#79 - vorgestern fertig

05.06.2026 48 min

Zusammenfassung & Show Notes

Geboren wurde die Bewohnerin, die in dieser Folge erzählt, am 1.1.1933. Der Großvater kommt aus Amelunxen; in dem bis heute sehr kleinen Dorf bei Höxter wurde sie im Krieg zeitweise bei Verwandten in Sicherheit gebracht. Ohne viel dafür zu tun, war sie eine gute Schülerin. Sie benutzt das schöne Wort: “naturgut“. Zum Lernen war keine Zeit, denn sie war ein Straßen-, ja ein „Schlägerkind“, das sich nichts gefallen ließ; aber sie war auch ein „Kontaktkind“.  Als Einzelkind hatte sie alles, sagt sie. - Im Beruf ging es flott voran, zuletzt war sie Direktionsassistentin bei der Ruhrkohle AG, sie war schnell und präzise, verdiente gut - mit drei Kolleginnen machte sie selbstorganisierte Reisen mit dem Wohnmobil, etwa eine Tour durch Australien. Es gibt wenig Länder, die sie nicht gesehen habe, berichtet sie. „Wir haben es gemacht!“ Ist ihr Resümee. Verheiratet war sie nicht, aber mit ihrem langjährigen Lebenspartner hatte sie die schönste Zeit. Er hatte ihr zur Kontaktaufnahme im Treppenhaus hinterher gepfiffen. „Wir waren ein Ei und ein Pfannkuchen.“  Sie habe sich nie bemühen müssen, habe immer alles gekriegt. Sie beschreibt wie sie sich erfolgreich um ihre Altersvorsorge gekümmert hat. „Da geh ich nicht mehr raus!“ sagt sie von ihrem Zimmer im Pflegeheim.


Amelunxen, da kommen die Großeltern väterlicherseits her:
 
Höhere Schule in Brakel
 
Brede, einstmals ein Kloster, heute eine Bündelschule:
 
 
 
Rückmeldungen sind möglich unter:
 
 
bei Facebook unter: ruhrtal 
und bei Instagramm unter: ruhr_tal

Transkript

Stephanie
00:00:10
Ruhrtal, biografische Geschichten aus dem Pflegeheim. Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Ruhrtal. Hier könnt ihr Bewohnern und Bewohnerinnen von Pflegeheimen zuhören, die aus ihrem Leben erzählen. Neue Folgen gibt es jeweils am ersten Freitag des Monats.
hans
00:00:35
Hallo auch von mir. Mein Name ist Hans und ich bin Altenpfleger. In dieser Folge von Ruhrtal könnt ihr euch die Erinnerungen einer Frau anhören, die immer vorne mit dabei ist, die aber auch weiß, wann und wie man sich im Hintergrund hält. Mit 93 Jahren ist sie vor wenigen Wochen ins Pflegeheim eingezogen. Auch wenn sie weiterhin das meiste selbst macht, betont sie doch, sie will auf jeden Fall hier bleiben.
Hans
00:01:01
Guten Morgen, Frau Lingemann.
Frau Lingemann
00:01:03
Guten Morgen, Herr Hans.
Hans
00:01:06
Wie sind Sie denn heute so in den Tag gekommen?
Frau Lingemann
00:01:08
Wie immer, ganz normal, wie, wie ein normaler Mitteleuropäer.
Hans
00:01:13
Ja, ah, Gibt es irgendwas morgens, was Ihnen wichtig ist, 'ne Tasse Kaffee, oder...
Frau Lingemann
00:01:20
Ja, äh, ich hab mich fertig gemacht. Angezogen, mach ich alles selber.
Hans
00:01:27
Ja?
Frau Lingemann
00:01:27
Ja. Waschen, Kämmen, Zähne auch. Mir braucht also keiner dabei zu helfen. Mir braucht nur einer zu helfen, meine Kompressionsstrümpfe anzuziehen, weil ich das technisch nicht kann.
Hans
00:01:38
Ja?
Frau Lingemann
00:01:38
Ansonsten läuft alles normal.
Hans
00:01:41
Hhm hm.
Frau Lingemann
00:01:41
Und ich bin dann losgezogen und hab gesehen, dass ich Kaffee trinken konnte. Das ist, das ist notwendig. Sonst kann ich nicht denken. Ja. Und nun sitz ich hier und, äh, dann, dann wartete ich hier auf den Herrn Hans, der mich interviewen wollte, und hier sitz ich nun.
Hans
00:01:57
Ja, ja. Hm? aber das, Frühstücken und die Mahlzeiten nehmen Sie vorne im Tagesraum ein? Nicht hier im Zimmer. Essen tun Sie vorne?
Frau Lingemann
00:02:06
Ja, ja, unter anderen Leuten, wie immer. Also
Hans
00:02:08
ja.
Frau Lingemann
00:02:09
Routine, wie immer.
Hans
00:02:11
Hm? Hab gesehen, Sie haben ein besonderes Geburtsdatum. Den
Frau Lingemann
00:02:15
Ja.
Hans
00:02:15
01.01. Drei
Frau Lingemann
00:02:17
Das
Hans
00:02:17
und dreißig.
Frau Lingemann
00:02:17
würde ich auch gerne behalten.
Hans
00:02:19
Ja, hat das irgendwelche, Einfluss gehabt, so auf die Geburtstagsfeiern? 1. 1.? Neujahr?
Frau Lingemann
00:02:26
Ja aber, äh, hat sich bisher nicht als Vorteil, auch nicht als Nachteil erwiesen.
Hans
00:02:31
Hhm hm.
Frau Lingemann
00:02:31
Also normal. Nur, ach, hast du einen schönen Geburtstag.
Hans
00:02:34
Ja. Ihre Eltern. Was haben die so gemacht?
Frau Lingemann
00:02:37
Also mein Vater war, äh, ich muss ganz früh anfangen,
Hans
00:02:41
Ja?
Frau Lingemann
00:02:42
Wir stammen alle aus von der äh, mein Vater ist da zum Gymnasium gegangen, mein Opa war, äh, Oberlokomotivführer, meine Oma war seine Hausfrau, sie stammen aber beide aus dem gleichen Dorf, an der Weser, Amelunxen hieß das, aber winziges Dorf, aber ein gemütliches, wo ich auch während des Krieges war,
Hans
00:03:03
Hm?
Frau Lingemann
00:03:03
wegen der Bombeangriffe. Ja, das war deren Herkunft und die hatten auch alle, äh, viele Kinder, viele Geschwister, also meine, äh, meine Oma stammte aus Höxter, das war schon etwas städtischer, da existierten auch noch Verwandte, aber heute existiert, die kenne ich heute nicht mehr
Hans
00:03:25
hm, das
Frau Lingemann
00:03:26
Hab auch keine, ja, doch etwas Kontakt, da habe ich nochmal telefoniert noch miteinander, aber nur das Dorf, die Stadt Höxter liegt außen vor So dass ich weiß, ja, da ist das und das oder der und der ist gestorben, weil ich ja auch während der Kriegsjahre da gewesen bin.
Hans
00:03:43
Ja, hm, den Namen des Dorfes habe ich gerade
Frau Lingemann
00:03:46
Amelunxen
Hans
00:03:46
nicht... Amelunxen Aah.
Frau Lingemann
00:03:48
Amelunxen, Kreis Höxter Weser.
Hans
00:03:51
Wie hat es dann so ihre Vorfahren nach Wanne-Eickel, verschlagen? War das beruflich oder wie sind die dann nach Wanne-Eickel gekommen
Frau Lingemann
00:03:58
Äh, nee, nee, äh, Wanne-Eickel, eigentlich, wie soll ich das jetzt ausdrücken, äh, weil die, Geburtskliniken und so, das war ja nicht alles am Ort, sondern auch verstreut, äh, sodass ich da in der Landesfrauenklinik geboren worden bin, äh, und dann, mit meinen Eltern weitergezogen bin, letztlich, da war ich, da fing der Krieg gerade an, da war ich also fünf, sechs Jahre alt äh, da bin ich da schon in Essen zur Schule gegangen und war schon völlig Essener.
Hans
00:04:28
Mhm hm,
Frau Lingemann
00:04:29
An der Wickenburg geboren, äh, nicht geboren, Quatsch, zur Schule gegangen
Hans
00:04:33
Ja?
Frau Lingemann
00:04:33
und die Schulen gewechselt wie es gerade der Krieg zuließ Und da fing, äh, mein Schulleben an, äh, ich war eine gute, mittlere Schülerin, weil ich so faul war
Hans
00:04:50
, Aber so von dem, von den
Frau Lingemann
00:04:51
Aber keine schlechte.
Hans
00:04:52
Von den Veranlagungen hat dann doch immer gereicht.
Frau Lingemann
00:04:55
Ja, ja, also, wenn ich gefragt wurde, hab ich gewusst, oder mich gar nicht erst, oder mich klein gemacht, dass mich keiner sah.
