungen wird. Und also, ich finde das schrecklich. Warum? Aber das spart ihm dann, dass er dann einen Zettel ausgibt, wo die Lieder drauf stehen und dann mit diesen Bewegungen, ja, das muss ich ja nicht unbedingt im Gottesdienst. Also, ich würde da, aber soll ich das machen? Soll ich da mit ihm drüber sprechen?
Hans
00:57:43
Ja...
Frau Weis
00:57:45
Oder die Konsequenz ziehen, dann geh ich da nicht hin?! Brauch ich mich ja nicht zu ärgern.
Hans
00:57:52
Also, ist eine Frage und ich kann da auch, weil ich da ja, wenn er denn da ist, hab ich meistens, muss ich ja arbeiten, da kriege ich ja von dem Gottesdienst nichts mit, ne. Aber so, manche Rückmeldungen, die ich mal höre, klingen so, als wenn das Ganze sehr, ich will jetzt nicht sagen verkrustet, aber sehr eingefahren ist.
Frau Weis
00:58:11
Ja.
Hans
00:58:12
Und manchmal gibt es da ja Situationen, wo alles reden, nichts nützt, ne. kann jetzt nicht sagen, das ist so eine Situation, aber für mich hört es sich manchmal ein bisschen so an.
Frau Weis
00:58:21
Ja, und ich denke, das dauert nie länger als, und das Prozedere, jetzt hab ich erst zwei Gottesdienste mitgemacht, das Prozedere ist immer gleich
Hans
00:58:38
Ich hör immer nur die Lieder und denke immer, das sind ja die gleichen Lieder wie in der letzten Woche,
Frau Weis
00:58:41
Ja,
Hans
00:58:42
aber...
Frau Weis
00:58:42
genau.
Hans
00:58:43
Das ist immer dabei.
Frau Weis
00:58:44
Genau, dieses, ich meine, wenn man das mit, als da getanzt worden ist und als da dieser Tag war, da war ich ja, da war ich ja echt begeistert. Also, ich hab da gar nicht viel mitgemacht, aber, wie, das muss ich allerdings auch sagen, die jungen Leute hier, die haben das Ganze ja ins Rollen gebracht und dann auf einmal dann wurde Polonaise gemacht. Aber ohne die jungen Leute wäre es gar nicht gegangen. Die haben, die haben da die Stimmung reingebracht. Also, das habe ich ja schon...
Hans
00:59:26
Aber das ist ja deren Beruf,
Frau Weis
00:59:28
Ja, ja.
Hans
00:59:29
Ne?
Frau Weis
00:59:30
Und klar, aber so, also ich habe das nicht als selbstverständlich angesehen.
Hans
00:59:36
Ja.
Frau Weis
00:59:38
Und insofern, aber ich habe da nie Ruhe. Ich weiß nicht, ob ich, der Herr Baltes ist auch schon mal bei mir gewesen und ich erinnere mich gut, in der Corona-Zeit boten, boten die Baltes an, einen Telefon-Gottesdienst zu machen. den habe ich sehr regelmäßig gehört.
Hans
01:00:08
Ja.
Frau Weis
01:00:08
Und da habe ich Sachen, das weiß ich heute noch, was mir ja gut getan hat
Hans
01:00:14
Also, Sie meinen, wenn Sie den Gottesdienst hier so ein bisschen, na,kritisieren, aber da so Anmerkungen zu hätten, eigentlich könnte Herr Baltes es besser!?!
Frau Weis
01:00:24
Ja
Hans
01:00:25
Und das ist ein Gedanke, dann würde ich sagen, dann kann man doch vielleicht mal mit ihm reden, mit dieser positiven Botschaft. ne?
Frau Weis
01:00:31
Denn er hat, also ich bin in die Jona-Kirche, bin ich ja auch dann gerne
Hans
01:00:37
Ja.
Frau Weis
01:00:37
gegangen und er hat ja dann auch, das fand ich so toll, über den Liudgerus gesprochen.
Hans
01:00:45
Mhm.
