Since 02/2023 74 Episoden

#73 - Sahnequark

16.01.2026 70 min

Zusammenfassung & Show Notes

1936 wurde sie geboren, am 24.12. – im Krieg kam sie bei einer Tante in Altena unter, ein Pferdefuhrwerk von ihrer Mutter und einige anderen Frauen gelenkt, von ihr und deren Kindern begleitet, ermöglichte es einigen Hausrat mit auf den nicht ungefährlichen Weg zurück nach Essen zu nehmen. Sie erzählt vom Ofen des Vaters, davon was der mit einer Flasche Schnaps zu tun hatte; sie berichtet von den scharfen Grenzen zwischen katholischen und evangelischen Schüler*innen; dass sie zuhause helfen musste – denn ihre Mutter musste im Haushalt eines Lebensmittelgroßhändlers dazu verdienen; in dessen Geschäft machte sie ihre Ausbildung und dort lernte sie ihren Mann kennen, als der seine Pausenbrötchen bei ihr kaufte. Es ist die Rede von einen Hausarzt, der mal schnell zum Kegeln weg ist, als es ernst wird, vom Tagebuchschreiben, von Haustieren, von Dornum, davon, dass sie und ihr Mann eigentlich nie Urlaub gemacht haben. Es geht um Ecuador, Emma, Enkel und Urenkel, aber auch um das Sterben des Mannes und darum, wie schwer es fällt die letzte frei gewählte Wohnung zu verlassen und dafür ein Zimmer in einem Pflegeheim zu beziehen. 


Das Gespräch fand am 6.1.26 ab 10 Uhr statt.
 
Schölerpad  ist eine Straße im Stadtteil Altendorf im Essener Norden, Richtung Bottrop. Benannt nach der Zeche Neuschölerpad.
 
Für die Strecke Altena – Essen gibt meine Nahverkehrsapp eine Verbindung der jeweiligen Hauptbahnhöfe mit einer Fahrtdauer von einer Stunde und knappen 15 Minuten aus.
 
Zeche Viktoria Matthias, wo der Vater zunächst arbeitete
 
Gertrudisschule, Volksschule in der Gertrudisstraße, 45141 Essen – es findet sich noch einen „Stayfriends“-Eintrag, aber in Betrieb scheint diese Gertrudisschule heute nicht mehr zu sein.
 
Das Wirtshaus zur heimlichen Liebe gibt es heute noch (oder wieder):
 
Dornum, wo der Sohn ein Ferienhaus hat ( und wo 1865 die spätere Mutter der Marx Brothers als Miene Schönberg geboren wurde):
 
 
 
Rückmeldungen sind möglich unter:
 