Hans
00:05:02
Ja, okay, ja, äh,
Frau Lingemann
00:05:04
Hatte immer, äh, sagen wir mal, mittlere, bis gute Zeugnisse, sehr gut eigentlich, was mich interessierte, schon.
Hans
00:05:13
Ja.
Frau Lingemann
00:05:13
Sonst nicht so unbedingt.
Hans
00:05:15
Ja, aber die
Frau Lingemann
00:05:16
Aber, ich war ein Lausekind.
Hans
00:05:18
Aha, ja, ja. Aber die Schulzeit war dann zumindest teilweise auch in Amelunxen? Oder?
Frau Lingemann
00:05:28
Eeh?
Hans
00:05:28
wo Sie im Krieg dann waren?
Frau Lingemann
00:05:29
Ich bin durchgegangen, hatte immer gute, ohne dass ich dafür gearbeitet hätte. Ich hab also nicht gerne gelernt, aber ich hatte immer gute Ergebnisse.
Hans
00:05:41
Ja, ja. Sie hatten gerade schon erzählt, Bomben auf Essen. Was haben Sie vom Krieg so mitbekommen als kleines Kind?
Frau Lingemann
00:05:49
Von was?
Hans
00:05:49
Vom Krieg.
Frau Lingemann
00:05:51
Vom Krieg insofern, als wir ja in Essen selbst wohnten, das war nicht weit von der Krupp´schen Fabrik, wir haben also mehr im Keller gesessen als nicht.
Hans
00:06:01
Ja.
Frau Lingemann
00:06:03
Und, äh, ich kann mich erinnern, dass in der Nähe, ja, wie nannte sich das, die ganzen, die stärksten Bomben Luftminen gefallen sind, dass die Heide gewackelt hat. Dass ich aber keine Angst hatte, weil meine Eltern ja da, mein Vater ist nicht im Krieg gewesen, der war im, äh, bei Krupp unabkömmlich. Und dadurch waren wir immer eine Familie.
Hans
00:06:25
Ja.
Frau Lingemann
00:06:26
Ich wurde locker erzogen, aber, wie soll ich sagen, liebevoll.
Hans
00:06:33
Hm.
Frau Lingemann
00:06:34
War auch mehr ein Straßekind als zu Hause. Und zwar ein Schlägerkind. Ich hab mir nichts gefallen lassen, hab immer drauf gehauen.
Hans
00:06:43
Ja, cool. Hatten Sie Geschwister?
Frau Lingemann
00:06:46
Nein.
Hans
00:06:47
Also, mussten Sie sich mehr nach außen durchsetzen,
Frau Lingemann
00:06:50
Ja,
Hans
00:06:50
aber,
Frau Lingemann
00:06:51
ich hatte aber immer Kontakte. Ich war ein Kontaktkind, eigentlich.
Hans
00:06:55
Ja.
Frau Lingemann
00:06:56
Aber immer oben.
Hans
00:06:57
Ah, ja. das wäre jetzt meine Frage gewesen, so Freundinnen und Freunde?
Frau Lingemann
00:07:02
Bitte?
Hans
00:07:02
Freundinnen und Freunde?
Frau Lingemann
00:07:04
Ja. Eigentlich bin ich immer unter meinesgleichen gut klargekommen.
Hans
00:07:09
Aha.
Frau Lingemann
00:07:09
Aber immer große Klappen, gehabt.
Hans
00:07:13
Naja, also mehr so die, wie Sie sagten, oben die Führungs...
Frau Lingemann
00:07:17
Ja, und in der Schule hatte ich keine Schwierigkeiten. Äh, bei den Lehrern, äh, müsste ich eigentlich sagen, bei der Englischlehrerin, dass ich beliebt war.
Hans
00:07:28
Ja.
Frau Lingemann
00:07:28
Weil die auch an sich, äh,naturgut war. Ich hab nicht gelernt. Ich, ich hatte es drin.
Hans
00:07:34
Hm, ja.
Frau Lingemann
00:07:35
Ja.
Hans
00:07:36
Die Lehrer damals stelle ich mir jetzt sehr streng vor. Sind Sie damit klargekommen?
Frau Lingemann
00:07:44
Ach
Hans
00:07:44
Oder
Frau Lingemann
00:07:44
so.
Hans
00:07:44
gab's das gar
Frau Lingemann
00:07:45
Das
Hans
00:07:45
nicht so?
Frau Lingemann
00:07:45
kommt, das kommt so. Ich war anpassungsfähig. .
Hans
00:07:49
Ah ja. Also Sie mussten nicht unbedingt jetzt die große Klappe herauskehren?
Frau Lingemann
00:07:57
Ja, Es blieb hängen. Also dass ich viel gelernt hätte in dem Sinne. Ich musste ja draußen spielen.
Hans
00:08:07
Ja, na klar.
Frau Lingemann
00:08:09
Und das habe ich ausgenutzt.
Hans
00:08:10
Ja. eigentlich so, wie man sich eine Kindheit vorstellt. Das läuft.
Frau Lingemann
00:08:15
Ich war immer da. Ich war immer mittendrin. Ich konnte aber nichts dazu. Ich war drin.
Hans
00:08:20
Ja. Fallen Ihnen irgendwelche Spiele ein? Irgendwas, was man so zusammen gemacht hat?
Frau Lingemann
00:08:27
Das habe ich jetzt
Hans
00:08:27
Fallen
Frau Lingemann
00:08:27
akustiersch.
Hans
00:08:28
Ihnen irgendwelche Spiele ein oder was Sie so auf der Straße dann gemacht haben?
Frau Lingemann
00:08:34
Ja. Man spielte auf der Straße zu der Zeit auch. Innen drin, die Leute hatten ja auch schon nichts mehr. Die waren ja teilweise schon bombengeschädigt. Wir hatten dreimal nichts. Und ich bin dann nach Amelunxen gekommen, weil da die Schule ja noch war. Bin direkt auf die höhere Schule nach Brakel auf die Brede gekommen. Und hatte keine, ich hatte schulisch keine Schwierigkeiten. Nicht, dass ich irgendwie gezittert habe, du wirst nicht versetzt.
Hans
00:09:05
Ja.
Frau Lingemann
00:09:05
Es war so.
Hans
00:09:07
Ja.
Frau Lingemann
00:09:08
Also ich habe mit dem gearbeitet, was ich hier drin hatte, und das war gut.
Hans
00:09:11
Gab es denn irgendwelche Lieblingsfächer?
Frau Lingemann
00:09:14
Was war da?
Hans
00:09:14
Lieblingsfächer? Gab es Lieblingsfächer, was Sie besonders gerne gemacht haben? Deutsch, Mathe,
Frau Lingemann
00:09:19
Ja, alles.
Hans
00:09:21
Alles.
Frau Lingemann
00:09:21
Alles.
Hans
00:09:22
Alles. Ja.
Frau Lingemann
00:09:22
Sagen wir mal, je höher die Fächer, die, oder je länger man da war, umso mehr Fächer waren dann wieder relevant. Und , aber da gehe ich nach Werden. Als der Krieg zu Ende war, bin ich sofort nach Werden zu meinen Eltern gekommen.
Hans
00:09:38
Hm.
Frau Lingemann
00:09:39
Und da war ich auf der Marienschule
Hans
00:09:41
Ja.
Frau Lingemann
00:09:41
Und Schwester Direx stand schon immer auf der ersten... na wie soll man sagen, Treppenabsatz und hat die Parade abgenommen. Ich bin aber in der Schule eigentlich nie unangenehm aufgefallen. Wenn Mist gemacht wurde , war ich dabei. Aber damit hatte sich der Fall eigentlich.
Hans
00:10:06
So ein Mist. Fällt Ihnen da irgendwas ein, was Sie mal so gemacht haben? So Streiche oder?
Frau Lingemann
00:10:11
Ja, ja.
Hans
00:10:12
Fällt
Frau Lingemann
00:10:12
?
Hans
00:10:12
Ihnen da
Frau Lingemann
00:10:12
Also
Hans
00:10:12
was
Frau Lingemann
00:10:13
nichts Bösartiges!
Hans
00:10:14
Nee.
Frau Lingemann
00:10:15
Äh, was man so macht.
Hans
00:10:16
Ja. Können Sie irgendwas erzählen? Fällt Ihnen irgendwas noch ein?
Frau Lingemann
00:10:19
Da ist mir?
Hans
00:10:20
Oder ist das...
Frau Lingemann
00:10:20
Nichts geläufig.
Hans
00:10:21
...zu lange
Frau Lingemann
00:10:21
Das
Hans
00:10:21
her?