Frau Weis
01:00:45
Er ja als evangelischer Mensch, sich nicht so mit den Heiligen obschon, der so früh war und ich weiß das ja auch alles. . Aber das fand ich so toll und ich habe nur den Eindruck, und da hoffe ich nicht, dass ich mich da in den Fettnäpfchen setze, ich höre ja nicht mehr gut. Und wenn er predigt in der Jona-Kirche, dann spricht er verhältnismäßig leise.
Hans
01:01:19
Mhm.
Frau Weis
01:01:20
Und das war immer schwer, dass ich ihn nicht verstehen konnte. Deshalb, also er macht, er hat so ein bestimmtes Schema und ich war ja jetzt auch erst zweimal
Hans
01:01:34
Ah,
Frau Weis
01:01:34
da.
Hans
01:01:34
na klar.
Frau Weis
01:01:35
Er hat so ein bestimmtes Schema und ich denke, wenn er das jedes Mal macht, dann gibt er sich auch nicht viel Mühe
Hans
01:01:45
Auf der anderen Seite eben, wenn sie mit dieser positiven Botschaft, der kann es doch besser, warum macht er denn hier
Frau Weis
01:01:51
Ja.
Hans
01:01:51
mit uns nichts!?
Frau Weis
01:01:51
Ja,
Hans
01:01:53
dann kann man das auch mal ansprechen, denke ich, weil das ist ja ein Lob, ähm, verbunden mit, äh, Motivation und, ähm, Und wenn er das krumm nimmt, naja gut, dann, ähm, oder krumm nehmen würde, aber das glaube ich nicht, ne, nein.
Frau Weis
01:02:13
Naja, also
Hans
01:02:15
Einmal,
Frau Weis
01:02:16
Denken, denken, denken...
Hans
01:02:16
einmal würde ich noch sagen, äh, ähm, den Heimbeirat hatten Sie eben schon mal angesprochen, irgendwann gibt's ja auch wieder, ist noch ein bisschen hin, aber gibt's ja auch wieder Neuwahlen, da denke ich, da kommen Sie mir auch wie eine ganz gute Kandidatin vor, immer, ähm, gut informiert, und engagiert.
Frau Weis
01:02:32
Und ich, äh, kenne ja auch die Adi Bartsch. Die, die hat nachher auch meine Gruppe übernommen. Adi Bartsch kenne ich ganz gut, und Adi Bartsch zum Beispiel ist ja auch überhaupt keine Hausfrau. Ja, und ich weiß, wie schwer alles war,äh hinterher, als sie zu Hause war und dass sie ihre Zigaretten rauchen muss. aber, und jetzt krieg ich auch kein wir sprechen immer mal, aber es ist nicht so, als wenn ich jetzt froh wäre, mit Adi sprechen zu können. Die hat sich auch verändert
Hans
01:03:12
Ja?!?
Frau Weis
01:03:12
in der Zeit.
Hans
01:03:13
Ja.
Frau Weis
01:03:13
Und, äh, dann, dann lassen wir sie auch. Dann lass ich sie auch.
Hans
01:03:18
Na klar, man will sich ja nicht aufdrängen oder nicht die Vergangenheit wieder heraufbeschwören, sondern, wenn was vorbei ist, dann.
Frau Weis
01:03:25
Ja.
Hans
01:03:26
Einmal würde ich gerne noch zurückkommen, so zu dem, Sie hatten gesagt, Sie werden sich jetzt hier einfinden, Sie haben das sich bewusst hier entschieden, hier zu leben jetzt, ne?
Frau Weis
01:03:35
Ja.
Hans
01:03:37
So, die Ansätze können ja verschiedene sein, ne? Dass man, ähm, sich ein bisschen mehr einbringt oder dass man eben sich mehr zurückzieht und sich in seinem Zimmer so, die, die Sachen macht, die man machen kann. Sie haben ja alle Technik, die man braucht, Tablet steht da, Bücher sind hier, ne?
Frau Weis
01:03:51
ja, klar.
Hans
01:03:52
Ähm...