Transkript

Stephanie
00:00:10
Ruhrtal, biografische Geschichten aus dem Pflegeheim. Hallo und herzlich willkommen zum Podcast Ruhrtal. Hier könnt ihr Bewohnern und Bewohnerinnen von Pflegeheimen zuhören, die aus ihrem Leben erzählen. Neue Folgen gibt es jeweils am ersten und am dritten Freitag des Monats.
Hans
00:00:38
Mein Name ist Hans und ich bin Altenpfleger. In dieser Folge erzählt eine Frau, die erst vor etwa einem Monat, nämlich Anfang Dezember, hier eingezogen ist. Am 24. Dezember hatte sie Geburtstag. 1936 wurde sie geboren und damit steigt sie direkt in ihre Geschichte ein.
Frau Groß
00:00:58
Und dann musste meine Mutter schon ins Krankenhaus, weil ich geboren wurde.
Hans
00:01:03
Einmal noch kurz zurückgreifen, die Eltern waren ein Jahr verheiratet
Frau Groß
00:01:08
Ja
Hans
00:01:09
als sie geboren wurden, weil der erste Satz war noch nicht aufm Band. Und geboren wurden sie am 24.12.1936.
Frau Groß
00:01:10
Genau.
Hans
00:01:18
Und jetzt sind sie dran.
Frau Groß
00:01:19
Und da, äh, ja, wie gesagt, mein Vater ist ...dann ins Krankenhaus, hat meine Mutter besucht. Das war natürlich für ihn gar nicht so schön, dass er am ersten Weihnachtsjahr schon alleine war. Er war ja nicht alleine, aber alleine zu Hause. Aber hat alles gut geklappt. Ich bin gut dann nach Hause gekommen
Hans
00:01:47
Ja, man könnte ja auch sagen Erstes Kind, erste Tochter, was für ein schönes Geschenk!
Frau Groß
00:01:52
Ja, war bestimmt, obwohl mein Vater sich mehr über einen Jungen gefreut hätte aus dem Grunde, weil mein Bruder acht Tage vorher, da hat die Frau geboren und die hat einen Jungen gekriegt. Und da hat er immer gesagt, hoffentlich kriege ich auch einen Jungen. Und ich war dann ein Mädchen.
Hans
00:02:17
Ja, und das wurde hinterher erzählt?
Frau Groß
00:02:21
? Ja.
Hans
00:02:22
Oder haben Sie das auch, hat er das auch Sie irgendwie spüren lassen? Sag
Frau Groß
00:02:25
Nein,
Hans
00:02:25
ich mal?
Frau Groß
00:02:26
nein, das hat er wirklich immer erzählt. Ich hätte so gerne auch einen Jungen gehabt. Und dann haben wir immer gesagt, zweites Kind ist dann sicher ein Junge. Und das war dann wirklich. Und da war er dann zufrieden.
Hans
00:02:39
Ja. Und wie weit entfernt, also wie viele Jahre später ist Ihr Bruder geboren worden?
Frau Groß
00:02:43
Zwei Jahre ungefähr. Ist eine gute Zeit. Ja, das war schon damals. Und zu der Zeit hatte man ja kein Geld. War ja alles, alles knapp.
Hans
00:03:00
Wo war das?
Frau Groß
00:03:02
Das war hier in Essen. Aber geboren bin ich in Altena. Ich habe bei meiner Tante lange gewohnt, weil hier noch der Krieg war, ne? Und dann habe ich, dann bin wie gesagt, da geboren
Hans
00:03:20
Ja, aber 36 seh ich hier, da war ja noch kein Krieg!? Also der hat ja 39, glaube ich erst angefangen.
Frau Groß
00:03:26
39 ange... aber es war irgendwie knapp alles. Und deshalb war ich bei meiner Tante in Altena. Da war mein Onkel, der war, wie nannte man das? Stückgutfahrer. Aber nicht mit dem Auto, mit dem Pferd. Und Karre. Und dann hat er natürlich da was gekriegt und da was gekriegt. Immer ein paar Pfennig Trinkgeld. Und das hat er alles mittags zu Hause abgegeben. Hat er nie behalten. Und wenn ich dann da war, dann hat er mir, hier hast du 20 Pfennig. Geh rüber hol dir ein Eis. Das war immer sein Geschenk für mich. Ich konnte mir immer ein Eis holen. Und das hatte ich natürlich hier in Essen nicht.
Hans
00:04:17
War das so, dass Sie da auch mal mitfahren konnten? oder war das so...
Frau Groß
00:04:19
Nee, das war eigentlich weniger. Mitfahren, dann hatte ich...ja wie lange...wann sind wir nach Essen gekommen? Ich bin dann erst mit meiner Tante, der Schwester von meiner Mutter, von Altena nach Essen gefahren und dann haben wir unsere Wohnung geputzt, damit, wenn meine Mutter nach Hause kam, alles sauber war. Und mein, mein Vater hatte, wir hatten so einen großen Ofen, die man früher so hatte, und der musste jeden Tag geputzt werden, da konnte man sich darin spiegeln. Und der ist ihm am letzten Angriff noch runter. Durch das ganze Haus bis in den Keller und war kaputt. Ach, da war der so traurig, da ist der in den Keller gegangen und hat vom Nachbarn, aber mit denen wir gut verkehrt haben, hat er sich eine Flasche Schnaps geholt, hat die getrunken und ist dann zu Fuß nach Borbeck zum Schölerpad gekommen. Da war mein Opa und Oma und die hatten da Boi... Behelfsheim. Und da hat er dann, hat er uns... ja, wir sollten, ich weiß nicht, wo wir hingehen sollten, auf jeden Fall uns verstecken, dass uns nichts passiert. Und er hat dann gesagt, ich koch dann schon Kartoffeln, wenn ihr nach Hause kommt, sind die Kartoffeln fertig, aber nix dabei, nur Kartoffeln, mehr hatten wir nicht. Und was hat er gemacht, er ist dann, weil er ja Schnaps getrunken hatte, auf den Ofen gefallen und hatte sich die Hände verbrannt. Ja, war passiert. Ne? Ein Arzt gab es da nicht, haben wir alles nur verbunden. Aber es hat alles gut geklappt.
Hans
00:06:25
Ja.
Frau Groß
00:06:25
Ja.
Hans
00:06:26
Ja, also keine Folgeschäden?
Frau Groß
00:06:28
Nein, nein, nein, war alles gut hinterher.
Hans
00:06:32
Aber den Ofen hat er dann irgendwie wieder das hinbekommen, dass er wieder was hat.
Frau Groß
00:06:36
Der, hat einen anderen. Einen anderen.
Hans
00:06:39
Ja, ja.
Frau Groß
00:06:40
Der war kaputt. Der hat, den hat er noch gesehen, wie der runterging und das war für ihn das Allerschlimmste, dass der Ofen nicht mehr da war.
Hans
00:06:49
Ich meine, wenn man dann eine Flasche Schnaps trinkt, deswegen.
Frau Groß
00:06:55
Ja, ne. Ja, da haben wir schon manches erlebt
Hans
00:06:58
Was hat ihr Vater beruflich gemacht?
Frau Groß
00:07:00
Der war auf der Zeche, der war Bergmann.
Hans
00:07:02
Ja. Aha.
Frau Groß
00:07:03
Aber nicht unter Tage, sondern am, wie nannte man das, am Anschlag. Da war der. Aber er hat sich da wohl gefühlt, er hat da weniger verdient.
Hans
00:07:14
Ja.
Frau Groß
00:07:14
Wenn er runtergefahren wäre, hätte er mehr verdient. Aber das wollte er nicht, weil er Angst hatte ne
Hans
00:07:22
Es macht den Eindruck, als wenn er auch ganz gerne gekocht hätte, sonst hätte er nicht so unter dem...
Frau Groß
00:07:25
Hat er. Ja, der hat viel gekocht, Und hat auch immer geschmeckt. Hat auch immer geschmeckt,
Hans
00:07:34
Und
Frau Groß
00:07:34
ja.
Hans
00:07:34
war das einfach seine Leidenschaft, oder war das auch, weil ihre Mutter nicht so gerne gekocht hat?
Frau Groß
00:07:38
Doch, doch, ja. Die haben sich abgewechselt.
Hans
00:07:41
Aha.
Frau Groß
00:07:44
Ja, er hat gerne Milchreis gekocht. Und haben wir auch gerne gegessen als Kinder. Na, war ja dann mein Bruder auch geboren. Dann waren wir dann zu viert. Aber wenig Geld. Und dann, als wir dann...Von Altena, als dann Ruhe war und wir konnten von Altena nach Essen kommen, aber kein Zug, nichts, sondern mein Onkel hatte uns ein Pferdefuhrwerk besorgt, weil er da ja gearbeitet hat. Und das war ganz voll mit Sachen gepackt, was die Nachbarn alles uns gespendet haben. Wir hatten nachher mehr als vorher.
Hans
00:08:30
Ja.
Frau Groß
00:08:31
Wirklich. Und dann sind wir drei Tage nach Essen, bis dass wir in Essen waren. Man musste ja um acht Uhr, meine ich, wär das gewesen, musste man von der Straße sein.
Hans
00:08:45
Ja, Sperrstunde.
Frau Groß
00:08:46
Ja. Und dann sind wir einmal, ja, einmal an einem Tag. Da kann ich mich noch genau erinnern, das war so ein kleiner Anhügel und da saßen oben Russen und da habe ich gehört, wie die untereinander gesagt haben, nee, die nicht, die lass fahren, die haben zu viele Kinder. Da hatten sich mittlerweile dann noch zwei Frauen mit Kindern angeschlossen, also waren, ich glaube, es waren fünf Kinder und der ganze Wagen voll Sachen. Und da haben sie uns fahren lassen. Und ein Stück weiter saß eine Frau auf dem Bürgersteig und weinte. Da haben wir gefragt, warum sie denn weint, wo denn ihr Mann wär. Da sagt sie, den haben sie vor meinen Augen erschossen. Also das fand ich furchtbar. Ja, dann sind wir wieder acht Uhr von der Straße. Dann hat uns wirklich eine Frau ihr Schlafzimmer zur Verfügung gestellt damit wir da schlafen konnten. Und sie ist dann irgendwo anders hingegangen. Wir hatten dann ihre Wohnung und anderen Morgen durften wir bei ihr frühstücken. Also das war wirklich wie ein Engel. Das werde ich auch, glaube ich, nie vergessen. Ja, man hat schon manches erlebt. Aber wir sind auf jeden Fall bis zum Schölerpad gekommen. Haben die Oma und Opa sich dann auch gefreut. Die kriegten ganz, ganz wenig Rente, ich glaube, etwas über 100 DM damals. Und da haben wir immer, meine Tante und ich, wir haben denen Kaffee mitgebracht und Butter, damit sie was zu essen hatten. Und die beiden haben uns immer ihr Gemüse vom Garten geerntet. klein geschnitten, gewaschen und uns beiden, meiner Tante und uns, mit nach Hause gegeben. Das konnten wir dann zu Hause kochen.
Hans
00:11:02
Ja, also das war noch der Verkehr zwischen Altena und Essen.
Frau Groß
00:11:05
Ja, ja. Doch, also war schon
Hans
00:11:11
Aber die Fahrt mit dem Pferdefuhrwerk und den ganzen Dingen für den neuen Hausstand das war jetzt nach dem Kriegsende, als Sie dann wieder zurück nach Essen gekommen sind?