Frau Lingemann
00:10:22
geht unter. Aber wenn was war, war ich dabei. Ohne, mich nicht! Aber das war eigentlich alles auf die nette Tour. Und als Mitschülerin war ich beliebt. Und ich war sehr sportlich, was ja auch damals viel aus... Vor allen Dingen war ja BDM noch. Und da war ich auch immer mitten drin. Allerdings wenn marschiert wurde, ich war nicht so sehr groß geraten. Ich war immer ziemlich hinten.
Hans
00:10:54
Und dadurch konnte man dann so ein bisschen freier.
Frau Lingemann
00:10:57
Wenn Kurven kamen, musste ich immer ein paar Schritte mehr machen... Eigentlich unauffällig. Unauffällig, aber große Klappe.
Hans
00:11:05
Noch zu der Schulzeit, zu Kriegszeiten. Gab es da auch so Dinge wie so Propaganda der Nationalsozialisten, so Lieder, dass man irgendwo stramm stehen musste?
Frau Lingemann
00:11:14
Das gab es bestimmt, aber es hat mich nicht erreicht. Ich war mehr mit spielen und so, also die ganze NS-Geschichte. Ich war nicht uninteressiert. Ich war zu begeistern, sagen wir mal so. Aber dass ich jetzt gesagt habe, ich möchte aber vorne marschieren. Immer nach Möglichkeit hinten, aber agieren.
Hans
00:11:44
Aha,
Frau Lingemann
00:11:44
So
Hans
00:11:44
gut.
Frau Lingemann
00:11:45
in der Art. Ich hoffe, das ist richtig ausgedrückt.
Hans
00:11:48
Das hört sich... und hier tut es mir leid, dass die... dass das nur zu hören ist, dieser Podcast, weil ihr lebendiges Gesicht dabei noch, das macht das Ganze noch spannender.
Frau Lingemann
00:11:57
Nee, also sagen wir mal, die NS-Erziehung war, lief mit. Also das war nicht, wenn, wie soll ich sagen, nehmen wir mal an, obwohl das nicht ganz frisch war, weil ich das nicht mehr weiß. Wenn sich versammelt wurde oder so, da ging man ja hin. Und wenn es Sportfest war, Schillerwiese war ich dabei und kriegte auch immer... da hat meine Mutter immer gesagt, wenn du in Mathematik sowas kriegtest, das wäre natürlich sehr viel schöner. Ja. Also ich war eine mittlere, aber interessierte Schülerin.
Hans
00:12:41
Ja. Beim Sport, gab es da irgendwelche Dinge, die Sie besonders gut oder...
Frau Lingemann
00:12:46
Sport?
Hans
00:12:47
Sie hatten gerade auch
Frau Lingemann
00:12:47
Alles.
Hans
00:12:47
Sportfeste,
Frau Lingemann
00:12:48
Alles.
Hans
00:12:48
auch da alles, ne?
Frau Lingemann
00:12:49
Alles.
Hans
00:12:50
Ja?
Frau Lingemann
00:12:50
Ich war, ich war ein sportliches Kind, ich konnte schnell laufen, kriegte ich bestimmt irgendwie Punkte, wenn man,das weiß ich heute nicht mehr so... Aber ich war nie schlecht, weil in Sport, Mathematik durfte man mich nicht so fragen.
Hans
00:13:07
Ja.
Frau Lingemann
00:13:08
Da kam ich immer, ich bin nie sitzen geblieben. Ich hab immer mittelgute bis gute Zeugnisse gehabt. Aber dass ich in Genie gewesen wäre, das kann ich auch nicht sagen. Aber ich kapierte das auch, außer Mathematik, also Mathematik war... Hätt ich lieber nicht gehabt.
Hans
00:13:26
Ja. Jetzt zurück nach, also Sie sagten direkt nach dem Krieg, waren Sie wieder in Werden.
Frau Lingemann
00:13:33
Ja.
Hans
00:13:33
Weil Ihre Eltern hier waren.
Frau Lingemann
00:13:34
Und dann hat meine Mutter mich direkt... Äh, ach so, ich bin schon in Amelunxen nach Brakel, äh, zur Brede, das war da die höhere Schule, wo man die höhere Töchter hinschickte.
Hans
00:13:46
Ja.
Frau Lingemann
00:13:46
Und, ähm, natürlich ich auch.
Hans
00:13:49
Ja.
Frau Lingemann
00:13:49
Ja. Und, ähm, dann hier in Werden hat meine Mutter mich dann, äh, unter den Arm genommen zur Marienschule. Und da stand dann "Töchter vom Heiligen Kreuz". Ach! sagt mein Vater, mit euch Töchtern! hat man sein Heiliges Kreuz
Hans
00:14:06
Ja
Frau Lingemann
00:14:08
. Aber ich war immer da, wo was los war.
Hans
00:14:12
Hhm hm,
Frau Lingemann
00:14:13
Wo man mitmachen konnte oder, sportlich auch sehr, ich hatte im Sport hatte ich immer gute Noten. Bin ich, also ich bin unangenehm eigentlich... könnte ich höchstens in Mathematik gewesen sein. Aber ob das auffällig war, kann ich nicht sagen.
Hans
00:14:30
Dass man irgendwo jetzt nicht ganz so gut ist, da ist halt so, ne?
Frau Lingemann
00:14:35
Also ich kann heute noch nicht richtig rechnen. Mit meinem Geld schon mal gar nicht.
Hans
00:14:40
Ja, ja. Aber Sie haben ja schon angedeutet, dass Sie dann auch einen guten Beruf gefunden haben und deswegen beim Geld war es nicht so wichtig,
Frau Lingemann
00:14:50
Ja
Hans
00:14:50
genau
Frau Lingemann
00:14:50
ich
Hans
00:14:50
zu rechnen.
Frau Lingemann
00:14:51
war, ich war eine beliebte Mitschülerin eigentlich. Weil, wo was los war, war ich ja dabei. . Sagen wir mal, es war ja auch viel, es ist auch einiges erwartet worden. Kann ich aber nur noch so so, lose sagen. Äh, wenn man gemusst hat, bin ich auch hingegangen. Äh, wenn ich jetzt sag Heimabend oder so, das weiß ich gar nicht mehr richtig. Aber, ich bin bestimmt hingegangen.
Hans
00:15:20
Mhm.
Frau Lingemann
00:15:21
Weil es erwartet wurde. Und meine Eltern, mein Vater war in der Partei, weil er bei Krupp war, in der Revision, da musste er in der Partei sein. .
Hans
00:15:31
Ja.
Frau Lingemann
00:15:31
Und ich weiß noch, dass ein Parteiabzeichen, als alles zu Ende war, auf der Wiese vorm Haus gelandet ist. .
Hans
00:15:38
Mhm.
Frau Lingemann
00:15:38
Da wird es vielleicht heute noch rosten.
Hans
00:15:40
Ja.
Frau Lingemann
00:15:41
Aber mein Vater war auch, also bei uns war Politik eigentlich... Ja. Was muss, das muss. Ja. Und was muss nicht, das musste nicht.
Hans
00:15:49
Ja.
Frau Lingemann
00:15:49
. Denn in der, auch bei Krupp, musste ja auch einiges sein. Also da hat er bestimmt äh, sich nicht gedrückt, wenn... Aber...
Hans
00:15:59
Ja.
Frau Lingemann
00:15:59
Sonst wäre er rausgeflogen, ganz einfach.
Hans
00:16:02
Ja. In der Zeit dann nach dem Krieg, jetzt denkt man bei Krupp, war erstmal alles kaputt und irgendwie krumm, aber es ist trotzdem für ihren Vater auch irgendwie auch weitergelaufen.
Frau Lingemann
00:16:12
Ja. Er ist auch, ähm, nicht in den Krieg gekommen, äh, UK hieß "unabkömmlich",
Hans
00:16:19
Mhm.
Frau Lingemann
00:16:20
weil er in der Revision war, da muss an der Stelle gelegen haben, dass sie Leute brauchten. Also mehr könnte ich dazu nicht sagen. Und hat... War auch immer, äh, sehr kollegial und so. Also... Nichts Erwähnenswertes. Ob er gut verdient hat oder schlecht, kann ich nicht behaupten. Wir hatten kein Auto, aber mein Vater war auch kein Autotyp, also... Normal.
Hans
00:16:45
Und ihre Mutter war aber dann Hausfrau und hat...
Frau Lingemann
00:16:47
Ja, die ist auch nie irgendwie politisch in Aktion getreten. Sollte da irgendwas für Hausfrauen gewesen sein, hat sie nicht interessiert. Also ich kann mich nicht erinnern, sagen wir mal
Hans
00:16:58
Ja. Also
Frau Lingemann
00:16:59
Also wir waren eigentlich politisch nicht, dass ich wüsste. Hat mich nicht erreicht,
Hans
00:17:06
Mhm.
Frau Lingemann
00:17:06
Aber im BDM war ich.
Hans
00:17:08
Mhm.