Frau Weis
01:03:52
ich hab, ich hab alles, was ich brauche.
Hans
01:03:54
Ja. Jetzt würde ich so gerne noch wissen, so gibt es, das Singen hatten Sie schon gesagt, da könnte man dran arbeiten, aber gibt es auch ein Angebot, wo Sie waren und wo Sie sagen, das war richtig toll, das gefällt mir?
Frau Weis
01:04:07
Auch, das mach ich im Grunde genommen, ich mach alles.
Hans
01:04:11
Ja.
Frau Weis
01:04:12
Mit, auch mit dem Singen, ich, also, ich bin ein bisschen überzeugt, dass das Lied nicht mehr gesungen wird. Und wenn es gesungen wird, dann, dann, dann ärgere ich mich. Aber, an sich diese Lieder, ach, uralte Lieder, die man ja schon vergessen hatte.
Hans
01:04:33
Mhm,
Frau Weis
01:04:34
Aber, da hab ich nichts gegen.
Hans
01:04:36
ja.
Frau Weis
01:04:36
Also, ich mach gerne mit.
Hans
01:04:38
Mhm. Mhm.
Frau Weis
01:04:38
Bei, beim, Bingo und was so ist.
Hans
01:04:43
Ja.
Frau Weis
01:04:43
Ich mein, das ist ja auch ein Angebot von dem Haus. Äh, ich weiß nicht, ob früher die Angebote für die Bewohner...
Hans
01:04:51
Das hat sich, ich bin ja so 30 Jahre in dem Beruf und in dieser Zeit hat man immer gesehen, wie das mehr geworden ist, auch wegen, aufgrund gesetzlicher Forderungen, weil gesagt wurde, da muss diese, so Leute müssen eingestellt werden und was weiß ich, ne? Aber, ja, aber das hat sich, sehr zum Guten entwickelt.
Frau Weis
01:05:07
Ja, ja. Weil ich ja auch vorher da, ähm, da war ich ja vorher in der, in der anderen, glauben Sie, ich komm auf die selbstverständlichsten Namen nicht.
Hans
01:05:21
Ja. Ja. Ähm.
Frau Weis
01:05:22
Ich war in der... erst in der Kurzzeitpflege. Und dann, ähm, war die Zeit vorbei und dann bin ich ja, da war ja dann Altersheim. Das wäre ja immer geschönt, Senioren...
Hans
01:05:37
Ja. Pflegeheim, was weiß ich was alles. Damit man nur nicht Altersheim sagen muss, weil das von früher immer noch eben diesen, ähm, Verwahrruf hat, so, ne? Ähm. Es wird nichts unternommen, nix angeboten, aber das ist ja heute auch nicht mehr so.
Frau Weis
01:05:52
Ja.
Hans
01:05:53
Von daher darf man sich begrifflich auch ein bisschen, ähm, absetzen davon, ne?
Frau Weis
01:05:58
Ja, klar. Da hatte ich mich jetzt auch schon irgendwie so weit eingelebt, aber ich wusste immer, weil das hier, ja hier mein, meine Heimat ist
Hans
01:06:10
Mhm.
Frau Weis
01:06:10
sozusagen... und hier ist eine Frau Demke. Und da kann ich mich genau erinnern und mein Mann hat ja viel fotografiert und wir haben so eine Latte von Alben und die sind hervorragend. Alle, der Karl-Heinz war so gründlich. Und das weiß ich noch genau, als der Herr Demke, der ist gestorben. Und die Frau Demke und der Sebastian, die war nicht so, die erschienen eher selten, aber der Sebastian hat auch mit einem der Kamillianer immer was gespielt. Und ich wusste, dass der auch auch sein Schicksal hat. Und jetzt würde ich so diese Alben gucken, denn der Herr Demke, der hat auch fotografiert. Aber er hat sich ja nicht fotografiert. Und deshalb gibt's bestimmt Bilder. Bilder, wo er drauf ist. Und ich... Sowas fällt mir dann ein
Hans
01:07:29
Ja, ja, hm.