Frau Groß
00:11:20
Ja, ja, ja.
Hans
00:11:23
Sind Sie dann zum Schölerpad hin oder...
Frau Groß
00:11:26
Da sind wir erst
Hans
00:11:27
Erst ja.
Frau Groß
00:11:27
Da haben wir erst gewohnt. Und dann haben wir eine Zechenwohnung gekriegt. Auch nicht ganz so teuer. Und da haben wir dann gewohnt.
Hans
00:11:39
Und ihr Vater hat im Krieg weiter auf der Zeche gearbeitet?
Frau Groß
00:11:42
Ja, ja. Der hat eigentlich immer auf die Zeche Viktoria Matthias, da hat er eigentlich gearbeitet. Aber da konnte er nicht mehr einfahren. Er musste bis nach Gelsenkirchen. Da war eine andere Zeche. Dann musste er von da einfahren. Und da wieder hoch und wieder zu Fuß nach Hause. Da war immer viel zu Laufen. Aber hat er jeden Tag gemacht.
Hans
00:12:13
Da sind die...die Bergleute...hab ich hier und da schon mal gehört teilweise ziemlich weite Strecken, manchmal auch unter Tage ziemlich weite Strecken.
Frau Groß
00:12:20
Ja. Ja. Ja, da durften wir dann nachher, als alles ruhiger war, durften wir dann auch mal mit einfahren, damit wir dann mal gucken konnten, wie es da unten aussah. Das war natürlich für uns Kinder dann schön.
Hans
00:12:36
Ja. Also Ihr Vater hat nicht imm er über Tage, wie hieß es über Tage, am Abschlag gearbeitet, sondern später auch dann unter Tage.
Frau Groß
00:12:42
Auch schon mal unter Tage
Hans
00:12:44
Ja. Aha. Krieg. Von, vom Krieg...jetzt selbst Bombenabwürfe zum Beispiel, haben Sie da was mitbekommen?
Frau Groß
00:12:53
Ja, ja. Wenn es dann hieß, dann hörten wir ja, erst war nur ganz langsam und wenn dann die Sirenen schneller getönt haben, dann musste man ganz eilig in den Keller. Und wir wohnten dritte Etage und der Keller war natürlich ganz unten. Wir sind sofort, wenn wir die Sirenen hörten, sind wir sofort runtergelaufen. Und mein Vater ist immer oben geblieben bis ganz zum Schluss. Dann haben Sie immer von unten gerufen. Ich meine, ich hörte die heute noch rufen, "Jupp! jetzt komm, jetzt komm, du schaffst das sonst nicht mehr!" und er hat gewartet, weil sein Ofen noch da stand.
Hans
00:13:39
Und dann im letzten Augenblick
Frau Groß
00:13:40
Dann war der Ofen weg, aber dann ist er gekommen, aber dann mit der Flasche Schnaps. Und dann ist er zum Schölerpad, zu meinen Großeltern. Und die hatten nur, die hatten vorne so ein kleines Häuschen, aber da haben sie nicht mehr drin gewohnt. Die haben im Behelfsheim gewohnt
Hans
00:14:03
Krieg in der Zeit im Krieg sind Sie ja eigentlich auch schulpflichtig gewesen.
Frau Groß
00:14:09
Ja, aber...
Hans
00:14:11
Gab es da Schule oder gab es da
Frau Groß
00:14:11
Gab es, ja. Ich bin in Altena eingeschult worden. Aber dann bin ich da nur kurz und dann nachher hier in Essen. Und da in der Nähe vom Viehofer Platz. Da war die Gertrudisschule. Das war die katholische. Und die evangelische, weiß ich nicht mehr, wie die hieß. Auf jeden Fall war die praktisch durch einen Strick geteilt. Wir waren in der katholischen und die anderen in der evangelischen Schule.
Hans
00:14:45
Manchmal hört man, dass es damals noch so Konflikte gab.
Frau Groß
00:14:47
Ja, ja.
Hans
00:14:49
Die evangelischen und die katholischen, dass die sich gestritten haben.
Frau Groß
00:14:51
Wie haben sie immer gerufen "Katholische Ratten, mit Zucker gebacken." Den anderen Satz für die evangelischen, weiß ich nicht. Aber da haben sie auch immer hinterher geschrien. Ja. Das war ganz schlimm.
Hans
00:15:07
War das jetzt mehr verbal, oder gab es da auch so handfeste Auseinandersetzungen?
Frau Groß
00:15:10
Ja, ja. Da musste man aufpassen.
Hans
00:15:12
Ja.
Frau Groß
00:15:13
Da gab es oft auf dem Schulhof Klopperei.
Hans
00:15:17
Echt komisch, wenn man bedenkt heute. Da würde ja keiner auf die Idee kommen. Aber damals, hört man öfter.
Frau Groß
00:15:20
War so.
Hans
00:15:29
Schule hat aber schon Spaß gemacht? Und Sie sind gut vorangekommen.
Frau Groß
00:15:31
Ich durfte nachher sogar ein Jahr überspringen.
Hans
00:15:35
Aha.
Frau Groß
00:15:35
Ja.
Hans
00:15:36
Sie waren also gut in der Schule.
Frau Groß
00:15:40
Aber ich musste immer Schulaufgaben machen, habe ich immer ganz schnell gemacht und dann musste ich zu Hause helfen. Meine Mutter ist, weil mein Vater wenig verdient, ist meine Mutter immer mit arbeiten gegangen, ging gar nicht anders, sonst wären wir gar nicht zurechtgekommen. Aber ich habe dann immer alles andere zu Hause gemacht. Und mit meinem Vater dann auch gekocht und wenn meine Mutter dann kam, konnten wir essen
Hans
00:16:12
Einmal frage ich eben, was hat Ihre Mutter dann so für Tätigkeiten gemacht? Was war das?
Frau Groß
00:16:17
Die war auch im Haushalt.
Hans
00:16:19
Ja,
Frau Groß
00:16:20
Und zwar bei den Leuten, bei denen sie früher auch gearbeitet
Hans
00:16:25
ja.
Frau Groß
00:16:26
hat. Da hat sie dann immer wieder, die haben sie immer wieder geholt. Elsa, komm, hilf uns. Und da ist sie immer hingegangen. Und ich bin dann hinterher auch dahin gegangen. Ich habe dann da auch gearbeitet.
Hans
00:16:42
Also waren das auch gute Arbeitgeber? die ganz ordentlich bezahlt haben. Nett waren?
Frau Groß
00:16:49
Sie werden lachen, ich habe vorige Tage noch geträumt davon. Manchmal ist man ja, dann schläft man da abends mit ein. Und dann habe ich gesagt, Frau Disse, ich kriege immer noch Geld von Ihnen. Das stimmte...
Hans
00:17:07
Naja, man kann es ja mal versuchen.
Frau Groß
00:17:08
Ja. Meine Güte. Ja, die hatten, die Disses hatten, zwei Söhne. Der eine war sehr fleißig, der andere hat auch ein bisschen geschlabbert.
Hans
00:17:25
Aber die hatten igendwie Geld und...
Frau Groß
00:17:26
Sie sind so, die hatten Großhandel. Großhandel und ein Geschäft. Und im Geschäft habe ich auch mitgearbeitet. Mein Gott, das darf man gar nicht erzählen. Wenn der Milchbauer kam, der brachte dann so Becher Sahnequark. Und da habe ich mir, haben wir beiden, die eine Freundin und ich, einen Becher genommen. Sind wir im Keller gegangen, haben wir ganz schnell gegessen. Weil das so lecker, war.
Hans
00:18:05
Ja. Wenn Sie so zurückdenken, haben Sie dann den Geschmack noch auf der Zunge?
Frau Groß
00:18:08
Genau! Ganz genau. Ich meine, ich spür den. Ich esse den auch hier noch gerne.
Hans
00:18:14
Ja.
Frau Groß
00:18:15
Ich brauche auch keine Wurst, ich esse am liebsten Quark und Marmelade.
Hans
00:18:19
Also der Quark heute hat schon, schmeckt schon ein bisschen so ähnlich? oder schmeckt der ganz anders?
Frau Groß
00:18:21
Ja, hier kriegt man ja keinen 40% igen,
Hans
00:18:27
Ja.
Frau Groß
00:18:27
aber der schmeckt, der hier kommt.
Hans
00:18:29
Aber das war jetzt schon in der Zeit nach dem Krieg, ne? Also Schule erfolgreich und dann sind Sie da quasi so in diese Tätigkeiten hineingerutscht?
Frau Groß
00:18:39
Ja. Ja, und wie gesagt, dann habe ich da im Geschäft gearbeitet, von morgens früh, wirklich auch bis abends. Und dann mussten wir abends noch den Laden schrubben, der musste am anderen Morgen sauber sein. Aber wirklich geschrubbt. Die Bretter waren fast weiß, so hell. Und dann hatten wir alles fertig und ich war auch schon angezogen. Und dann hieß es auf einmal, sagte Frau Disse auf einmal, Hildegard, du musst noch mal, ich weiß jetzt nicht mehr die Anhöhe, heimliche Liebe, so nannte sich der Ort. Musste man so einen großen Berg hoch, musste ich da noch abends um neun Uhr ein Pfund Salz hinbringen.
Hans
00:19:31
Da muss ich jetzt mal gerade wissen, heimliche Liebe ist ja da, wo es nach Heisingen hochgeht.
Frau Groß
00:19:35
Ja, genau. Da musste man wirklich ein ganzes Ende über die Straße. Und dann über den Berg, über die Wiese bis oben hin und denen ihr Haus stand wirklich ganz oben. Das steht auch noch da oben.
Hans
00:19:52
Und Disses, da wo Sie dann gearbeitet haben, das war im Stadtwald? oder wo?
Frau Groß
00:19:56
Das
Hans
00:19:56
war das?
Frau Groß
00:19:57
war im Stadtwald.
Hans
00:19:57
Ja. Und im Stadtwald haben Sie auch dann gewohnt? damals? oder waren Sie immer noch im Schölerpad?
Frau Groß
00:20:02
Ne, jetzt muss ich überlegen. Ne, wir hatten nachher ne Zechenwohnung. Erst dritte Etage und dann erste Etage. Parterre nicht. Draußen fegen brauchte ich nicht.
Hans
00:20:24
Ja, ja. Ja, ich versuche jetzt einmal so die Entfernung, das heißt, Sie gehen vom Stadtwald, heimliche Liebe. Und das ja ohne Buslinie.
Frau Groß
00:20:32
Das ist schon ein Ende. Das ist ein Ende zu laufen. Da war ich auch lange unterwegs. Eben. Da war ich auch lange unterwegs.
Hans
00:20:41
Und das war dann so Ihr Feierabend.
Frau Groß
00:20:43
Das war meine Feierabendbeschäftigung.
Hans
00:20:46
Ja, kann man ja mal machen.
Frau Groß
00:20:46
Ja, und dann
Hans
00:20:49
Irgendwie hört sich das dann schon nach ganz anspruchsvollen Arbeitgebern an!?
Frau Groß
00:20:53
Genau. Ja, eigentlich ja. Und da hatte ich wirklich keine Handschuhe. Oder ich hatte die Handschuhe irgendwie, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hatte ich ganz verfrorene Hände. Die waren wirklich ganz steif. Ich konnte nichts mehr anpacken. So kalt war es an dem Tag, als ich das Pfund Salz da hochbringen musste. Ja, aber, musste gemacht werden
Hans
00:21:20
Ja.
Frau Groß
00:21:20