Frau Lingemann
00:17:09
Das Erste, wir gingen zum Frohnhauser Mark. Da war ein Uniformgeschäft. Margret kriegte sofort eine Uniform. Die nachher blau gefärbt wurde und als Kostüm diente. Ja.
Hans
00:17:20
Also in blau gefärbt Kostüm, als Kostüm, das war dann aber so Kostüm zum Tragen, nicht?
Frau Lingemann
00:17:25
Es war alles normal. Was andere Kinder auch hatten, kriegte ich, aber ich war ja Einzelkind. Und Oma und Opa und auch, hat man alles über mich geschüttet.
Hans
00:17:36
Ja.
Frau Lingemann
00:17:37
Ich weiß nur, weil ich mich jetzt wieder daran erinne, hatte hier im Haus, hat eine so ein, äh, die kann nicht mehr richtig laufen, hat so einen dollen Wessel aus rotem Leder gekriegt, sieht irre aus, hat die, da hab ich noch gedacht, ich kriegte einen Tretroller, und manche Kinder hatten keinen, und dann hab ich, also ich, aber die Summe kann keine Rolle spielen, weil die ist mir nicht mehr geläufig, äh, andere Kinder fahren lassen für 10 Pfennig.
Hans
00:18:05
Ah, ja.
Frau Lingemann
00:18:08
Als ich dieses, das, ähm, Ding da sah, hab ich gesagt, ach so! und dann bin ich auf die Dame zu, ich sag, "Sie haben aber ein tolles Dingen!? " Früher hatte ich einen Tretroller und hab andere Kinder damit fahren lassen "Darf ich mit ihrem auch mal?" Hat sie aber auch als Scherz aufgefasst
Hans
00:18:24
Ja.
Frau Lingemann
00:18:25
Jetzt hab ich Ihnen Märchen genug erzählt, oder?
Hans
00:18:27
Nein, das kann ruhig so weitergehen, ich muss gar nix fragen, also, hör zu.
Frau Lingemann
00:18:33
Ja, ich war ja immer mitten drin.
Hans
00:18:35
Bei dem Roller hab ich jetzt so im Hinterkopf, dass es früher diese Ballon-Roller gab, mit den dicken Reifen.
Frau Lingemann
00:18:41
Ja, das war schon
Hans
00:18:42
Das
Frau Lingemann
00:18:42
später.
Hans
00:18:42
war später.
Frau Lingemann
00:18:43
Das war, äh, der hatte so'n Trittbrett, das rauf und runter ging.
Hans
00:18:49
Ja.
Frau Lingemann
00:18:49
. Und blau war. Das ist schon, glaub' ich, 'n Modell vorher gewesen. Die dicken Roller hab' ich nicht gehabt. Da war ich schon drüber Aber da kriegte ich auch 'n Fahrrad, das Kind musste ja 'n Fahrrad haben.
Hans
00:19:01
Ja,
Frau Lingemann
00:19:02
Ich hatte alles, ich hatte alles. Dafür hatte ich auch Oma's und Opa's und, äh, ja
Hans
00:19:07
Ja, aha. Jetzt aber, Werden die höhere Schule ist beendet. Wie haben Sie dann mit dem Beruf angefangen?
Frau Lingemann
00:19:16
Ja sie kriegten ja nur durch Vitamin B, da hieß Beziehungen, kriegten sie ja was. Und mein Vater, der hatte sich auch hochgekrabbelt in der Revision und so. Also, der hat durch Beziehungen mich bei Krupp, bei, oder war das schon Kohle? Das war, also, das kann ich nicht mehr auseinanderkriegen, ähm, denn wir haben, äh, das war ein großes Gebäude, das war aber noch nicht Innenstadt, sondern vielleicht ein paar wenige Kilometer außerhalb, aber auch noch nicht Vorstadt, war die Dienststelle meines Vaters untergebracht und ich, ach ja, das weiß ich, da war die Personalabteilung, h eine Bürovorsteherin und das war Fräulein Eckhardt und als sie mich sah, ordentlich wie ich war mit ... Zöpfen und so, und du bleibst erst mal hier. Und da war ich in der Personalabteilung und bin auch dann da gewesen und dann kriegte die Sekretärin des Personaldirektors, kriegte ein Kind und der hat mich haben wollen den hab ich, ich hab insgesamt eine Menge Chefs gehabt, aber immer gut klar gekommen und immer weiter, durch meine Art schnell zu arbeiten, ich war schnell... zu arbeiten und so, vielleicht auch präzise, muss ja wohl gewesen sein, wurde ich auch immer weiter empfohlen.
Hans
00:20:55
das heißt,dieser Einstieg, das war dann so die Ausbildung und dann sind sie so
Frau Lingemann
00:21:00
die können wir mal nehmen, und die war erst ganz klein und dann auf einmal war sie ganz oben.
Hans
00:21:06
Ja, Sie hatten gesagt, das war Direktionsassistentin.
Frau Lingemann
00:21:10
Ja, dann wurde mein Chef auch Direktor, erst war der Frühstücksdirektor und so und dann war ich, ich bin ja immer mitgenommen
Hans
00:21:21
Ja,
Frau Lingemann
00:21:21
worden.
Hans
00:21:22
Also man war dann an den, diesen Chef, an diese eine
Frau Lingemann
00:21:24
Ja,
Hans
00:21:25
Person auch gebunden.
Frau Lingemann
00:21:25
ja, ja,
Hans
00:21:26
Ja,
Frau Lingemann
00:21:26
ja. Ja, das
Hans
00:21:27
Was heißt
Frau Lingemann
00:21:27
war.
Hans
00:21:27
gebunden, also.
Frau Lingemann
00:21:28
War anders als heute. Ja, und es funktionierte gut.
Hans
00:21:33
Jetzt müsste ich aber nochmal wissen, ich hab schon so ein bisschen
Frau Lingemann
00:21:35
Und ich hatte auch ein bisschen Einfluss
Hans
00:21:39
Ja. Da würde ich gleich auch gerne hören. Erstmal würde ich gerne so, das Tätigkeitsfeld.
Frau Lingemann
00:21:45
Was?
Hans
00:21:45
Was hatten Sie da so zu tun? Was mussten Sie da machen?
Frau Lingemann
00:21:48
Ich hab arbeiten können. Aber wie? Also wenn die heute sagen, die müssten arbeiten, dann würde ich sagen, die, Zeiten hab ich hinter mir. Halt die Klappe! Komm!
Hans
00:21:58
Ja
Frau Lingemann
00:21:58
Erzähl, mir nichts vom Pferd. Ich hab wirklich sehr viel arbeiten müssen.
Hans
00:22:02
Ja.
Frau Lingemann
00:22:03
Und weil ich schnell war, war das auch ein Attribut, das geschätzt wurde War ja wohl auch richtig, ne?
Hans
00:22:10
Ja, Also, Sie waren früher, also früher als der Chef waren Sie da.
Frau Lingemann
00:22:15
Und hab mich hochgekrabbelt.
Hans
00:22:16
Und haben alles so ein bisschen vorbereitet, dass der Chef dann, wenn er kommt...
Frau Lingemann
00:22:19
Wenn der seine Tasche hatte, dann wußte der, das was drin war, war okay.
Hans
00:22:22
Also, seine Termine vorbereitet. Er
Frau Lingemann
00:22:24
Ja,
Hans
00:22:25
hatte einen
Frau Lingemann
00:22:25
ja,
Hans
00:22:25
Termin und
Frau Lingemann
00:22:25
ja, ja.
Hans
00:22:25
Sie haben alles bereitgelegt.
Frau Lingemann
00:22:26
So, eine kleine Übung. Wenn man interessiert ist, weiß man das.
Hans
00:22:31
Ja. Gehörten auch so Sachen wie Tippen, Stenografie und sowas mit dazu oder gab's dafür noch andere?
Frau Lingemann
00:22:38
Das hab ich jetzt akustisch nicht...
Hans
00:22:39
Gehörten auch so Sachen wie Briefe abtippen oder schreiben, Stenografie und sowas mit dazu?
Frau Lingemann
00:22:47
Ich war, ja, ich war ja, da war man im Stenoverein, das war ja üblich, äh, ich, sagen wir mal, so, ich war nicht die schnellste, brauchte ich auch nicht, Stenografin, äh, also, wenn, da war dann auch Wettschreiben und so, 160, 180 war schon schwieriger, so Mitte, aber ich konnte es
Hans
00:23:14
Ja,
Frau Lingemann
00:23:16
Und, äh, Maschine, das gehörte dazu, also, war unser Rüstzeug. Und war auch immer ja, sagen wir mal, wo den Chefs was zu sagen da hat nämlich mal einer gesagt, ja, die Personalpolitik, die wird hier auf der Darmentoilette gemacht.
Hans
00:23:32
Ja, damit wären wir dann bei dem Einfluss, den Sie hatten.
Frau Lingemann
00:23:36
Ja, man, wenn man ihn aus... wenn man wusste, wie.