Frau Weis
01:07:29
Dann kann ich mal gucken, ich hab auch schon mal gedacht. Wissen Sie, irgendwann bin ich ja nicht mehr da und die Kinder... und der hat ein Inhaltsverzeichnis
Hans
01:07:41
Ja,
Frau Weis
01:07:42
gemacht, so dass man gucken kann... was wann, wo war. Sind auch Landschaften.
Hans
01:07:47
Ja.
Frau Weis
01:07:47
Aber es sind mehr die
Hans
01:07:48
Mehr
Frau Weis
01:07:48
Menschen.
Hans
01:07:49
die Menschen, ja.
Frau Weis
01:07:50
Ja.
Hans
01:07:50
Ja.
Frau Weis
01:07:51
Und wo wir... Natürlich, ich hab dann immer gesagt, man macht ja vor allen Dingen viele Bilder im Urlaub. Und dann denkt man immer, die haben wohl nur Urlaub gemacht.
Hans
01:08:04
Ja. Ja. Sehen Sie, das ist bei dem Gespräch jetzt sonst immer Thema bei den Gesprächen. Wo waren sie im Urlaub und hier war so viel anderes zu erzählen, dass wir von dem Urlaub überhaupt nicht geredet haben. Ja. Okay. Aber haben sie auch gemacht. Also...
Frau Weis
01:08:18
Ja. Natürlich hab ich... den gemacht...
Hans
01:08:19
Ja. Ja.
Frau Weis
01:08:20
Irgendwann haben wir als Lehrer hat man ja nicht... wir sind immer zu meiner Schwiegermutter gefahren, weil die dann auch Witwe wurde und allein in dem Haus. Aber bis wir dann eines Tages gesagt haben, nee, jetzt wollen wir aber auch mal. Und das hat dann auch geklappt Un da haben wir schöne Ding. Und mein Mann, der ja nicht gerne zu Fuß gegangen ist, wenn es hier so geht, sagt er immer, musst du denn schon wieder einen Umweg machen. Aber wenn es im Gebirge war und den höchsten Punkt erreichen, dann sind wir oben und können uns loben. Ja, Ach, das sind viele Erinnerungen.
Hans
01:09:08
Ja.
Frau Weis
01:09:08
Und Gott sei Dank, meine Mutter ist ja dann auch freiwillig aus dem Leben gegangen. Ihre Depressionen, die waren schon schlimm.Und wenn ich aus der Schule kam und alles stand rum, da wusste ich, die Mutter liegt mit Depression im Bett. Also ich hab auch meins abgekriegt. Aber das... Und ich bin immer, weil ich ja nun auch Krankheiten habe, da hieß es immer, da habe ich mich immer gewehrt. Ich sage, ich habe nicht die Depression meiner Mutter, weil die hat die nämlich vor mir ausgebreitet. Morgens um da sechs rief die an, hat das Elend der Welt über mich ausgebreitet. Aber da wollte ich jetzt gar nicht drüber sprechen. Aber jetzt, und ich freue und ich stelle das halt eben auch einfach jetzt fest, hier bin ich von Menschen umgeben, wo das, wo das Alter auch seine Zücken zeigt. Und kommen mit dem Rollator. Wer noch mit einem Stock kommt, da ist schon was Besonderes. Und wer ohne Stock kommt, ist auch schon was Besonderes.
Hans
01:10:28
Ja.
Frau Weis
01:10:30
Aber, aber das ist jetzt meine Umgebung. Und ich merke auch, dass auch jeder Mensch auch hier ein Individuum ist.
Hans
01:10:41
Frau Weiss, ich bedanke mich vielmals für das interessante Gespräch.
Frau Weis
01:10:45
Ja. Danke Ihnen auch.
hans
01:10:50
Ja, ich hoffe es hat euch Spaß gemacht.Feedback wäre in jedem Fall möglich auf ruhrtal.letscast.fm alles klein geschrieben. Und es würde mich natürlich freuen, wenn ihr mal wieder reinhört. Bis dann.