Das würde heute keiner mehr machen. Und glauben Sie mal, ja nicht. Als ich das Pfund Salz da oben abgegeben habe, da hätte ich mal einen Groschen Trinkgeld... Oh. Nichts. Die hatten so viel Geld, aber...
Hans
00:21:39
Aber neben der ganzen Arbeit und der Schule überlege ich jetzt so, gab es da auch auch Möglichkeiten zu spielen? Hatten Sie Freundinnen?
Frau Groß
00:21:46
Ja. Wir hatten, sicher, wir haben auch gespielt. Aber ich musste erst zu Hause meine Arbeit machen. Nein. Wie gesagt, ich habe in der Gertrudisschule , da war hier die katholische und da die evangelische. Ich hab immer, ich auch, ob katholisch oder evangelisch, ich bin mit allen eigentlich immer zurechtgekommen. Ich habe keine Schwierigkeiten gehabt. Und früher hatte man ja, hab ich noch, hat meine Tochter mir vorherige Tage noch mitgebracht, steckt jetzt da oben zwischen, an dem Tannenbaum. Das graue Buch, das ist mein, ja praktisch mein Tagebuch. Da hab ich, wenn irgendwas war, hab ich das immer da eingetragen.
Hans
00:22:34
Aha. Wie sind Sie so auf die Idee gekommen, Tagebuch zu schreiben? Einfach: Hat man so gemacht, oder?
Frau Groß
00:22:38
Eigentlich, ich, eigentlich mach ich das jetzt auch. Damit ich weiß, was gewesen ist. Ich hab schon eine ganze Menge in meinem Buch stehen. Ah. Jetzt, jetzt hab ich natürlich ein größeres. Das hat mir letztens der Marcello mitgebracht. Und dann haben sie jetzt letztens geguckt ach sagt, sagt die Gabi, guck mal, die Mama hat jeden Tag geschrieben. Das hab ich schon jeden Tag.
Hans
00:23:10
Aber es sind immer so kleine Absätze, so
Frau Groß
00:23:12
vor allen Dingen, dann hab ich, weiß ich, was gewesen ist. Sonst würd ich das vergessen
Hans
00:23:17
Schreiben Sie eher so so sachlich das gab's zum Mittagessen, oder schreiben Sie so besonders schöne, oder besonders unangenehme Sachen da rein, oder...
Frau Groß
00:23:27
Ja, hier hab ich zum Beispiel geschrieben, jetzt ist schon Samstag der dritte Erste. Die Woche ist so schnell umgegangen, es waren so: einige Angebote noch, Singen und Erzählen. Zwischendurch gab es auch ein Gläschen Sekt. Gekegelt haben wir auch noch. Zum Silvesterabend gab es ein festliches Abendessen, danach sind wir alle auf unser Zimmer gegangen und einer wollte um 12 Uhr wieder runterkommen. Nachmittags kamen dann Gabi und Marcello und Emma mit einem selbstgebackenen Eier... selbstgemachten Eierlikör. So ist das alte Jahr um und das Neue ist vor uns: Rainer und Heike sind noch in Dornum bei ganz viel Schnee. - Das war am dritten Ersten.
Hans
00:24:21
Ja, also ich finde, man merkt, das ist so schön flüssig geschrieben, man kann auch gut zuhören. Da merkt man die Erfahrung, dass Sie das ihr Leben lang immer gemacht. haben. - Jetzt muss ich einmal, mir ist gerade der der Ort Dornum
Frau Groß
00:24:39
Dornum ist nach
Hans
00:24:39
In Ostfriesland? da oben irgendwo?
Frau Groß
00:24:39
Ja, nach Dornum.
Hans
00:24:43
Das meinen Sie.
Frau Groß
00:24:44
Gestern, glaub ich, sind sie wiedergekommen.
Hans
00:24:45
Ja.
Frau Groß
00:24:46
Und dann hat er noch angerufen, wir sind wieder da. Ich sage, wie war denn die Fahrt? Sagt er, furchtbar. Von da, das sind ungefähr vier Stunden. So weit ist das schon, aber die haben da ein eigenes Häuschen. Da bin ich mit meinem Mann auch noch gewesen. Da konnte mein Mann da auch noch hin. Aber jetzt haben sie gesagt, ich soll wieder mitgehen. Im Frühjahr, im März oder wann. Aber das werde ich nicht können. Da ist die Toilette ein bisschen umständlich. Sagen wir mal, hier steht mein Bett. Da muss man da schon Stufen runter. Und dann nochmal um die Ecke nochmal Stufen. Das ist für mich
Hans
00:25:32
Ja.
Frau Groß
00:25:32
zu anstrengend.
Hans
00:25:35
Ich mein, man könnte ja auch überlegen, so Möglichkeiten wie einen Toilettenstuhl kann man auch für so ein Haus kaufen und dann einfach neben das Bett stellen und
Frau Groß
00:25:39
Ja, mal gucken.
Hans
00:25:47
Fällt mit jetzt nur so ein, als Möglichkeit, aber
Frau Groß
00:25:49
Ach, das ist in Dornum, ist auch ein schönes Dörfchen.
Hans
00:25:52
Ja.
Frau Groß
00:25:52
Ja, wirklich.
Hans
00:25:54
Gut, aber aber jetzt möchte ich nochmal wieder zurückkommen zu der Zeit wo Sie schon gearbeitet haben. Haben Sie in dem Bereich auch irgendeine Ausbildung gemacht, oder sind Sie da einfach so reingerutscht und haben das gemacht?
Frau Groß
00:26:07
Ich hatte ja, äh, Lebensmittel, hab' ich ja gelernt. Und da hab' ich auch 'ne Prüfung. Da hab' ich auch 'ne Prüfung gemacht.
Hans
00:26:16
Und das war dann auch bei diesen... Disses?
Frau Groß
00:26:19
Ja, ja.
Hans
00:26:20
Da haben Sie auch die Ausbildung dann? War das jetzt so eine Sache, die sich ergeben hat? oder sagen Sie eigentlich hätt' ich auch ganz gerne was auch immer gemacht? Oder war das eine Sache, wo Sie sagen... Ja, okay
Frau Groß
00:26:31
Nee, hier ist zum Beispiel eine Kollegin, die sitzt bei mir am Tisch. Und die fährt jedes Jahr zweimal in Urlaub.
Hans
00:26:40
Mhm,
Frau Groß
00:26:41
Aber die macht wirklich richtigen Urlaub.
Hans
00:26:43
ja,
Frau Groß
00:26:43
Ja, und was, ich sag' ich hab' eigentlich noch nie Urlaub gemacht. Wir haben beide keinen Urlaub gebraucht. Mein... Wie gesagt,wir hatten nen Garten. Und da sind wir immer hingegangen. Da hatten wir auch ein paar Hühner. Da musste ich... Ach, da musste ich schon morgens vor der Schule hin und die Hühner füttern. Weil mein Vater auf der Zeche war. Meine Mutter hatte auch keine Zeit mehr. Das musste ich dann morgens schon vor der Schule.
Hans
00:27:12
Trotzdem gut in der Schule?
Frau Groß
00:27:13
Ja.
Hans
00:27:15
Das führt noch mal zurück zu eeh, Sie haben gesagt, mit Ihrem Vater haben Sie auch gekocht. Haben Sie von Ihrem Vater beim Kochen auch was lernen können?
Frau Groß
00:27:22
Ja, ja. Ja, ja. Ach, wir haben das beide zusammen gemacht
Hans
00:27:27
Und so
Frau Groß
00:27:28
das
Hans
00:27:28
das Interesse am Kochen ist das dann auch geblieben? Haben Sie ihr Leben lang dann noch gerne gekocht?
Frau Groß
00:27:30
Habe ich, ja. Ja, eigentlich habe ich auch... Ich habe nie, wer weiß, wie viel Fleisch gebraucht. Da habe ich nie Wert drauf gelegt. Auch das sage ich heute noch: Ich brauche kein Fleisch. Und andere, die essen nur Fleisch.
Hans
00:27:49
Ja gibt es auch. - Irgendwelche Gerichte, die Sie besonders gut konnten?
Frau Groß
00:27:52
Ach , eigentlich... Eigentlich bin ich an alles drangegangen, ob es rote Beete war oder... Habe ich alles gemacht. Ich habe alles versucht. Und wenn es dann geschmeckt hat, haben wir es auch wiederholt.
Hans
00:28:06
Und Sie haben ja so, ähm, dann so nach Erfahrung gekocht intuitiv?
Frau Groß
00:28:10
Ich hab nicht, ich habe nicht unbedingt immer ein Kochbuch.
Hans
00:28:13
Das wär meine Frage gewesen. Also Sie konnten so...
Frau Groß
00:28:16
von sich, ja.
Hans
00:28:18
Sie sind jetzt tätig, beruflich und... Sie wohnen jetzt äh hm, in der Zechensiedlung in der ersten Etage bei den Eltern?
Frau Groß
00:28:28
Ja.
Hans
00:28:29
Jetzt würde ich ja gerne... wissen: Ihren Mann. Wie haben Sie den kennengelernt?
Frau Groß
00:28:32
Wie ich den kennengelernt habe? Der war bei Pepsi Cola. Und ich war bei Disse in dem Geschäft. Und dann kam der immer morgens und hat bei uns gehalten. Und dann war immer: "Guten Morgen, mein Schatz, ich möchte gerne ein Brötchen mit..." ? Das war jeden Tag das Gleiche.
Hans
00:28:57
Ja.
Frau Groß
00:28:58
Und dadurch haben wir uns kennengelernt.
Hans
00:29:02
Ja. Wer hat denn dann den ersten Schritt darüber hinaus gemacht? War er das dann, der gesagt hat: Da können wir auch mal
Frau Groß
00:29:07
dann sind wir... Ja, dann haben wir uns getroffen. Und wenn ich dann, da wohnte ich ja noch bei meinen Eltern, und wenn ich dann wirklich meinen Mann abends nach Hause gebracht habe, bin ich mit runtergegangen bis an die Haustür und hab dann abgeschlossen. Aber dann hat schon, dann hat schon meine Mutter von oben gerufen: "Komm, mach Feierabend. Mach Licht aus. " Ich durfte nicht mehr was... Das gab es früher gar
Hans
00:29:44
Ja,
Frau Groß
00:29:44
nicht.
Hans
00:29:44
ja.
Frau Groß
00:29:45
Und wenn man heute sieht, ne?
Hans
00:29:48
Was waren dann so die ersten Aktivitäten, die Sie dann doch zusammen mit ihrem Mann gemacht haben? Sind sie mal tanzen gegangen?
Frau Groß
00:29:53
Ja, sind wir nachher auch schon.
Hans
00:29:56
Ja.
Frau Groß
00:29:56
Aber, äh... Jetzt muss ich überlegen. Ich habe dann... Ach da, ich habe auf der Gladbecker Straße, dann gewohnt, dritte Etage. und da ist auch mein Sohn geboren. Zuhause. Ich war nicht im Krankenhaus. Nein. Das ging nachher so schnell,
Hans
00:30:24
Ja.
Frau Groß
00:30:24
da ist der Arzt noch, ich weiß noch, der wohnte um die Ecke, da hatte der seine Praxis und dann hat er gesagt: "Ich gehe jetzt kegeln. Aber in der Zeit nicht. Ich komm gleich wieder. " Und da mussten sie ihn vom Kegeln wegholen,
Hans
00:30:41
Ach ja.
Frau Groß
00:30:42
weil mein Sohn so schnell geboren wurde.
Hans
00:30:44
Ja.
Frau Groß
00:30:44
Ach, das war schön
Hans
00:30:47
Aber dann war das auch ne leichte Geburt?
Frau Groß
00:30:49
Ja, ja, ja, ging ganz schnell. Und bei Gabi war ich dann im Krankenhaus. Da war der Rainer ja schon da. Da war ich im Krankenhaus.
Hans
00:31:01
Ja.