Hans
00:23:40
Ja, das heißt, Sie haben dem Chef im richtigen Moment.
Frau Lingemann
00:23:45
Ja, ich hatte ja die, ich kannte mich auf der unteren Etage aus, und der war ja oben. Der hat auch profitiert.
Hans
00:23:52
ja.
Frau Lingemann
00:23:53
Also, waren schöne Zeiten, nein, ich hab mich mit meinen Chefs immer gut verstanden, und die haben mich auch immer vollgenommen. Und hätte denen auch nichts vom Pferd erzählt.
Hans
00:24:04
Na klar, beruht auf Gegenseitigkeit.
Frau Lingemann
00:24:07
Genau so. Ja, und, und, äh, ja dann war Feierabend.
Hans
00:24:15
Ich hab noch eine Nachfrage Sie hatten erzählt, zuletzt waren Sie dann bei der Ruhekohle.
Frau Lingemann
00:24:20
Ja RAG. Also die haben ja auch mehrfach umfirmiert, ich immer mit.
Hans
00:24:26
Und es war aber immer der gleiche Chef?
Frau Lingemann
00:24:29
äh,
Hans
00:24:29
Oder hat der mal...
Frau Lingemann
00:24:30
äh, weitestgehend? Die waren ja auch manchmal schon älter.
Hans
00:24:33
Ja.
Frau Lingemann
00:24:33
Aber, äh, äh, eigentlich ja, mit der Abteilung dann immer weiter, ne?
Hans
00:24:38
Ja.
Frau Lingemann
00:24:39
Und da hat man, obwohl es Quatsch ist, aber man hat schon einigen Einfluss, man konnte seinem Chef schon manches stecken. Weil man ja im Publikum war.
Hans
00:24:49
Ja.
Frau Lingemann
00:24:49
Also es war eigentlich eine schöne Zeit.
Hans
00:24:52
Also, man merkt ja auch, dass Sie den Beruf auch gerne gemacht haben, wenn Sie
Frau Lingemann
00:24:57
Bitte?
Hans
00:24:57
da... Man merkt auch, dass Sie den Beruf gerne gemacht haben.
Frau Lingemann
00:25:01
Ja. Den konnte ich, ich hatte ihn ja von Anfang an, Lehre, dann immer weiter, nimm doch die, die ist ganz gut und so War so. Und man hatte ja überall auch seine Leute, mit denen man zusammenarbeiten konnte, wo man was bei, rausholte. Ja. Da ist eigentlich nicht viel zu sagen, ne?
Hans
00:25:24
Ich würde jetzt gerne mal wissen, Beruf macht Spaß, ist gut, aber trotzdem hat man ja auch mal Freizeit. Hobbys. Hatten Sie irgendwelche Hobbys neben dem Beruf?
Frau Lingemann
00:25:34
Äh, ja, da wurde in Heidhausen der Tennis Club gegründet und da bin ich reingegangen. Und weil ich immer sehr sportlich war, war ich auch sofort in der Damenmannschaft und hatte auch Erfolge. und ich war auch ein fairer Spieler, also da ist eigentlich nichts zu zu sagen.
Hans
00:25:54
Ja.
Frau Lingemann
00:25:56
Und war nachher dann mit im Vorstand. Ist man ja zwangsläufig, die suchen, Schriftführer. Ja.
Hans
00:26:03
Äh,
Frau Lingemann
00:26:04
Die suchen ja immer welche, ich war wohl ganz gut,
Hans
00:26:07
Aber auch Schriftführer ist ja oft ein einflussreicher, eine einflussreiche Stelle, ne? Weil man dann eben das Protokoll... schreibt
Frau Lingemann
00:26:14
Ja, ja, man war mitten drin, man hatte Ahnung, ne? Und konnte auch, wenn Sitzung war, auch seinen Teil dazu beitragen. Also, es ist mir mehr angetragen worden, als dass ich es mir erarbeitet War einfach so.
Hans
00:26:27
Ja. beim Tennis würde ich gerne noch wissen, Sie sagten, Sie hatten einige Erfolge. Erinnern Sie sich noch an irgendwelche...
Frau Lingemann
00:26:33
Ich war eigentlich
Hans
00:26:35
Ja.
Frau Lingemann
00:26:35
erfolgreich.
Hans
00:26:35
Erinnern Sie sich noch an irgendwelche Siege, die besonders schön waren oder irgendwelche Titel die Sie errungen haben?
Frau Lingemann
00:26:42
Ja, ja.
Hans
00:26:43
Und das war dann so auf der Ebene, Kreismeisterschaft oder
Frau Lingemann
00:26:47
Wenn
Hans
00:26:47
ging es...
Frau Lingemann
00:26:47
Sie einmal drin sind, kommen Sie immer weiter. Können Sie sich gar nicht gegen wehren.
Hans
00:26:54
Aha.
Frau Lingemann
00:26:55
Wenn Sie, wenn Sie dann auch gut sind, sagen
Hans
00:26:58
Ja,
Frau Lingemann
00:26:58
wir das mal so.
Hans
00:26:59
Wie sah's mit Reisen aus? Sind sie auch verreist?
Frau Lingemann
00:27:03
Bitte?
Hans
00:27:03
Sind sie auch verreist? Ob sie verreist sind?
Frau Lingemann
00:27:07
Ach verreist, das Wort hat ich nicht verstanden.Ja, sobald ich´s mir leisten konnte, immer.
Hans
00:27:12
Aha,
Frau Lingemann
00:27:12
Immer
Hans
00:27:13
Irgendwelche Ziele, die besonders
Frau Lingemann
00:27:15
Immer
Hans
00:27:15
schön waren?
Frau Lingemann
00:27:15
raus! Und vor allen Dingen, äh, wir waren, auch teilweise durch die Firma, vier weibliche Wesen. Da haben wir uns ein Wohnmobil gemietet und sind Australien überall gewesen.
Hans
00:27:30
Cool! Aha.
Frau Lingemann
00:27:31
. Und jeder musste immer 300 Kilometer fahren und dann war der Nächste dran.
Hans
00:27:36
Aha.
Frau Lingemann
00:27:36
Also wir sind rumgekommen.
Hans
00:27:37
Ja. Das heißt, sie hatten so ein paar Kolleginnen, mit denen sie besonders gut konnten.
Frau Lingemann
00:27:42
Ja, dann haben wir schon immer, äh, eine, die arbeitete gerne so was aus, die machte den Plan. Da haben wir gesagt, du kennst doch langsam jeden den Stein am Weg.
Hans
00:27:51
Ja
Frau Lingemann
00:27:52
Und, äh, danach sind wir dann verreist. Also fahren wir dieses Jahr nach Australien, fahren wir nach Australien. Also es sind wenig Länder, die ich nicht gesehen hab mit denen.
Hans
00:28:01
Aha.
Frau Lingemann
00:28:02
. Die waren alle gleich geartet. Und konnten sie sich da bewegen, wir konnten alle die Sprache, wenn wir auch nicht, wir konnten uns verständlich machen.
Hans
00:28:15
Ja, das gehört bei so einem Job wahrscheinlich dazu, dass man auch ein bisschen Sprachtalent hat
Frau Lingemann
00:28:19
Ja. Und auch durch die Stellung, man hatte keine Hemmungen, äh, auch mal falsch zu liegen. Wir haben es gemacht
Hans
00:28:25
Welche Sprachen haben Sie beherrscht? Englisch?
Frau Lingemann
00:28:29
Weitestgehend.
Hans
00:28:30
Ja.
Frau Lingemann
00:28:30
Also sagen wir mal, nicht total. So weit ging es nicht. Aber, äh, ich konnte, sag mal alleine gehen und, ja, Kauf mal für heute ein. Kleine Fische. Aber auch, haben wir auch gerne gemacht.
Hans
00:28:44
Mhm. Ich würde auch, Australien hört sich schon sehr toll an, als Reiseziel. Wo waren Sie sonst noch, als Reiseziel?
Frau Lingemann
00:28:55
Das Weiteste war Australien. Denn
Hans
00:28:57
Hm.
Frau Lingemann
00:28:57
das war ja schon damals, äh, sehr Ausland. Wir sind dann klein angefangen, das merkt man sich gar nicht so. Man machte es. Und vor allen Dingen, wir waren ja vier Mann, wir machten es einfach. Und die eine musste es immer vorbereiten. Und wir sind gefahren.
Hans
00:29:15
Ein Reisemobil musste man dann wahrscheinlich in Australien, ja, anmieten, irgendwie
Frau Lingemann
00:29:21
Ja, wir haben es hier bei Karstadt gemietet. Und das ging dann alles,
Hans
00:29:27
Ah ja.
Frau Lingemann
00:29:27
über Kar ... da war eine bei Karstatdt beschäftigt, und die hat dafür gesorgt, dass das alles in Ordnung geht. Also, wir hatten alles so vorbereitet.
Hans
00:29:36
Ja. Das hört sich wirklich toll an.
Frau Lingemann
00:29:38
Und
Hans
00:29:38
Und
Frau Lingemann
00:29:39
alles besorgt da, äh ...
Hans
00:29:42
Ja.
Frau Lingemann
00:29:42
Also, wie Australier.
Hans
00:29:44
Ja.
Frau Lingemann
00:29:44
. Und haben da auch nette Bekanntschaften gemacht und so. Das hat sich alle nicht so gehalten. War einfach zu weit. Aber wir, wir haben uns gerne getan. Und, äh, sind dann auch eingeladen worden, da zum Essen und so. Ja. Wir waren mit dabei.
Hans
00:30:01
Eingeladen zum Essen... gab's,
Frau Lingemann
00:30:03
Aber wir, wir hatten alle, wir kamen ja alle von der Ruhrkohle und hatten alle die gleichen Voraussetzungen. Wir sprachen alle, konnten uns verständlich machen. sprachen kein, äh, super intelligentes Englisch. Aber, wir kamen durch. Ja. Und vier Mann
Hans
00:30:19
Ja.
Frau Lingemann
00:30:19
kein Problem. War auch nichts erwähnswertes. Wir haben das gemacht.
Hans
00:30:25
Ja, nun...
Frau Lingemann
00:30:27
Man hat uns beneidet.
Hans
00:30:28
Ja. Das kann ich mir vorstellen,
Frau Lingemann
00:30:29
Ja.
Hans
00:30:30
weil ... Ja.
Frau Lingemann
00:30:31
Und konnten auch anderen Leuten Tipps geben so.
Hans
00:30:34
Das war gerade eine Idee. Da hätten sie auch heute gut 'ne Geschäftsidee draus machen können. Sie organisieren einfach tolle Reisen.
Frau Lingemann
00:30:41
Äh, das war alles so auf privater Basis.
Hans
00:30:45
Ja, natürlich. Natürlich.
Frau Lingemann
00:30:46
Manches hat sich noch gehalten, aber im Endeffekt ... Ist es nachher zerronnen.
Hans
00:30:51
Ja.
Frau Lingemann
00:30:53
Man kann ja nicht alles beibehalten, das
Hans
00:30:54
Nein,
Frau Lingemann
00:30:55
geht ja nicht.
Hans
00:30:55
nein, das geht nicht, nein.
Frau Lingemann
00:30:56
Und außerdem, ich meine, wir verdienten normal, es ist nicht so, dass wir uns alles hätten erlauben können.
Hans
00:31:04
Ja, aber so schlecht hat's dann
Frau Lingemann
00:31:07
Aber
Hans
00:31:07
wahrscheinlich...
Frau Lingemann
00:31:07
wir haben mitgemacht.
Hans
00:31:08
Ja, genau, hhm hm. Jetzt würde ich gerne noch einmal, wissen, Sie sind ja nicht verheiratet gewesen.
Frau Lingemann
00:31:17
Nein. Nein.
Hans
00:31:18
Aber, wenn ich das richtig gelesen hab,
Frau Lingemann
00:31:20
Dann wäre das alles nicht so gelaufen.
Hans
00:31:22
Ja, hhm hm, ja. Wenn ich, das richtig gelesen hab, hatten Sie aber schon einen, äh, langjährigen Lebensgefährten.
Frau Lingemann
00:31:31
Ja. Da war die Zeit der Minimode und wer hatte die Minimode? Margaret. Sehr mini! Und ich ging vor meinem späteren Lebensgefährten die Treppe runter und der pfiff hinter mir her.
Hans
00:31:48
Mhm.
Frau Lingemann
00:31:48
Und aus dem Pfiff wurde ein Stück Leben. Wir haben uns gut verstanden. Und, äh, das war dann die... Ich hab nie wieder einen Mann kennengelernt, mit dem ich so einer Meinung war, , Ansichten, die gleichen gehabt und so, Und dann eines Morgens, äh, da lag er da so auf dem Sofa rum und ich sag, äh, ich geh mal eben, äh, in die unter die Dusche. Und dann machte er noch so und schon wieder der ist tot.
Hans
00:32:24
Oh Mann, ja.
Frau Lingemann
00:32:26
Ja. Und so einen hab ich, hab ich nie wieder gehabt. Kriegt man auch nicht.
Hans
00:32:33
Ich hab gelesen, ich hoffe das stimmt, 2017.
Frau Lingemann
00:32:36
Ich hab's nicht...
Hans
00:32:37
2017 ist er verstorben, hab ich gelesen.
Frau Lingemann
00:32:40
Ja, ja, hätte ich jetzt so auf Anhieb nicht so
Hans
00:32:43
Ja,
Frau Lingemann
00:32:43
gewußt.
Hans
00:32:43
ja, ja,
Frau Lingemann
00:32:43
Ja, aber ist ein komisches Gefühl, ne? Da gehen sie ins Badezimmer, kommen wieder, ist er tot? Aber so ein Verständnis untereinander ist nie wieder passiert. Ich hab nachher noch jemanden kennengelernt, aber... Sowas nicht.
Hans
00:32:59
Ja.
Frau Lingemann
00:33:01
Obwohl er auch verheiratet war und, äh, jetzt ist mir das scheißegal, ob einer den Lappen hat oder hat ihn nicht.
Hans
00:33:10
Ja.
Frau Lingemann
00:33:10
Äh, wir haben also nie geheiratet, weil es war nicht wichtig.
Hans
00:33:16
Hm.
Frau Lingemann
00:33:17
Wozu?
Hans
00:33:18
Ja, ja. Was sind so die Dinge, die Sie gemeinsam unternommen haben?
Frau Lingemann
00:33:24
Wir haben... Äh, äh, äh, er war ein Autofreak.
Hans
00:33:29
Hm?
Frau Lingemann
00:33:29
? Es musste immer... Komm, wir fahren mal zu Audi. Und dann sagten die Blagen schon immer, ach du Scheiße! der Vater kommt mit einem neuen Auto nach Hause und so war es auch.
Hans
00:33:40
Ja.
Frau Lingemann
00:33:40
Äh, äh, also er hat die, eigentlich die schönsten Autos gehabt
Hans
00:33:45
Hm,
Frau Lingemann
00:33:45
immer. Äh, aber ich durfte nicht da dran. Bis ich mal gesagt hab, hör mal, es könnte mal sein, dass du mal nicht kannst und dann muss das Auto bewegt werden. also lass mich das Auto mal
Hans
00:33:55
Hm.
Frau Lingemann
00:33:55
fahren. Jaaaaaaa das..... ging dann auch, Und ich durfte dann auch mal fahren, aber da ließ er nie jemand dran. Er hatte auch mal ein englischen Sportwagen, ich komm heute nicht mehr darauf. Da fing die Tour mit an mit den schönen Autos.
Hans
00:34:18
Und dann, wenn man das Auto hat, dan muss man ja auch fahren. Das heißt, sie haben auch schöne Touren unternommen.
Frau Lingemann
00:34:24
Ja, ja. Und dann sind wir auch mit dem Auto, vor allen Dingen Südfrankreich und so, sind wir sehr viel gefahren. Da haben wir auch, da sind wir allerdings von Europa nicht weggefahren. Oder sind wir mal in Am... in Amerika sind wir auch mal gewesen, das kriege ich heute nicht mehr hintereinander
Hans
00:34:44
Ja,
Frau Lingemann
00:34:44
weg. Ist ja auch nicht wichtig.
Hans
00:34:45
Mhm, ja. Aber...
Frau Lingemann
00:34:48
Aber ich habe da mit, ich hab es auch mit ausgearbeitet. Äh, und weil ich eigentlich sprachlich besser dran war, habe ich das, äh, in die Hand genommen, mehr oder weniger. Aber das war jetzt keine, ja, ich muss es aber alle selber machen. Also, wir waren ein Ei und ein Pfannkuchen. Ja, ich weiß gar nicht, was ich noch weitererzählen... Es hat eigentlich in meinem Leben nie wieder was so gepasst wie dieses Da kam nachher noch was aber, das war alles nicht, das Gelbe vom Ei.
Hans
00:35:24
Mhm. Ich überleg so ein bisschen die Zeitspanne. Minirock war ja so 70er Jahre.
Frau Lingemann
00:35:31
Ja.
Hans
00:35:31
Ja. Dann war das ja auch schon ne recht lange Zeit, die sie zusammen waren.
Frau Lingemann
00:35:34
Ja, ja. Also könnte ich zeitlich gar nicht mehr genau sagen.
Hans
00:35:39
Aber
Frau Lingemann
00:35:39
Weil
Hans
00:35:39
so...
Frau Lingemann
00:35:39
das war ja unwichtig.