Frau Groß
00:31:02
Aber nur ein paar Tage. Da durften, blieb man ja nicht so
Hans
00:31:05
Nee.
Frau Groß
00:31:05
lange.
Hans
00:31:07
Wie lange sind Ihre beiden Kinder auseinander?
Frau Groß
00:31:08
Zwei Jahre.
Hans
00:31:11
Zwei Jahre auch. Und das erste Kind also Ihr Sohn, kam. Eeh... Sie waren verheiratet? wie lange? war das auch wieder so ungefähr ein Jahr?
Frau Groß
00:31:17
Ja.- Und dann war der auch nur vier Tage oder... Auf jeden Fall hatten wir die Kirche ganz nah um die Ecke. Und da ist wirklich der Pastor gekommen... Dann und dann könnt ihr kommen und das Kind taufen. Das darf nicht so ungetauft sein, das war früher. Waren Sie damit schon genauer.
Hans
00:31:42
Ich weiß jetzt nicht woran es lag, aber es war sicher auch ein bisschen so die Sorge Kindersterblichkeit war groß, und dass man sagte, um Gottes Willen. Kommt ungetauft und verstirbt.
Frau Groß
00:31:47
Muss getauft sein. Ja, die war, auch, fällt mir jetzt ein, die war lange, lange krank. Da haben wir gedacht, die kriegten wir gar nicht durch. Die war wirklich sehr krank, aber ich weiß jetzt nicht mehr, was das war. Auf jeden Fall: Konnte sie nicht essen, nicht trinken, alles kam wieder raus. Also sie war wirklich ganz, ganz lange krank. Da haben wir wirklich gedacht, die kriegten wir nicht durch. Aber der liebe Gott hat das anders gewollt. Ne?
Hans
00:32:24
In der Zeit waren Sie auch beruflich tätig, oder haben sie da erst mal sich auf die Kinder konzentriert und auf den Haushalt?
Frau Groß
00:32:32
Ne, da war ich, ne, da war ich schon zu Hause. Da wohnte nämlich auch noch die Großmutter, die Mutter von meiner Schwiegermutter. Die wohnte auch noch mit in der Wohnung. Und alles musste ich versorgen.
Hans
00:32:46
Ja, ja gut, da kann man, da bleibt nicht so viel Zeit.
Frau Groß
00:32:49
Ja. Ja
Hans
00:32:52
Und Ihr Mann bei Pepsi Cola? War das jetzt auch ein Beruf oder ein Job, wo
Frau Groß
00:32:56
Nee,
Hans
00:32:56
er gut verdient hat?
Frau Groß
00:32:56
hinterher war er bei der Straßenbahn.
Hans
00:32:58
Bei der Straßenbahn?
Frau Groß
00:32:59
Da hat er Autobus, erst Straßenbahn und dann Autobus gefahren.
Hans
00:33:04
Also das Fahren war das, war sein Beruf?
Frau Groß
00:33:06
Ja,
Hans
00:33:08
Und ich denke mal, Straßenbahn war damals mehr so, beamtenähnlich? Da hat man dann auch ganz sicher gut verdient?
Frau Groß
00:33:12
Das hat er nachher auch, ja.
Hans
00:33:15
Ja.
Frau Groß
00:33:17
So ist die Zeit umgegangen. Und dann kam da die ganze Verwandtschaft.
Hans
00:33:22
Ja, also die Bilder, die müssen wir gleich nochmal im Detail durchgehen, Das sind kleine eeh, kleine Dörfer, die da zusammenkommen. Auf jeden Fall Großfamilie ist da glaube ich ein treffender Begriff. Jetzt einmal noch kurz: Gladbecker Straße haben Sie eben erwähnt, so von der, Entwicklung, wie Sie gewohnt haben. Gladbecker Straße.
Frau Groß
00:33:42
Da hatten wir ein Zimmer mit allen Möbeln drin, die ich hatte, einen kleinen Schrank, früher hatte man ja so Wohnschränke, wo eine Seite Kleider und Unterwäsche und so, was alles drin war
Hans
00:34:00
Und auf der anderen Seite war dann alles andere, sag ich mal so?
Frau Groß
00:34:01
Ja, ja. Lebensmittel, alles war mit da drin. War wirklich nur ein Zimmer. Ja, das würde man heute nicht mehr machen.
Hans
00:34:12
Nee, das gibt es gar nicht. Da komme ich nochmal ein bisschen zurück. Es war ja irgendwie noch erweiterte Nachkriegszeit. Wie sah das in Essen aus? Gab es auch noch Trümmer?
Frau Groß
00:34:20
Es gab noch! aaach noch viel Trümmer!
Hans
00:34:22
Ja.
Frau Groß
00:34:23
Gladbecker Straße waren auch noch viele Trümmer.
Hans
00:34:26
Ein Zentrum der Angriffe.
Frau Groß
00:34:26
Ja.
Hans
00:34:28
Ja.
Frau Groß
00:34:28
Und auch, wo ich früher gewohnt hab, Sternstraße. Aber jetzt, ich bin jetzt vor kurzem mal, weiß ich nicht, mit Marcello und Gabi, sind wir mal da rumgefahren, als wir zum Friedhof gefahren sind.
Hans
00:34:44
Ja
Frau Groß
00:34:44
Ja. Das ist gar kein Vergleich mehr die, Siedlung wo, ich früher gewohnt hab. Also es ist alles so schön geworden da.
Hans
00:34:46
Ja, da ist immer Entwicklung drin und das erkennt man oft dann gar nicht wieder, ne?
Frau Groß
00:34:59
Nee, erkennt man nicht mehr wieder. Ja, so vergeht die Zeit.
Hans
00:35:04
Und so Gladbecker Straße sind Sie dann da auch wahrscheinlich nicht wohnen geblieben, sondern, sie haben sich auch irgendwie weiterentwickelt?
Frau Groß
00:35:11
Nee, wo sind wir denn dann hingezogen?
Hans
00:35:15
Straßennamen sind auch interessant. aber noch mehr würd mich interessieren: so, die Bedingungen. Sie hatten nicht mehr ein Zimmer, wahrscheinlich?
Frau Groß
00:35:20
Da hatten wir eins, wie gesagt, in der Gladbecker, ja ein Zimmer. Wo bin ich denn dann hingezogen Das weiß ich jetzt gar nicht
Hans
00:35:34
Ja
Frau Groß
00:35:34
mehr.
Hans
00:35:39
In der Zeit haben Sie, Sie haben geschrieben Tagebuch. ganz früher. Tagebuch jetzt auch immer durch, immer ein bisschen Tagebuch geschrieben, ne?
Frau Groß
00:35:43
Mhm. Hhm
Hans
00:35:46
Und das haben Sie dann immer abends gemacht, wenn alle Kinder im Bett waren und ein bisschen Ruhe war, oder?
Frau Groß
00:35:52
Dann bin ich auch meistenteils schlafen gegangen.
Hans
00:35:56
Ja. Also gab es keinen festen Rhythmus, wo Sie gesagt haben, dann mach ich einen Eintrag ins Tagebuch, sondern...
Frau Groß
00:36:01
Ja, ich habe vielleicht dann noch, sagen wir mal, Gemüse oder was, vorbereitet für den nächsten Tag. Weil ich ja da ... Ich weiß gar nicht, was hab ich denn da gemacht
Hans
00:36:17
Tagesablauf, das macht man, wenn man´s macht eben.
Frau Groß
00:36:21
Ja.
Hans
00:36:22
Und wenn´s so ist, aber letztendlich geht das ja automatisch. Man speichert da ja nichts ab. Erstens mache ich das, zweitens mache ich das. Und deswegen kann man auch oft nicht so gut daran erinnern.
Frau Groß
00:36:36
Ja . Ja, so wie jetzt zum Beispiel heute Morgen. Das ist das erste, wenn alles fertig ist, wenn ich im Badezimmer fertig bin, mach ich als erstes immer mein Bett. Damit das ordentlich aussieht.
Hans
00:36:51
Ja. Und damit lenken Sie meine Aufmerksamkeit auch auf die schöne Bettdecke.
Frau Groß
00:36:56
Ja.
Hans
00:36:56
Sie haben schon mal erzählt aus Ecuador.
Frau Groß
00:36:59
Ja. Ja.
Hans
00:37:00
Wie kommt diese Beziehung nach Ecuador zustande?
Frau Groß
00:37:02
Da haben Gabi und Marcello sich kennengelernt
Hans
00:37:05
Aha.
Frau Groß
00:37:05
In Ecuador. Weiß gar nicht, wie das damals war. Auf jeden Fall haben die sich da kennengelernt
Hans
00:37:14
Hat Ihre Tochter da Urlaub gemacht oder gearbeitet?
Frau Groß
00:37:16
Ja. Die hat da Urlaub gemacht, glaube ich. 14 Tage. . Und in der Zeit haben die sich kennengelernt. Und sind zusammengeblieben. Und dann haben sie, wie gesagt, da hat er damals, haben sie ganz viele Decken mitgebracht und haben die versucht hier zu verkaufen. Sie haben auch einen Einkäufer gehabt, der zum Schluss noch ich glaub da hatten sie noch 10 Stück oder wie viel, die hat der dann noch zum Schluss gekauft.
Hans
00:37:46
Also, für die Hörer einmal, die´können's ja nicht sehen, muss ich dazu sagen. Das es wirklich eine. bestechend, schöne, farbige,
Frau Groß
00:37:54
Ja.
Hans
00:37:54
aber, aber dezent farbige. Also nicht so knallig, sondern schöne Decke, ne?
Frau Groß
00:37:56
Ja.
Hans
00:37:59
Ja. Und Ecuador, ich nehme an, ihre Tochter und ihr Mann fahren da noch wieder hin, regelmäßig?
Frau Groß
00:38:07
Die wollen jetzt im Februar Wollen die... ja, dann wollen sie ihn. Und sie überlegen sogar, ob sie Emma mitnehmen.
Hans
00:38:19
Ja.
Frau Groß
00:38:21
Ob das nun klappt?
Hans
00:38:24
Und Emma ist?
Frau Groß
00:38:25
Der Hund
Hans
00:38:26
Der Hund. Genau.
Frau Groß
00:38:26
Der Hund.
Hans
00:38:27
Den habe ich auch schon gesehen.
Frau Groß
00:38:28
Wenn, wenn die hier reinkommt, dann geht sie immer hier unter den Tisch und versteckt sich unter dem Tisch. Oder ganz da hinten hinten
Hans
00:38:40
Von da aus hat man alles im Blick, aber man ist nicht so angreifbar.
Frau Groß
00:38:43
Und die ist sehr anhänglich.
Hans
00:38:47
Ja . Ich
Frau Groß
00:38:49
Bin mal gespannt, ob sie sie wirklich mitnehmen, denn bei meinem Enkel könnte sie bleiben. Ab die Gabi meint, dann hat die Heimweh. Dann wollen sie sie lieber mitnehmen. Sie müssen erst gucken, ob sie dürfen.
Hans
00:39:08
Ja, ja. Kommt auch noch dazu.
Frau Groß
00:39:09
Eben.
Hans
00:39:11
Und sie hatten auch erzählt, vor dem Gespräch schon, als wir so ein bisschen gesprochen haben ähm,
Frau Groß
00:39:15
Meine Tochter ist Ärztin.
Hans
00:39:18
Ja, dass sie, dass sie umgezogen sind, und dass die Emma immer noch zur alten Wohnung, läuft. ne?
Frau Groß
00:39:23
Ja, ja, die geht, die will immer noch, die will immer noch die Treppen hoch, wo wir früher gewohnt haben.
Hans
00:39:29
Ja.
Frau Groß
00:39:30
Würde ich auch noch gern. Ach, ja. Aber das ist vorbei.
Hans
00:39:37
Dann, wenn Sie es ansprechen, lassen Sie uns einmal so ein bisschen in die Richtung gucken, was dadurch, dass Sie hier hingezogen sind jetzt... Ist ja noch nicht so lange her...
Frau Groß
00:39:48
Nee.
Hans
00:39:51
Einen Monat ungefähr. Was sind das für Dinge, die Sie jetzt besonders vermissen?