Hans
00:35:40
Ja, genau, wenn's schön ist, dann guckt man nicht auf die Uhr, ne? Ja,
Frau Lingemann
00:35:44
Aber bei dem Ganzen, wir haben nachher auch, ich hatte ein Haus und wir haben da drin zusammen gelebt und so. Das spielte alles keine Rolle.
Hans
00:35:55
ja.
Frau Lingemann
00:35:55
Also auch nicht, ich hab aber das bezahlt oder das. Wir haben beide gut verdient War völlig egal.
Hans
00:36:03
War er auch bei der Ruhrkohle oder hat er woanders...
Frau Lingemann
00:36:06
Da hab ich jetzt
Hans
00:36:06
Wo
Frau Lingemann
00:36:06
nicht mitgelebt.
Hans
00:36:07
hat er gearbeitet? War er auch bei der Ruhrkohle?
Frau Lingemann
00:36:10
Ja, ja, ja. Der war in der Revision und ich in der Personalabteilung
Hans
00:36:14
ah.
Frau Lingemann
00:36:14
Ja wir hatten alles im Griff.
Hans
00:36:16
Ja. Aha. Also die Ruhrkohle und die Arbeit hat in
Frau Lingemann
00:36:24
Ja,
Hans
00:36:24
ihrem Le...
Frau Lingemann
00:36:24
ich hab da viel Ver… ich hatte Ahnung davon.
Hans
00:36:27
Ja. Ja, ja. Hhm hm.
Frau Lingemann
00:36:29
Man kriegt ja eine ganze Menge mit.
Hans
00:36:30
Ja.
Frau Lingemann
00:36:32
Und mit seinen Kindern hab ich mich gut verstanden. Ob die mich unbedingt gewollt haben, ist die andere Frage wahrscheinlich nicht so.
Hans
00:36:40
Ja.
Frau Lingemann
00:36:41
Seine Frau ist aber nachher gestorben und da war das sowieso egal.
Hans
00:36:47
Ja.
Frau Lingemann
00:36:47
. Und ich hab auch heute noch teilweise Kontakt mit denen, aber nicht so eng. Ich lass sie alle machen wie sie wollen, solange sie kein Geld von mir wollen, ist das egal.
Hans
00:37:01
So wie sie die Zeit geschildert haben, ist alles daneben egal, ne?
Frau Lingemann
00:37:07
Ja. Ja. Wir haben gelebt, ohne Punkt und Komma, kein Problem.
Hans
00:37:14
Ja.
Frau Lingemann
00:37:15
Aber wir waren uns immer einig. Es war nie: Ich würde aber dieses oder das war nichts oder… Nein.
Hans
00:37:23
Hm.
Frau Lingemann
00:37:23
Er hat mich voll akzeptiert und ich ihn dann auch.
Hans
00:37:28
Jetzt hab ich eine Frage: Wenn man so intensiv im Berufsleben steht…
Frau Lingemann
00:37:34
Ja.
Hans
00:37:35
Irgendwann ist ja doch mal Schluss, da ist Rente und... angesagt. War das schwer für sie oder...?
Frau Lingemann
00:37:40
Nein.
Hans
00:37:41
War das auch so?
Frau Lingemann
00:37:42
War… War der Gang der Dinge Ich seh mich doch mit meinen… Ich könnte so sagen, mit meinem Bündel wieder aus der Firma abziehen.
Hans
00:37:52
Hahaha.
Frau Lingemann
00:37:52
Ins Privatleben
Hans
00:37:53
Ja. Ja.
Frau Lingemann
00:37:55
Aber ich hatte oder hab auch eine gute Rente. Äh… Was auch immer war. Ich hab einmal um Geld gepokert und hab gesagt: Ich geh zur Brauerei. Und Wums! hatte ich mehr Geld . Das war das erste Mal, dass ich gepokert hab.
Hans
00:38:10
Ja.
Frau Lingemann
00:38:11
Äh… Ich hab mich nie bemühen müssen. Ich hab es immer gekriegt. Ich war… Ich war aber auch gut. Offensichtlich.
Hans
00:38:20
Ja.
Frau Lingemann
00:38:21
Schnell. Das war… Vorgestern fertig! Und hatte immer nette Chefs. Immer. Ich hatte nie einen Blödmann
Hans
00:38:29
Ja. Die gab's aber auch, oder? Oder haben sie die gar nicht mitbekommen?
Frau Lingemann
00:38:34
Och. Ich weiß es nicht
Hans
00:38:35
Ja.
Frau Lingemann
00:38:35
mehr.
Hans
00:38:35
Ja. Ja.
Frau Lingemann
00:38:35
. Hab ich… Habe ich keine Erinnerung dran.
Hans
00:38:39
Ja. Warum soll man sich auch an die blöden Sachen
Frau Lingemann
00:38:41
Ich
Hans
00:38:41
erinnern?
Frau Lingemann
00:38:41
bin vielleicht andere Wege gegangen. Ich weiß es nicht mehr. Oder hab es nicht so gesehen. Oder hab mich so verhalten, dass es für beide Teile gut war. Ich weiß es nicht.
Hans
00:38:52
Ja. Ja. Gelebt und gewohnt haben Sie aber die meiste Zeit über in Werden dann.
Frau Lingemann
00:38:57
In Werden, äh, das Haus steht heute noch. Ich hab es verkauft nachher. Meine Eltern sind dann gestorben und ich hatte das Haus alleine.
Hans
00:39:06
Ja.
Frau Lingemann
00:39:06
Was wollte ich damit? Und hab es irgendwann verkauft und hab das Geld angelegt. In Dortmund. Ich komme im Moment nicht... bei einer Versicherung und es war nachher 930 Euro Rente mehr.
Hans
00:39:24
Cool. Ja.
Frau Lingemann
00:39:25
Ich hab alles…
Hans
00:39:27
Ja. Ja.
Frau Lingemann
00:39:28
Und deswegen stehe ich mich eigentlich gut da.
Hans
00:39:33
Ja. Ja. Wie kam es dann zu der Entscheidung, dass Sie hier ins Altenheim
Frau Lingemann
00:39:38
Ja.
Hans
00:39:38
ziehen?
Frau Lingemann
00:39:39
Ja. Das war… Ich weiß gar nicht, wie ich da dran kam. Wahrscheinlich ein dummer Zufall. dass ich mich da interessiert habe und ich bin da der Sache nachgegangen.Denn ich kann mich an manche Zeiten nicht so präzise erinnern.
Hans
00:39:57
Aber es gab nicht irgendwie so einen Moment, dass Sie gemerkt haben, es geht nicht mehr zu Hause, alleine, also nicht ein Unfall
Frau Lingemann
00:40:05
Ja,
Hans
00:40:06
oder irgendwas...
Frau Lingemann
00:40:08
Jaa... ich wollte im Alter gut da stehen. Ich wollte, dass für mich gesorgt wird und hab dann... bin hier auf diese Sache verfallen.
Hans
00:40:20
Ja.
Frau Lingemann
00:40:21
Und hat mich dann interessiert. Und dann, äh, bin ich mit einer, das war aber eine offizielle Person, Frau, wie hieß sie? ist auch scheißegal, äh, und hab mir das angesehen hier, und da saß eine olle Oma drin, ja, und da hab ich, es war mir auch nicht zu klein, äh, große Sachen wollte ich auch nicht. Ja, und da hab ich mich dafür interessiert und bin dann da hinterhergegangen. Aber Kleinigkeiten weiß ich nicht mehr.
Hans
00:40:53
Mhm, Ich hab ein bisschen auch gefragt, weil, als ich sie gefragt habe, wegen dieses Gesprächs, da haben sie mir so gesagt, das hier ist das, äh, mein Zimmer, das will ich auch so behalten, so soll das bleiben.
Frau Lingemann
00:41:07
Genau so.
Hans
00:41:08
Und das fand ich so beeindruckend, weil...
Frau Lingemann
00:41:09
Ja, und, äh, die sind drauf eingegangen.
Hans
00:41:12
Ja.
Frau Lingemann
00:41:13
Ich hab aber, ich hab aber auch richtig drauf bestanden, und auch vielleicht begründet, ich wollte hier bleiben. Und wollte, ich, äh, es war eigentlich ein anderer Grund. Ich wollte, dass für mich gesorgt wird. Dass, äh, der Zeitpunkt kommen würde, dass ich das selber nicht mehr konnte, war mir klar. Und da hab ich drauf hingearbeitet. Und das hat ja auch geklappt.
Hans
00:41:37
Und man muss ja sagen, das können die Leute jetzt wieder, die
Frau Lingemann
00:41:39
Ja. Es war
Hans
00:41:39
Hörer
Frau Lingemann
00:41:39
super.
Hans
00:41:40
nicht sehen? Der Ausblick hier, das ist, ähm phänomenal.
Frau Lingemann
00:41:43
Und dann der, Sonnenuntergang!
Hans
00:41:46
Ja.
Frau Lingemann
00:41:47
Da geh ich nicht mehr raus.
Hans
00:41:48
Ja, ja, , was soll man an die frische Luft...
Frau Lingemann
00:41:51
Ja.
Hans
00:41:51
wenn man
Frau Lingemann
00:41:51
Ja.
Hans
00:41:51
sowas
Frau Lingemann
00:41:51
Ja,
Hans
00:41:51
hat, ne?
Frau Lingemann
00:41:52
Also, das hat, es hat eigentlich alles so funktioniert, wie ich's gewollt hab.
Hans
00:41:57
Mhm.
Frau Lingemann
00:41:58
Und hat den anderen gepasst, wie ich's gewollt hab. Also, ich glaube nicht, dass mir noch einer die Tür kaputt machen möchte.
Hans
00:42:05
Nee.
Frau Lingemann
00:42:06
Ich hab's ja vorgeplant.
Hans
00:42:07
Ja, eben, das... Ja.
Frau Lingemann
00:42:09
Mhm. Also, das... Ich... Ich wüsste auch nicht, was ich da noch rauskramen sollte.
Hans
00:42:16
Nein. Nein, nein. Aber ich finde... oft sind ja Leute...kommen dann irgendwie durch blöde Umstände in so ein Haus...so ne Einrichtung wie hier.
Frau Lingemann
00:42:24
Ja,
Hans
00:42:24
Fühlen
Frau Lingemann
00:42:24
ich hab doch da ...
Hans
00:42:25
sich nicht wohl.
Frau Lingemann
00:42:25
gewohnt. In dem Kamillusweg, hab ich doch gewohnt.
Hans
00:42:29
Da konnten sie zu Fuß hier vorbeikommen, also.
Frau Lingemann
00:42:31
Ja, ja,
Hans
00:42:32
Und
Frau Lingemann
00:42:32
ja.
Hans
00:42:32
dann... Ja. Muss das ja eigentlich auch hier enden, ne?
Frau Lingemann
00:42:36
Und, äh, mit der Hauswirtin... das war... erst hatten wir eine wunderbare Hausgemeinschaft, wir haben zusammen gefrühstückt und also... Es war familiär. Und dann, ach so, dann, dazwischen, hatte ich, aber mit Genehmigung der Haus...besitzerin, einen kleinen Hund. Und das alte Hunde pinkeln... wusste ich nicht und da sind die hinter mir her und haben, äh, mich bespitzelt. Dann, wenn ich mit dem Hund rausgimg und der pinkelte mal so ein bisschen eher, als wir die Straße erreicht hatten. Es war eine unschöne Zeit. Äh, ich hab nachher aus, weil es einfach nicht mehr ging, weil die immer hinter mir her waren, deswegen habe ich den Hund einschläfern lassen. Das ging einfach nicht mehr. Ich hatte auch keine Lust mehr, immer alles, äh, anzuziehen. Ich hatte die Schnauze voll. Und nachher, wenn irgendwas im Haus mal war, ich war es immer.
Hans
00:43:25
Ja.
Frau Lingemann
00:43:28
Ja. Und heute kommen Sie mich besuchen und bringen mir Fläschchen mit.
Hans
00:43:32
Ja, äh, ja, ja, cool.
Frau Lingemann
00:43:35
Also ich bin immer bereit, auch mitzuarbeiten und so, äh, aber manche Sachen kann man einfach für sich selber nicht mitmachen. So, dann gehen sie einfach
Hans
00:43:44
Nee,
Frau Lingemann
00:43:45
nicht.
Hans
00:43:45
und dann muss man halt die Möglichkeit
Frau Lingemann
00:43:47
Und
Hans
00:43:47
haben.
Frau Lingemann
00:43:47
dann bin ich da raus. Ja. Konsequenzen,muss man auch ziehen können. Und den Hund einschläfern lassen, das war schon hart, muss ich sagen
Hans
00:43:54
Was war das für ein Hund?
Frau Lingemann
00:43:55
So ein kleiner, Jack Russel war das.
Hans
00:43:57
Hhm hm. .
Frau Lingemann
00:43:58
, Die, ähm, Tochter von Karl-Heinz ist, das der ist Tierärztin und wir hatten da vorher so'n, äh, rothaarigen, auch ein gut... bildschönes Tier, die hätte uns sagen müssen, alte Hunde neigen zum Pinkeln.
Hans
00:44:11
Ja.
Frau Lingemann
00:44:12
Wussten wir aber nicht. Und deswegen ist das alles so gelaufen, wie...
Hans
00:44:17
Ja.
Frau Lingemann
00:44:18
Und heute, ich weiß noch, dass die Hausbesitzerin, der kamen die... die Augen kullerten, der... dass nie wieder ein Hund bei mir einzög! Habe ich im Stillen gedacht, nee, ging auch gar nicht, denn deren Töchter waren immer hinter mir her, sobald ich den Hund unter dem Arm hatte.
Hans
00:44:37
ja,
Frau Lingemann
00:44:37
Ja,
Hans
00:44:37
ja, ja.
Frau Lingemann
00:44:39
Ah ja, also, das sind alles so Märchen. Ja, und heute lebe ich hier. Das war auch ein reiner Zufall, dass man, ja, da wird was frei. Geh's da hin.
Hans
00:44:48
Ja. Wenn jetzt einen Wunsch frei hätten, irgendwas, realistisch, und würde Ihnen da was einfallen? darf auch völlig unrealistisch
Frau Lingemann
00:45:00
Eigentlich
Hans
00:45:00
sein.
Frau Lingemann
00:45:01
nicht. Ich hab doch alles
Hans
00:45:02
Ja. Eigentlich, ich weiß nicht warum, aber hätte ich auch keine andere...
Frau Lingemann
00:45:06
Machen Sie ein Angebot! Nee, also... ich hab nach Möglichkeit oder nach meinen Möglichkeiten alles ergriffen, was ich konnte.
Hans
00:45:19
Ja
Frau Lingemann
00:45:20
Und nun sitze ich hier und nehme den nächsten Fall ins Auge.
Hans
00:45:24
Ja.
Frau Lingemann
00:45:26
Aber was jetzt kommen sollte, ich möchte hier bleiben... hier drin bleiben. Ja. Und die einzige Frage ist dann, kann ich mir das auf Dauer leisten? Und die haben alle gesagt, die rechnen können und nicht wie ich, ein bisschen dämlich sind, ich könnte
Hans
00:45:47
Ja.
Frau Lingemann
00:45:47
es. Und
Hans
00:45:47
Ja.
Frau Lingemann
00:45:47
dann tue ich es. Ja. Und wenn es gut geht, machen wir das.
Hans
00:45:52
Ich, kann mir nicht vorstellen, dass da, so wie Sie es geschildert haben, dass da irgendwelche Probleme auftreten. Ich habe jetzt nichts damit zu tun. Keine Ahnung.
Frau Lingemann
00:46:01
Also ich wüsste nicht, dass ich hier welche hätte. Ich nicht drauf aus, irgendwelche Kräche zu inszenieren. mein ab und an stolper ich dann mal über die ehemaligen Hausbesitzer. Wie, wie soll ich das ausdrücken? äh, die, die Frau macht mich nicht besonders. Soll mir aber egal sein,
Hans
00:46:22
Ja.
Frau Lingemann
00:46:22
Solang wie ich das vermeiden kann, will ich auch keinen Kontakt. Soll sie sich mit ihrem Lebensgefährten selig machen, ich, äh,
Hans
00:46:29
Hm.
Frau Lingemann
00:46:29
ist ein netter Kerl, aber ich möchte ihn auch nicht. Ja. Dann lassen wir das.
Hans
00:46:34
Genau, ja.
Frau Lingemann
00:46:37
Ja, ich weiß nicht, ob ich jetzt alles gesagt hab
Hans
00:46:41
Ich habe den Eindruck, ja. Das ist, ein schöner Abschluss und...
Frau Lingemann
00:46:45
Wer bitte hört sich den ganzen Mist an!? Aber, ob es passt oder nicht?
Hans
00:46:52
Ja, ja, klar, klar. Jetzt ist es, stehts so fest.
Frau Lingemann
00:46:55
Ja, aber, aber, äh, aber manches muss, passt auch wiederum rein.
Hans
00:46:59
Ja. Ja, ich bedanke, ich bedanke, ich bedanke mich vielmals, dass Sie mir das erzählt haben.
Frau Lingemann
00:47:03
Ja, und wenn das, äh, für Sie nützlich war.
Hans
00:47:08
Danke.
Frau Lingemann
00:47:09
Ja,ja. Gern geschehen.
hans
00:47:12
Ja, ich hoffe es hat euch Spaß gemacht. Feedback wäre in jedem Fall möglich auf ruhrtal.letscast.fm alles klein geschrieben. Und es würde mich natürlich freuen, wenn ihr mal wieder reinhört. Bis dann.