Frau Groß
00:39:55
Ja, wie gesagt: mein Zuhause.
Hans
00:39:57
Hhm hm
Frau Groß
00:39:57
Das vermisse ich!
Hans
00:39:59
und die Treppen, die Sie erwähnt haben sind so ein Grund dafür, dass man da nicht mehr so bleiben konnte.
Frau Groß
00:40:03
Meine Tochter sagte dann, die hatte mich hier angemeldet. Aber erst, das war, glaube ich, im September. Und angemeldet hatte sie mich für November.
Hans
00:40:21
Mhm hm.
Frau Groß
00:40:21
Sagt sie, da habe ich gebeten, sie möchten dir ein Zimmer reservieren. Und was war dann? Dann riefen die an: Frau Groß, wir haben ein Zimmer frei. Wollen Sie Ihre Mutter jetzt schon bringen? Boah, da habe ich bald gedacht, ich krieg zu viel. Ja, aber dann bin ich hier hingekommen, hab ich wirklich, ich darf jetzt auch nicht dran denken. Ich sitz oder lieg oft abends im Bett und heul.
Hans
00:40:51
Ja.
Frau Groß
00:40:53
Wirklich.
Hans
00:40:58
Das kann ja so schnell nicht so verarbeitet sein. - Wobei Sie auf der anderen Seite manchmal auch den Eindruck machen, dass Sie schon einsehen, und das auch so ein bisschen eine eigene Entscheidung war, wenn auch sehr... überfallartig
Frau Groß
00:41:08
Ich sag, ja, ich sage mir es geht nicht mehr anders.
Hans
00:41:12
Ja
Frau Groß
00:41:12
Ne? Zuhause… zuhause sie haben jetzt wirklich auch nur die kleine Wohnung. Unsere große Wohnung ist vermietet an jemand anders. Und daneben ist die kleine Wohnung und da will die Emma auch nicht hin. Die will immer, geht immer die Treppen hoch.
Hans
00:41:30
Ja.
Frau Groß
00:41:31
Sie meint immer, sie müsste da noch hin.
Hans
00:41:34
Ja ich kam ja auf den den Wohnungswechsel über den Hund, der in die alte Wohnung will und die Frage, kann der Hund mit oder geht der Hund mit nach Ecuador? Dann denke ich auch, dann ist er ja da noch, hat er ja da noch mehr
Frau Groß
00:41:45
Ja sie wollen versuchen. Wenn es gar nicht anders geht, nehmen sie ihn mit. Aber sie wissen nicht, ob sie dürfen, ne?
Hans
00:41:52
Ja. Aber das ist es. Hunde oder Haustiere insgesamt sind immer so ein bisschen son Hindernis beim Verreisen.
Frau Groß
00:41:58
Auf jeden Fall. Aber noch ist sie da, ne? So bei meiner Enkelin. Die hatten ja anfangs vier Katzen. Da waren aber mittlerweile... bis auf zwei, alle anderen schon tot. Jetzt hatten sie noch zwei. Und davon war eine so krank, die ist jetzt auch wirklich gestorben. Da waren die auch alle krank.
Hans
00:42:22
Ja. Das, das geht richtig an die Nieren.
Frau Groß
00:42:24
Ja. Da waren die auch krank.
Hans
00:42:27
Ja. Hatten Sie auch Haustiere irgendwann, oder war keine Zeit
Frau Groß
00:42:31
Wir
Hans
00:42:31
dafür?
Frau Groß
00:42:32
haben früher auch eine Katze gehabt. Ich kann mich erinnern, als wir dritte Etage wohnten und meine Mutter war im Vorstand vom Mütterverein, nannte sich das früher. Und da hatten die abends Sitzung. Und ich habe gesagt, ich warte auf dich, bis du kommst. Weiß nicht? mein Vater war, glaube ich, war der schon nicht mehr da, oder? Das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Oder der war auch nicht da. Auf jeden Fall habe ich mich so aufs Bett gelegt, auf die Couch. Und die Katze hat sich hier in meine Kniekehlen gelegt. Auf einmal habe ich gemerkt, dass es ganz warm wurde. Da liegt, lag sie und hat geschlafen. Bis dass meine Mutter kam
Hans
00:43:20
Das ist schön. Ich habe, wir haben auch eine Katze, meine Freundin und ich, und die liegt manchmal, wenn ich auf dem Sofa sitze so, Beine hoch, oder liege. Na ja, halb halb, dann legt die sich auch so auf die Knie. Und ich habe so ein bisschen Arthrose.
Frau Groß
00:43:32
Ja.
Hans
00:43:32
Und das ist immer so richtig schön, Ich glaub, die liegt aber nicht wegen mir da. Sondern, ich habe meistens noch das Laptop aufgeklappt, und ich glaub die mag das Laptop gerne. Weil sie da immer so gerne dran rumspielt. Eins hat sie schon kaputt gemacht.
Frau Groß
00:43:46
Ja.
Hans
00:43:47
Aber. Ja. Gut. Aber `ne Katze Ehm. Sonst. Nichts. Keine Haustiere? Nicht mal irgendwann ein Hund, oder `ne Katze.
Frau Groß
00:43:54
Nee, Hund haben wir nicht.
Hans
00:44:02
Oder was Kleineres, Mäuse, Vögel?
Frau Groß
00:44:03
Nee, das war ja auch damals. Man musste das ja bezahlen.
Hans
00:44:05
Ja, jemand muss sich kümmern und so
Frau Groß
00:44:07
Ja.
Hans
00:44:07
weiter, ne!?
Frau Groß
00:44:09
Nee, wir hatten wirklich nur die Katze.
Hans
00:44:11
Und so Nutztiere, eben hatten Sie mal die Hühner erwähnt, das war bei ihren Großeltern, aber sie selber hatten dann nichts in der Art, das war...
Frau Groß
00:44:16
Nee, wie gesagt, wir hatten Hühner. Da musste ich ja morgens immer hin zum Füttern.
Hans
00:44:25
Ja, da kriegt man schon genug mit von den lästigen Seiten, die Haustiere haben können?
Frau Groß
00:44:28
Ganz genau.
Hans
00:44:32
In den Unterlagen bei uns steht auch als ein Lebensweg, oder eine Station, wo Sie gewohnt haben, zuletzt gewohnt haben, Fronhausen. Ist das richtig?
Frau Groß
00:44:40
Ja. - Von Fronhausen sind wir dann zum... Ne, das war Brosweg. Das ist Fronhausen. Nee, das
Hans
00:44:47
Nee.
Frau Groß
00:44:47
ist
Hans
00:44:47
Brosweg ist hier.
Frau Groß
00:44:48
Heidhausen.
Hans
00:44:48
Ja, ja, das ist hier in Heidhausen.
Frau Groß
00:44:50
Wo hätt ich denn in Fronhausen gewohnt? Ja, in so einer ziemlich engen, was heißt engen Straße, aber man konnte sich praktisch in die Fenster gucken. So nah standen die Häuser. Und eigentlich, eigentlich waren wir da auch zufrieden. Nur neben uns da wohnten welche. Der hat so viel getrunken. Das war nicht so schön.
Hans
00:45:19
Ja, wenn man das dann so mitbekommt, man kann irgendwie nicht helfen.
Frau Groß
00:45:22
Ja, da war es immer laut. Ja. Und die hatten nur einen Sohn. Aber der Sohn, der hatte auch... Ich denke, durch die ganze Trinkerei... hatte der Sohn auch eine kleine Macke. Der war auch nicht ganz normal. Aber da war dann auch der Park da sind wir oft... Also ich bin da oft mit, mit den Kindern hingegangen. Das war gar nicht weit. Wir brauchten praktisch nur über die Frohnhauser Straße und dann war da ein Park.
Hans
00:45:56
Sie haben Ihre Kinder nochmal wieder erwähnt. Spazieren gehen... So die Lebenswege...der Kinder... meine ich jetzt so. Sie haben gerade erzählt Ihre Tochter ist Ärztin, hat in Ecuador geheiratet.
Frau Groß
00:46:07
Ja.
Hans
00:46:08
ne? Ehm Und
Frau Groß
00:46:11
Also die haben hier geheiratet und in Ecuador.
Hans
00:46:15
Ah, schön.
Frau Groß
00:46:15
Ja, ja Sie haben zweimal... Zweimal geheiratet.
Hans
00:46:20
Waren Sie auch mal in Ecuador, zum Beispiel zur Hochzeit?
Frau Groß
00:46:21
Nee.
Hans
00:46:21
Sie waren nie da? oder
Frau Groß
00:46:23
Ne. Mein Schwiegersohn sagt immer, du packst alles zusammen und fährst mit uns nach Ecuador. Der hätte gerne wenn ich mitgehen würde. Er meint immer da ging es mir besser.
Hans
00:46:50
Wegen der Wärme? weil es da da so menschlich
Frau Groß
00:46:50
Alles drum und dran wäre da schöner als hier und wenn ich dann sage, ja ich fühl mich aber hier wohl... Ja, du fühlst dich hier wohl.
Hans
00:46:52
Ja. ja. Aber ich denke auch, manchmal sagen Leute, wenn ich alt bin, dann ziehe ich nach Mallorca, oder so.
Frau Groß
00:46:56
Ja.
Hans
00:46:58
Ich kann mir, mir das überhaupt nicht vorstellen. Ich bin doch hier. Hier kenne ich alles. Hier will ich
Frau Groß
00:47:02
Genau. Das war schon schlimm genug, dass ich hier hingehen musste.
Hans
00:47:08
Ja.
Frau Groß
00:47:09
Das war schon für mich eine Überwindung. Aus meinem Haus, aus meiner Wohnung raus, ne, einmal schon aus der Sternstraße, als ich geheiratet hab'. Und dann nach Fronhausen und jetzt hierhin hab'
Hans
00:47:25
Ja, aber ich mein, da kommt natürlich noch dazu, dass man von einem Haus auf ein Zimmer quasi alles eingegrenzt bekommt.
Frau Groß
00:47:31
Ganz genau, ja.
Hans
00:47:37
Ihr Sohn was macht der so? beruflich
Frau Groß
00:47:37
Kann ich gar nicht sagen, was der für ein Beruf ist... der ist auf jeden Fall selbstständig. Und hat Kunden, die er, was weiß ich...
Hans
00:47:48
Das hört sich zumindest anspruchsvoll und spannend an.
Frau Groß
00:47:51
Ja, der verdient sein
Hans
00:47:52
Ja.
Frau Groß
00:47:53
Geld
Hans
00:47:53
Gut, ist das sowas mit Computern mehr?
Frau Groß
00:47:57
Alles mögliche.
Hans
00:48:00
Okay. Ist auch verheiratet?
Frau Groß
00:48:02
Ja. Ja. Der wohnt, äh, oh, wie heißt es
Hans
00:48:11
Andere Stadt, oder?
Frau Groß
00:48:12
Nee hier, weiter. Man muss den Berg hoch. Und dann geht es links in den Feldweg rein. Und dann muss man ein ganzes Ende durch den Feldweg. Und dann kommt eine kleine Straße, da ist sein Haus.
Hans
00:48:26
Enkelkinder haben sie schon erwähnt. Also, Ja. Kinder, Enkelkinder, Waren vier Stück? Ne? Oder?
Frau Groß
00:48:33
Ja, wir haben, äh, David und, Fabian, das sind unsere Enkelkinder. Und David hat, nee, David hat keine, die haben noch keine Kinder. Ach, äh.
Hans
00:48:49
Sind
Frau Groß
00:48:49
Johanna.
Hans
00:48:49
Johanna. Ah ja.
Frau Groß
00:48:51
Johanna. Johanna und David.
Hans
00:48:54
Hhm hm.
Frau Groß
00:48:54
Aber David hat keine Kinder. Ja. Äh, Johanna hat zwei. Und Fabian hat auch zwei. Fabian und Jessica, das ist Mann und Frau. Und da ist Patrick und Johanna. Ein Ehepaar.
Hans
00:49:18
Ja, das sind aber auch ganz schön viele Namen, die Sie sich da merken müssen angesichts der Großfamilie, aber
Frau Groß
00:49:21
Ja, eben, die man behalten muss.
Hans
00:49:31
Und jetzt kommen noch die vier die Urenkel
Frau Groß
00:49:32
Ja, ja, wohnen auch alle hier so in der Nähe.
Hans
00:49:38
Da komme ich nochmal zurück. Vor kurzem hat sich ja der, ich glaube es war der Todestag, oder war es der Geburtstag Ihres Mannes.
Frau Groß
00:49:44
Am 28.
Hans
00:49:48
Am 28sten Dezember ne, Und? da hatten Sie sich ja zu vielen, oder
Frau Groß
00:49:50
oder
Hans
00:49:50
alle getroffen.
Frau Groß
00:49:52
Da haben wir uns alle getroffen, waren wir alle in einem Café. Und da, ja, da fand man nichts. Da war nirgendwo offen. Da mussten wir, wer weiß wie weit nach Velbert hoch, wo wir da hingefahren sind. Auf jeden Fall, das Lokal war schön. Da haben wir gefrühstückt. Da waren wir wirklich eine große Tischreihe rundherum voll. Waren wirklich alle da. Und vor allen Dingen Aurelia, das ist die Tochter von Fabian. Also das ist ein Mädchen, die hat gesungen, die hat ein Gedicht aufgesagt. Und wo ist der Opa? Und das ist jetzt natürlich die von Johanna, die Rebecca, als die das erste Mal hier reinkam. Und hat auf die Bilder geguckt? Wer ist das denn da oben? Ja, ich sag, "Guck doch mal richtig. " Ich sag, "Es ist doch der Opa. " Boah hat die geheult. Wo ist der Opa denn? Das konnte die gar nicht verstehen
Hans
00:51:02
Tod ist ne Sache, das ist
Frau Groß
00:51:03
Ist nicht so schön.
Hans
00:51:05
Nicht so schön, und das ist natürlich ja, für uns schon, die Erwachsenen, sag ich immer, schon schwer zu verstehen, aber Kinder, so und das ist das
Frau Groß
00:51:07
Also wir sind von dem Café, haben wir gesagt, jetzt gehen wir noch zum Friedhof. Dann haben wir uns alle am Grab getroffen.
Hans
00:51:21
Ich finde auch, naja, erstaunlich, ist jetzt zu viel gesagt, aber beeindruckend, dass Ihr Mann auch alle so vereinen kann, das muss ja schon ein ganz netter toller Kerl gewesen sein!?
Frau Groß
00:51:33
Ja, der ist auch, der ist auch zu schnell gestorben. Da hat man nicht mit gerechnet. Der war im Krankenhaus, und da war er in einem Zimmer. da war der Mann wo... hab ich denn meine Taschentücher.
Hans
00:51:50
Haben Sie?
Frau Groß
00:51:51
Ja. Ja Da hat er in einem Zimmer gelegen im Dreibettzimmer. Der eine war ganz lieb, der hat überhaupt nichts, der war ganz, ganz zufrieden. Und der andere, der war so frech, Sie können es sich nicht vorstellen. Der war richtig frech. Und aus dem Grunde, weil mein Mann keine Luft kriegte. Der war Herzkrank, der hat immer gestöhnt und gejapst. "Der soll ruhig sein". Da hab ich gesagt, da hab ich mich gemeldet, da hab ich gesagt: "Hören Sie mal, sind Sie so zufrieden, dass es Ihnen so gut geht. Wenn mein Mann besser dran wär, würde der so nicht sein. Dann würde der ruhig sein." Und dann kam die Schwester, die hat mich dann schimpfen hören. Da sagt sie: "Was ist hier los?" Ja. Ich sag: So und so. Ich sag: "Können Sie meinen Mann nicht in ein anderes Zimmer legen?" Ich sag: "Der geht hier ein." Ja, was war, die hatte kein Zimmer frei, "Dann kommen Sie mit." Dann hat sie mich ganz hinten um die Ecke, da war wirklich ne Ecke für ihn alleine. Da konnten wir aber einen Vorhang zuziehen,
Hans
00:53:09
Mhm.
Frau Groß
00:53:09
da waren wir alleine. Und da hab ich dann, ja, er war wirklich erst gerade drin, da hab ich gedacht, gesagt zu ihm, ist nur für heute, morgen früh komme ich dich abholen. Und da standen meine Kinder morgens in der Tür: Mama, du brauchst den Papa nicht mehr abholen, der ist eingeschlafen. Boah, das war furchtbar.
Hans
00:53:44
Aber von der Erkrankung her, so schwer herzkrank.
Frau Groß
00:53:44
Hinterher hab ich gesagt, "Gott sei Dank". Er brauchte nicht mehr zu leiden.
Hans
00:53:52
Ja. Das ist ja
Frau Groß
00:53:54
Ja
Hans
00:53:54
oft sehr mit Quälerei verbunden, ne?
Frau Groß
00:53:54
ja, ganz genau,
Hans
00:53:57
Ja.
Frau Groß
00:53:57
Es war anfangs war es furchtbar, aber hinterher hab ich gesagt: "Gott sei Dank". Ja. Kann schnell gehen alles, ne?
Hans
00:54:09
Das ist jetzt so gute zwei Jahre her, hab ich gelesen.
Frau Groß
00:54:13
Ja. Ja.
Hans
00:54:14
Ja. Nochmal zu diesem beeindruckenden, auch wenn es jetzt erst zwei Jahre her ist, aber, dass alle so mit jemandem verbunden sind, ist ja glaube ich, nicht so oft!?
Frau Groß
00:54:29
Ne. Die hingen sehr an dem Opa. - Der hat in seinem Sessel gesessen, Und dann hat er irgendein Kind immer auf`m Schoß und hat irgendein Märchen erzählt. Der hat sich das selbst zusammen...
Hans
00:54:48
Oh, cool.
Frau Groß
00:54:49
Nichts aus dem Buch gelesen. Der hat auf jeden Fall, hat der den immer was vorge...
Hans
00:54:56
Ja.
Frau Groß
00:54:56
erzählt. Und dann waren die lieb. Dann haben sie bei ihm gesessen. Deshalb haben die den auch vermisst. Ne!? Aber es sollte nicht sein. Hätte gut hier noch ein bisschen leben können. Dann hinterher haben wir immer gesagt, Gott sei Dank, wer weiß, was er mitgemacht hätte noch.
Hans
00:55:21
Ja, also... Herzkrankheit wird ja nun mal immer, in der Regel immer schlimmer.
Frau Groß
00:55:22
Ja. Eben, Ne!?
Hans
00:55:27
Ist auch ein Gedanke. Aber trotzdem das ist... wird immer... Das eine tröstet ein bisschen, aber trotzdem bleibt das Traurige natürlich auch bestehen, Er ist nicht mehr da.
Frau Groß
00:55:34
Irgendeiner geht auch immer mit mir zum Friedhof, dass wir eine neue Kerze anstecken, oder. Ja.
Hans
00:55:48
Das ist so eine zweite Sache, die mir auffällt - In der großen Familie scheint ja auch viel Zusammenhalt zu sein. Sie sagten jetzt, irgendjemand hat Geburtstag, wer war`s noch? Die nächsten Tage, haben Sie vor dem Gespräch gesagt, da feiern Sie auch wieder mit, werden abgeholt und...
Frau Groß
00:56:01
Ja, wie gesagt, heute, nee, Mittwoch, morgen hat der Geburtstag. Dann wird er 40. Hab ich auch gestern gesagt, mein Gott, 40 wird er schon. Das wird. war der, der in Altenessen geboren ist.
Hans
00:56:22
Auf der anderen Seite, wenn ich so an 40 denke, da haben die Knochen noch nicht weh getan, wie jung war man da noch, ne!? Wie schnell geht das, ne!? wenn
Frau Groß
00:56:25
Und wie schnell!
Hans
00:56:33
Ich hätte noch so einen Komplex. Sie haben schon gesagt, Urlaube waren nicht so ihr Ding. Nee, es gibt Menschen, die das mögen und Menschen, die haben...
Frau Groß
00:56:40
Wir hatten zum Beispiel, wer hat uns denn da eingeladen? Die Tochter von Disses. Die war verheiratet, die... weiß jetzt nicht mehr, wo die gewohnt hat. Die haben uns aber acht Tage Urlaub geschenkt. Den haben wir gemacht und zwar waren wir da ganz in der Nähe, gar nicht so weit weg. Und da haben wir in einer wohnten wir oben im Haus und unten war eine Bäckerei. Da sind wir schon morgens immer wach geworden von dem frischen Geruch. Ja. Ich meine, ich würde jetzt noch riechen. Aah was war das schön. Aber das war eigentlich der einzige Urlaub. Und die bei mir am Tisch sitzt. Die fährt zweimal in Urlaub. Jedes Jahr.
Hans
00:57:38
Gibt Leute, die das brauchen.
Frau Groß
00:57:38
Ja, jedes Jahr. Und nicht nur bis hier vorne irgendwo.... Ja, ja. Die.... Die war schon weit weg, Sie kann es sich leisten.
Hans
00:57:49
Ja, das muss natürlich auch stimmen.
Frau Groß
00:57:50
Ne!?
Hans
00:57:53
Sie hatten noch einmal erzählt, dass sie mal in Dornum waren beim Ferienhaus, ich weiß nicht, war es die Tochter?
Frau Groß
00:57:56
Ja, Da sind wir mal gewesen. Ja.
Hans
00:58:02
Aber gut, das ist ja auch mehr so Familie und nicht so verreisen, ja und sonst, Freizeitaktivitäten, wie sieht das aus? Haben Sie gern gelesen?
Frau Groß
00:58:02
Ja, lesen tue ich. Meine Zeitung lese ich. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich lese, schlafe ich ein.
Hans
00:58:29
Ja, vielleicht lesen Sie da nicht die richtigen Sachen? müssen Sie spannendere Sachen.... Ja. Sonst irgendwas, Fernsehen gucken, Musik hören? fällt Ihnen was ein?
Frau Groß
00:58:33
Ja. Fernsehen mache ich an. Wenn irgendwas Besonderes ist, lasse ich auch an. Sonst mache ich es sofort wieder aus. Also wenn schon Krieg oder sowas, das kann
Hans
00:58:45
Also
Frau Groß
00:58:45
ich nicht.
Hans
00:58:46
nicht so Nachrichten und Tagesgeschehen, sondern. Quizshows?
Frau Groß
00:58:48
Ja.
Hans
00:58:49
Haben Sie, glaube ich gesagt.
Frau Groß
00:58:50
Ja, Radio habe ich ja auch dahinter stehen. Da sind auch CDs, habe ich da im Schoss.
Hans
00:58:58
Und was für Musik mögen sie?
Frau Groß
00:58:59
Ruhige.
Hans
00:59:02
Ruhige Musik? Ja. Ist das mehr so klassische Musik, oder?
Frau Groß
00:59:04
Ja. Ja.
Hans
00:59:10
Und ihr Mann und sie zusammen, was haben Sie so? Irgendwas unternommen, sind sie spazieren gegangen Wandern?
Frau Groß
00:59:14
Ja. Sind wir. Ja. Wie gesagt, auch zum Garten. Da hatten wir ja unsere
Hans
00:59:19
Ja.
Frau Groß
00:59:20
Arbeit. Da hatten wir auch ein kleines Häuschen drin. Ich weiß gar nicht, ob mein Mann das damals mitgebaut hat. Aber das war schön, da konnten wir gut drin sitzen.
Hans
00:59:29
Also das war ein Schrebergarten, oder?
Frau Groß
00:59:31
Und zwar war der wirklich, wir wohnten Gladbecker und der Garten war ganz am Ende von der Stoppenberger. Da war der Garten. War schon immer ein Ende zu laufen. Aber wir sind gut da hingekommen.
Hans
00:59:55
Aber laufen klingt jetzt so... Wahrscheinlich hatten sie doch auch ein Auto, oder? irgendwann mal!?
Frau Groß
00:59:55
Ja, aber erst später, da waren gegenüber von uns, waren Leute, mit denen haben wir immer viel geredet. Entweder waren die auch schon mal bei uns, oder wir bei denen, aber nicht mehr weiß wie gefeiert, also viel Alkohol wurde da nicht getrunken.
Hans
01:00:17
Ja also mehr gemütliches Beisammensein, Kaffee trinken, vielleicht, ne? Eine Sache oder zwei Sachen stehen noch bei uns so in den Unterlagen so was so Tätigkeiten, Freizeit oder ehrenamtliche Tätigkeit eben betrifft. Da steht, dass sie ehrenamtlich in einer Pflegeeinrichtung gearbeitet haben.
Frau Groß
01:00:39
In Altendorf im Altenheim. Erst früher hab ich, ja, als ich immer noch arbeiten gegangen bin, bin ich morgens früh schon, es war zwar ganz in der Nähe, ich brauchte praktisch nur über die Straße.Da war ein Hochhaus, in dem wohnten zwei alte Damen. Und da musste ich von aus dem Bett holen. Aber nicht waschen oder irgendwas, wirklich nur aus dem Bett und hinsetzen und einen Moment sprechen. Und dann bin ich arbeiten gegangen. Und wenn ich nicht konnte, dass ich zu früh schon arbeiten musste, dann ist der Rainer hingegangen. Dann hat der die aus dem Bett geholt und auch nur auf die Bettkante gesetzt.Und ist wieder gegangen
Hans
01:01:31
Aber das war so ehrenamtlich? das war
Frau Groß
01:01:31
Ja. Das war ja. Und dann Caritas. Sammeln. Das hab ich natürlich auch gemacht.
Hans
01:01:40
Ja. Also das war so im Rahmen der Kirchengemeinde so Tätigkeiten. So sind sie dann auch an den ehrenamtlichen Job im Altenheim gekommen?
Frau Groß
01:01:42
Genau.
Hans
01:01:49
Und was haben sie da gemacht? Spiele spielen? Und Singen.
Frau Groß
01:01:50
Und singen.
Hans
01:01:54
Singen, und solche Sachen.
Frau Groß
01:01:56
Ja. Ja.
Hans
01:01:59
Also so im sozialen Dienst quasi. Also wenn wir jetzt mal hier Personalknappheit haben, können wir sagen: das Singen macht heute mal die Frau Groß.
Frau Groß
01:02:02
Ja. Da können wir mit singen.
Hans
01:02:06
Die weitere Sache, die noch so in den Unterlagen steht ist, dass Sie so Gesellschaft ganz gerne haben.
Frau Groß
01:02:13
Ja. Ja. So am Tisch sitze ich ganz gerne. Dann sitzen wir meist drei oder vier und erzählen irgendwas. Und dann wollen sie natürlich von mir auch immer gleich alles wissen. Aber das kann ich ja auch erzählen.
Hans
01:02:33
Ja. Aber demnächst könenn Sie dann sagen, hört euch das einfach an. Da, habe ich alles. Genau. Wie gehen Sie so um. Es gibt ja auch in so einer Pflegeeinrichtung. Und Sie kannten das jetzt schon, ne!? vielleicht aus der ehrenamtlichen Tätigkeit. Aber es gibt ja auch Leute, die nicht nicht so gesellschaftsfähig sind, die vielleicht sogar rufen, ängstlich sind schwieriger im Umgang.
Frau Groß
01:02:57
Ja. Ja.
Hans
01:02:59
Wie gehen Sie damit um dass, die jetzt hier so ganz nah quasi, dass Sie mit denen auch zu tun haben?
Frau Groß
01:03:01
Ja. Wenn es eben geht, sitze ich dann mit denen auch am Tisch. Aber manchmal fahren die Pfleger sie auch raus. Wenn
Hans
01:03:12
Ja.
Frau Groß
01:03:13
sie nicht singen wollen, dann bringen sie sie wieder raus.
Hans
01:03:19
Und so störende Einflüsse? gibt ja auch Leute, die auf dem Flur herumfahren und Hilfe rufen. Gibt es da so was wo sie sagen ach, nee!
Frau Groß
01:03:28
Ja, aber da kann man nichts machen. Die schreit immer. Immer. Und die hat gar nichts. Die schreit immer Hilfe.
Hans
01:03:36
Also sie hat schon was Psychisches irgendwie, dass sie das nicht los wird, und die Ärztin arbeitet auch daran, dass man das irgendwie...
Frau Groß
01:03:37
Die haben auch schon mal versucht, ihr irgendwie eine Tablette zu geben.
Hans
01:03:52
Diverse Tabletten. Das ist schon etwas durchprobiert.
Frau Groß
01:03:54
Ja, dann ist eine zum Beispiel, die kommt auch schon mal hier rein. Die läuft immer hier, aber die spricht nicht viel. Die lacht nur, wenn man sich trifft. Und dann geht sie weiter spazieren.
Hans
01:04:10
Also sie haben nicht so eine Belästigung, was es ja auch manchmal gibt, dass Leute andauernd in ihr Zimmer reinkommenm? und sich hier ins Bett legen und sowas?
Frau Groß
01:04:15
Nee.
Hans
01:04:17
Das ist schon mal
Frau Groß
01:04:18
Nee, ich würde aber auch nicht einfach irgendwo in ein Zimmer gehen.
Hans
01:04:24
Nee, natürlich. Ja, also. Aber es gibt ja Leute, die das in Folge ihrer Erkrankung nicht mehr so unterscheiden können, ja. die... Genau. So von dem Umzug hin gibt es auch irgendwelche Dinge, die hier gut sind oder besser sind als zu Hause, wenn man das schon sagen kann so?
Frau Groß
01:04:32
Genau Mittlerweile habe ich mich eingewöhnt.
Hans
01:04:47
Ja.
Frau Groß
01:04:47
Aber es ist schon schlimm, ist schon schlimm. Anfangs, anfangs habe ich gedacht, das schaffst du nicht. Obwohl, mein, die Kinder können auch nicht jeden Tag kommen, die sind alle noch berufstätig. Ne!? Ich dachte z. B. mein Sohn war gestern aus Dornum wieder gekommen. Ich komme morgen früh gucken, aber, wer weiß, vielleicht kommt er gar nicht.
Hans
01:05:18
Ja aber für Menschen draußen ist morgen früh, ist ja noch nicht vorbei. Also, wir sind gleich fertig, und dann kommt er rein. - Und jetzt kommt das Schwierigste überhaupt. Sie müssen sich jetzt vorstellen, dass ich eine gute Fee bin! Und ich habe... Sie können jetzt einen Wunsch äußern, und der wird dann erfüllt von der guten Fee, die ich natürlich nicht bin, aber.
Frau Groß
01:05:47
Nee, ich muss sagen, eigentlich bin ich mit allem zufrieden.
Hans
01:05:51
Ja. - Also sowas ist mehr so... so Quatsch, so?!
Frau Groß
01:05:54
Nee. Eigentlich bin ich mit allem zufrieden. Nee, wirklich.
Hans
01:06:02
Ja.
Frau Groß
01:06:04
Ich kann wirklich sagen, ich bin zufrieden hier.
Hans
01:06:08
Ja.
Frau Groß
01:06:09
Anfangs habe ich Angst gehabt, bin ich ganz ehrlich. Aber als ich dann mal ein paar Tage hier war, da habe ich gemerkt, habe ich auch, wenn jemand mich fragt, wie ist es hier, dann sage ich immer nur, ich kann mich nicht beklagen. Sind alle nett. Und mehr brauche ich nicht. Ich kriege mein Essen hier, da ist schon gleich wieder halb Zwölf.
Hans
01:06:39
Genau.
Frau Groß
01:06:40
Gibt schon gleich wieder Essen.
Hans
01:06:43
Eine Frage habe ich, wollte ich gerne stellen, ich sehe da die schönen Familienbilder, aber ich weiß, jetzt erinnere ich mich gerade, hinter mir hängt so ein schönes Bild, gemaltes Bild. Können Sie da noch was zu sagen?
Frau Groß
01:06:53
Ja. Das hat mein Mann mal irgendwo gekauft, weil ihm das so gut gefiel. Und dann haben wir ja noch ein großes davon gehabt. Ich weiß jetzt nicht wie viel größer. Und dann hat es erst da unten gestanden. Da hat dann meinen Sohn gesagt, weil ich die Uhr da oben wieder haben wollte. Dann können wir das Bild nicht nochmal hinhängen. Ich nehme das wieder mit nach Hause und stelle es bei mir hin. Ja. Jetzt steht es bei ihm im Wohnzimmer.
Hans
01:07:26
Ja.
Frau Groß
01:07:26
Aber der hat mehrere Bilder. Der hat schon mehrere, nicht selbst gemalt, aber gekauft. Wenn er irgendwo was Schönes sieht. Der kann es sich leisten.
Hans
01:07:36
Ja. Aber bei ihrem Mann war das jetzt eine einmalige Anschaffung?
Frau Groß
01:07:42
Nur eine einmalige. Ja, und wie gesagt, ich wollte ja da eins hin haben. Und da hat der Hausmeister gesagt, nein, da darf keins hin. Wenn Sie Bett machen, könnte es runterfallen. Da darf kein, das ist von vornherein. Sagt er jetzt, darf ich Ihnen das nicht erlauben? Dann wollen alle anderen.
Hans
01:08:02
Dann sehen das andere und ja. Genau. Ja.
Frau Groß
01:08:04
Und das sehe ich auch ein. Wenn es nicht geht, geht es nicht
Hans
01:08:08
Und irgendwie wirkt das auch, da hängen viele Bilder und da ist jetzt ne kahle Wand...naja
Frau Groß
01:08:13
Ist nicht schlimm. Dafür hängt ja wenigstens da oben das kleine aus Ecuador. Und der Kalender ist da.
Hans
01:08:21
Also die wesentlichen Sachen.
Frau Groß
01:08:23
Der Kalender ist nämlich von David gemacht.
Hans
01:08:27
Ja, der ist sehr schön. Und so ein ewiger Kalender?
Frau Groß
01:08:29
Ja, der ist ein immerwährender. Da hab ich nämlich gesagt, wir müssen noch einen neuen Kalender, ne. Da sagt die Gabi: "Mama, wir brauchen keinen neuen. Kommt doch immer wieder." Ja, also ich kann mich auch über die Enkelkinder... wenn die nicht so viel Zeit haben. Sehe ich ein, aber sie kümmern sich. Gestern hat der David zum Beispiel lange mit mir am Telefon. Ich weiß manchmal, am Telefon dann gar nicht mehr, was ich erzählen soll.
Hans
01:09:02
Ja. Ja, das frage ich mich auch manchmal, Leute die die ganze Zeit mit dem Telefon herumlaufen, was reden die denn alles da?
Frau Groß
01:09:07
Ja.
Hans
01:09:09
Aber ich fand's sehr nett und schön, dass Sie heute mir geredet haben. Ich bedanke mich vielmals.
Frau Groß
01:09:13
Ja. Ja. Nix zu danken. Freue mich ja auch.
Hans
01:09:21
Ja. Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht. Feedback wäre in jedem Fall möglich auf ruhtal.letscast.fm - alles klein geschrieben. Und es würde mich natürlich freuen, wenn ihr mal wieder reinhört. Bis dann.